Er war das automobile Symbol der deutschen Einheit: Wann immer Medien 1989 erst von den Montagsdemos, dann vom Mauerfall und von der neuen Reisefreiheit der DDR-Bürger berichteten, knatterte irgendwo ein Trabant 601 durchs Bild. Mehr noch als der VW Käfer im Westen und später der VW Golf prägte der Dauerbrenner aus den Sachsenring-Werken in Zwickau in der DDR das Strassenbild. Dabei hatte er zur Wendezeit seine besten Jahre schon lange hinter sich. Schliesslich stammt der Trabant 601 aus dem Jahr 1964.

Unter der Hülle steckten im Innenraum zwei Sitze wie Gartenstühle und eine dünne Rückbank. Unter der Motorhaube röhrte ein bloss 600 Kubikzentimeter grosser Zweizylinder-Zweitakter, der mit seinem Benzin-Öl-Gemisch die DDR in eine blaue Wolke hüllte.

Zwar wog der 601 tatsächlich nur gut 600 Kilogramm. Doch das Motörchen hatte mit seinen 26 PS an dem leichten Auto trotzdem schwer zu schleppen: Von 0 auf 100 in etwa 20 Sekunden und nicht einmal 110 km/h Spitze – das war eine Leistung, die den populären Spitznamen Rennpappe als reine Ironie enttarnt.

Heute braucht es bei einer Probefahrt mit dem «Trabi» nur ein paar Meter und die Wendezeit wird wieder lebendig: Aus dem dünnen Auspuffröhrchen puffen blaue Wölkchen. Es riecht nach Zweitakter. Und mit dem Reng-Teng-Teng des Mini-Motors hat man auch wieder die Protestchöre der Montagsdemos in den Ohren.

Rare «Trabis» für 20 000 Euro

Doch mit der Wende ging die Karriere des Einheitsautos schnell zu Ende. Die Wessis wollten vom Ostauto noch nichts wissen – und die Ossis nichts mehr wissen. Sang- und klanglos baute die VEB Sachsenring am 30. April 1991 den letzten von 2 818 547 Trabant 601.

«Weil den Trabant damals wirklich keiner mehr wollte, gab es Gebrauchte zu dieser Zeit schon für ein paar hundert Mark oder mit Glück sogar im Tausch für ein, zwei Kisten Bier», sagt Thomas Enders vom Trabi-Club «Blaue Wolke Mittelhessen». Heute sind die Preise längst wieder gestiegen. «Besonders rare Trabanten aus den Anfangsjahren oder die seltenen Exportmodelle kosten schon 20 000 Euro und mehr», sagt «Trabi»-Spezialist Enders.