Corona-Virus

So bekämpfen unsere Nachbarn das Corona-Virus

Während Italien ganze Städte abgeriegelt hat, gibt man sich in Österreich betont entspannt. Berlin und Paris bereiten sich derweil auf Schlimmeres vor.

Frankreich: Mit Handschuhen gegen das Virus

Die Franzosen igeln sich ein: Sie bleiben zu Hause und praktizieren das «télétravail» (Homeoffice) und das Internetshopping. Panikkäufe häufen sich. In den Supermärkten stehen immer mehr Regale leer.

© Michel Euler / AP

In Frankreich sind mittlerweile weit über tausend Menschen mit dem Corona-Virus angesteckt. In Quarantäne befinden sich auch fünf Abgeordnete der Nationalversammlung sowie mehrere Firmenchefs. Nicht nur in den zwei französischen Krisenherden Elsass und Oise (Landesnorden), sondern neu auch in der Hauptstadt Paris sind Schulen geschlossen.

Wie in der Schweiz werden nun Sport- und andere Grossanlässe mit über 1000 Teilnehmern abgesagt. Fünf Tage vor den landesweiten Kommunalwahlen kündigte Premierminister Edouard Philippe auch spezielle Schutzmassnahmen (Desinfektion, Schutzmasken) in den Wahllokalen an. Im Alltag verzichten viele Franzosen auf das Händeschütteln und «la bise» (Wangenküsschen).

Und obwohl die Jahreszeit wärmer wird, tragen viele Pendler neben Schutzmasken auch Handschuhe in der Bahn und Metro. Alle reiben sich die Hände mit Desinfektionsgel ein. Die Regierung hat den Apotheken nun erlaubt, solchen Gel im Hinterzimmer selber herzustellen.

Deutschland: Geisterspiele

Wie in der Schweiz könnten auch in Deutschland Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen abgesagt werden. Gesundheitsminister Jens Spahn brachte eine entsprechende Idee in die Debatte ein. Allerdings sind der Bundesregierung die Hände gebunden. Zuständig für Absagen von Grossveranstaltungen sind die Veranstalter selbst oder die jeweiligen Gesundheitsbehörden in den Städten und Kommunen.

In dem vom Corona-Virus stark betroffenen Bundesland Nordrhein-Westfalen nimmt man die Empfehlung aus Berlin ernst, sämtliche Bundesliga-Partien in NRW sollen vor leeren Rängen stattfinden. Derweil reagiert die Bundesregierung auch auf die wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus. Am Sonntagabend hat sich die Grosse Koalition auf ein Massnahmenpaket geeinigt, das die negativen Folgen für die Wirtschaft abfedern soll.

Demnach wird die Auszahlung von Kurzarbeitergeld von der Regierung erleichtert. Spahn äusserte sich am Montag in Berlin auch zu dem Konflikt zwischen Deutschland und der Schweiz um Schutzmasken, die an der deutschen Grenze zurückbehalten und nicht in die Schweiz geliefert werden können. Spahn hat angekündigt, «zeitnah» Ausfuhrgenehmigungen zu erteilen.

Übersicht des Olympiastadion in Berlin: Deutschland stellt sich wegen der Ausbreitung des Coronavirus auf Geisterspiele am nächsten Bundesliga-Wochenende ein.

Übersicht des Olympiastadion in Berlin: Deutschland stellt sich wegen der Ausbreitung des Coronavirus auf Geisterspiele am nächsten Bundesliga-Wochenende ein.

Österreich: Fieber messen

Die Regierung von Bundeskanzler Sebastian Kurz schaut dem Virus relativ entspannt entgegen. Trotz bereits rund 140 Infizierter im Land hat Österreich bislang auf ein Verbot für Grossveranstaltungen verzichtet. Auch der für den 19. April geplante Wien-Marathon wird – Stand jetzt – ohne Einschränkungen durchgeführt.

Am Montag hat die Regierung allerdings mehrere mobile Gesundheitscheck-Teams in Kärnten und in Tirol an die Grenze zu Italien geschickt. Die Fachleute sollen dort als mobile Fiebermessstationen wirken. Sebastian Kurz sagte, insbesondere Personen, die aus den italienischen Risikobezirken nach Österreich einreisen wollten, würden genau untersucht.

Eine lokale Massnahme hat die Stadt Linz ergriffen. Eine bereits angelaufene Impfaktion zum Zeckenschutz der Bevölkerung wurde gestoppt. Der Grund: Das medizinische Fachpersonal werde in der Corona-Virus-Bekämpfung dringender gebraucht.

Strikter im Umgang mit dem Corona-Virus ist Liechtenstein. Hier sind – wie in der Schweiz – alle Veranstaltungen mit über 1000 Personen verboten. Allerdings waren im Fürstentum in den kommenden Wochen gar keine solchen Events geplant.

Sebastian Kurz.

Sebastian Kurz.

Italien: Revolten und Verwirrung

Neben den 133 Personen, die in Italien alleine am Sonntag am Corona- Virus gestorben sind, gab es am gleichen Tag auch 8 Tote bei gewalttätigen Gefangenenrevolten. Sechs Gefängnisinsassen kamen in Modena ums Leben, je ein Toter wurde in einer Strafanstalt in Verona und in Alessandria gemeldet.

Die Gefangenen protestierten gegen die Massnahmen, die von der Regierung zur Eindämmung der Corona-Epidemie auch in den Gefängnissen eingeführt worden sind, namentlich gegen die einstweilige Aussetzung jeglicher Besuche durch Angehörige. Weitere Kritik an den Massnahmen wurde zwar zivilisierter vorgetragen, war aber nicht minder scharf.

Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia von der Lega, bezeichnete die Restriktionen als «übertrieben und inopportun». Während aus den Regionalverwaltungen Vorbehalte kamen, herrschte in der Bevölkerung der neuen «Sicherheitszonen» am Montag noch Verwirrung und eine gewisse Anarchie.

Fest steht auf jeden Fall, dass von einer «Abriegelung» keine Rede sein kann: Um aus einer «Sicherheitszone» ausreisen oder in sie einreisen zu können, reicht eine selbst ausgefüllte Bestätigung, dass man aus Arbeits- oder Gesundheitsgründen unterwegs sei.

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