Managua

So ging es nach der Macheten-Attacke auf unseren Autor weiter

«Nordwestschweiz»-Autor Max Dohner wurde vor einer Woche Opfer eines Macheten-Angriffs in Managua und fürchtete um sein Leben. Nun kam es zu einer überraschenden Wende – dank der Effizienz einer neuen Polizei in Nicaragua.

Noch war in Managua keine Woche vergangen seit der Attacke mit dem Buschmesser am helllichten Tag. Da läutete im Hotelzimmer das Telefon, nachts um 21 Uhr. Ein Verdächtiger sei gefasst; ob ich bereit sei zur Gegenüberstellung? Der Fahnder warte in der Lobby, ein Patrouillen-Fahrzeug sei unterwegs.

Eine halbe Stunde später wurden auf dem Distrikt 1 der Sandinistischen Polizei vier Verdächtige vorgeführt. Einen erkannte ich auf Anhieb. Es war mit Sicherheit jener Bursche, der mir vor fünf Tagen mit dem Buschmesser auf den Leib gerückt war. Ein 24-Jähriger, genannt «El Guapo», der Hübsche. Er war so eitel oder so dumm, die aufgegelte Hahnenkammfrisur beizubehalten. Daran war er noch leichter zu erkennen. Die anderen drei schieden als Komplizen aus.

Wie hatte die Polizei diesen ungewöhnlich effizienten Fahndungserfolg erzielt?

Es war eben nicht die Polizei. Nicht die gewöhnliche, von Arbeit überlastete Sandinistische Polizei. Es waren Leute einer vor rund zehn Jahren gegründeten Behörde, die vor kurzem erst stark aufgestockt und ausgebaut worden war: Policia Turistica, Tourismuspolizei. Tourismus ist von grösster wirtschaftlicher Bedeutung im Land. Den will man buchstäblich sichern. Allerdings wissen von der Existenz der Tourismuspolizei noch wenige (um sie aufzubieten, wählt man die Nummer 101). Weder die Sicherheitschefin des Hotels noch der Capitán der Sandinistischen Polizei, den wir zuerst aufsuchten, wiesen uns darauf hin.

Wer hat diese Leute also informiert? Das geschah nach landesüblicher Fasson. Ein seit mehr als vierzig Jahren in Nicaragua lebender Schweizer, Besitzer und Chef des französischen Feinschmeckerlokals «La Marseillaise», machte das Telefon. Gleichzeitig Mitglied der nationalen Tourismuskammer, zuständig für Fragen der Sicherheit. «Es ist immer das Gleiche», sagt er, «man muss die richtigen Leute kennen.»

Am Tag darauf meldete sich ein Fahnder im Hotel, in Zivil. Kurz angebunden, sachlich und ruhig – ein Mann, dessen Entschlossenheit augenfällig war. Er leuchtete Tatort und Verdächtige aus. Dann tat ihm ein Gesuchter den Gefallen und kehrte drei Tage später bereits an den Schauplatz zurück, um nahtlos weiterzumachen. Beim nächsten Überfall auf eine amerikanische Touristin wurde «El Guapo» verhaftet. Seine Komplizen sind noch minderjährig; sie werden nicht belangt.

Lesen Sie hier die Reportage über die Attacke.

Meistgesehen

Artboard 1