Mächtige Kräne lassen Stahlträger durch die Luft schweben, während sich Baggerschaufeln an der bedeutungsschwersten Baustelle der USA in die Erde graben.

Die ersten Hochhäuser des neuen World Trade Centers recken sich an der Südspitze Manhattans steil in die Höhe, die Gedenkstätte zu ihren Füssen soll am Jahrestag in einem Monat eröffnet werden. Bis zum Abschluss aller Bauarbeiten auf dem symbolträchtigen Gelände dürften aber noch fünf weitere Jahre vergehen.

Larry Silverstein kann diesen Moment kaum erwarten. Der neue Gebäudekomplex werde eine «deutliche Verbesserung» im Vergleich mit dem ursprünglichen World Trade Center sein, sagt der US- Immobilieninvestor, der Ende Juli 2001 für die Zwillingstürme einen auf 99 Jahre befristeten Pachtvertrag abgeschlossen hatte.

Sechs Wochen später steuerten Fanatiker des islamistischen Terrornetzwerks Al-Kaida zwei Flugzeuge in den Nord- und den Südturm, die vor den Augen der Weltöffentlichkeit in sich zusammenstürzten. Die Anschläge mit insgesamt fast 3000 Toten traumatisierten die USA.

Streit um Erinnerungserbe

Nachdem der Schutt des World Trade Centers weggeräumt war, lag Ground Zero jahrelang brach. Silverstein stritt sich mit Versicherungen um die Höhe des Schadenersatzes und mit dem Besitzer des Areals, der New Yorker Hafenbehörde, um Einzelheiten des Wiederaufbaus.

Auch Politik und Opfervertreter redeten mit, schliesslich handelt es sich bei dem Bauprojekt um ein nationales Erinnerungswerk. Erst im Frühjahr 2006 rollten die Bagger an, um den auf Entwürfen von Stararchitekt Daniel Libeskind beruhenden Master-Plan für das World Trade Center-Gelände zu verwirklichen.

Wegen der Verzögerungen befürchtete der inzwischen 80-jährige Silverstein, die Eröffnung nicht mehr zu erleben. Jetzt ist er wieder zuversichtlicher. Von seinem Büro aus blickt er auf die Baustelle, die aus der Luft wie ein Ameisenhaufen wirkt.

Nach Jahren der Ödnis sei das Gelände auf dem Weg zu einem vibrierenden Stadtteil, schwärmt Silverstein. «Ich kenne keinen anderen Ort in Amerika, wo etwas derart Spektakuläres vor sich gegangen ist.»
1776 Fuss - eine patriotische Höhe

Herzstück des Areals ist der Wolkenkratzer One World Trade Center, der in der Anfangszeit des Projekts den Namen Freedom Tower (Freiheitsturm) trug und als höchstes Gebäude New Yorks die Skyline von Manhattan prägen wird.

Rund 80 der geplanten 104 Stockwerke werden zum Jahrestag über Ground Zero ragen, die unteren Etagen des Rohbaus bereits mit mit einer verspiegelten Glasfassade verkleidet sein. Nach der Fertigstellung 2013 soll sich der nach den Plänen des US-Architekten David Childs errichtete Büroturm auf 1776 Fuss (541 Meter) erheben - als Anspielung auf die US-Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1776.

Den Hauptturm flankieren sollen der 78 Stockwerke hohe Tower Two von Architekt Norman Foster sowie zwei von den Architekten Richard Rogers und Fumihiko Maki entworfene Wolkenkratzer.
Ein etwas abseits gelegenes Hochhaus des World Trade Centers war bereits 2006 wiederaufgebaut worden. Neben Büroflächen soll das Areal auch Einkaufsmöglichkeiten bieten, unter dem neuen World Trade Center entsteht ein Verkehrsknotenpunkt für Busse und Bahnen.

Gedenkstätte erst 2016 öffentlich

Im Schatten der Riesen aus Glas und Stahl erinnert in einem Hain aus Eichenbäumen ein Mahnmal an die Anschläge: zwei enorme Granitbecken, die in den viereckigen Fussstapfen der eingestürzten Zwillingstürme eingelassen sind. An den Seitenwänden sollen sich Wasserfälle in die Tiefe ergiessen, auf Bronzeplatten am Rand sind die Namen der Opfer eingraviert.

Am kommenden 11. September findet in einer Zeremonie mit Angehörigen die Eröffnung statt, danach werden zunächst nur Besucher eingelassen, die sich im Internet vorher anmelden. Spätestens nach dem für 2016 geplanten Abschluss der letzten Bauarbeiten am World Trade Center soll die Gedenkstätte frei zugänglich sein. (sda)