Terror

Sie kamen als Helfer nach Burkina Faso und wurden ermordet

Jean-Noël Rey und Georgie Lamon

Jean-Noël Rey und Georgie Lamon

Die beiden Walliser Jean-Noël Rey und Georgie Lamon waren zur falschen Zeit am falschen Ort. Wie kam es zu ihrem Engagement in Burkina Faso?

Es sind schreckliche Szenen, die sich am Freitagabend in der Hauptstadt von Burkina Faso abspielen: Um 19 Uhr 45 stürmen Terroristen das bei Westlern und UN-Mitarbeitern beliebte «Splendid Hotel» an der Kwame-Nkrumah-Allee im Herzen von Ouagadougou. Die Al-Kaida-Kämpfer nehmen über 100 Geiseln. Mindestens ein Terrorist überquert die Strasse und eröffnet das Feuer auf die Gäste im gegenüberliegenden Café «Cappuccino». Die Terroristen richten ein Massaker an. Die Attacke auf Hotel und Café kostet 29 Menschen aus 18 verschiedenen Ländern das Leben.

Unter den Todesopfern befinden sich auch zwei prominente Schweizer: Jean-Noël Rey, ehemaliger Post-Chef und alt Nationalrat, und der ehemalige Kantonsparlamentarier Georgie Lamon. Die beiden Walliser warteten auf Bekannte, um mit ihnen essen zu gehen. Und sind schlicht zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort: Zufallsopfer international agierender Dschihadisten.

Die Trauer im Wallis über die Todesnachricht aus Burkina Faso ist gross. «Für uns ist es ein Schock», sagt Gaël Bourgeois, Präsident der SP Wallis. «Rey und Lamon waren für unsere Partei sehr wichtig. Es sind zwei historische Figuren, die nun für immer von uns gegangen sind.» Der 66-jährige Rey und der 81-jährige Lamon stammten beide aus dem Bezirk Sierre. Rey aus Chermignon, Lamon aus Lens.

Sie standen sich seit langem nicht nur politisch, sondern auch persönlich nahe. Schon Reys Vater war eng mit Lamon befreundet. Tief betroffen äusserte sich am Sonntag auch David Bagnoud, der Gemeindepräsident von Lens. Er ist der Neffe von Lamon – sein Götti ist Jean-Noël Rey.

Jahrzehntelanges Engagement

Jean-Noël Rey und Georgie Lamon waren in das westafrikanische Land gereist, um eine Schulkantine einzuweihen. Lamons Tochter arbeitet als Tänzerin in Paris. Ihr Mann stammt aus Po, einer Stadt an der Grenze zu Ghana. Beim Besuch seiner Schwiegerfamilie vor Ort war Lamon der desaströse Zustand der dortigen Primarschule ins Auge gestochen. Um diese auf Vordermann zu bringen, gründete er zusammen mit Freunden den humanitären Verein Yelen. Das für den Bau einer Schulkantine nötige Geld sammelte er in der Gemeinde und im privaten Freundeskreis.

Dieses Engagement passt zu Lamon, der sich zeitlebens leidenschaftlich für sozial Benachteiligte und Behinderte einsetzte. Während 30 Jahren leitete er das welsche Büro für die berufliche Integration von Behinderten. «Er war ein Mann der Poesie, des guten Humors und des sozialen Zusammenhalts», sagte der Walliser SP-Nationalrat Mathias Reynard dem Westschweizer Fernsehen. Lamon ist Autor mehrerer Bücher gespickt mit Anekdoten aus seinem Heimatort Lens.

Nicht die ersten Schweizer Opfer

Wirtschaftswissenschafter Jean-Noël Rey machte erstmals als persönlicher Mitarbeiter von Bundesrat Otto Stich von sich reden. Bekannt wurde er, als er 1990 zum Generaldirektor des damaligen Postdepartements (PTT) ernannt wurde. 1998 wurde er als Erster alleiniger Generaldirektor der neuen Schweizerischen Post. Doch noch im selben Jahr musste er abtreten, nachdem Filzvorwürfe gegen ihn laut wurden. Sein politischer Weg führte ihn 2003 in den Nationalrat. Nach einer Legislatur als Vertreter der Walliser SP wurde er wieder abgewählt. Bis zu seinem Tod war er Präsident der Handelskammer Frankreich-Schweiz.

Drei Bundesräte äusserten sich zur Tragödie. «Die Schweiz ist tief betroffen über den Tod der Mitbürger und weiterer Opfer», sagte Bundespräsident Johann Schneider-Ammann. Innenminister Alain Berset sagte: «Er war ein offener und warmherziger Mensch.» Und Aussenminister Didier Burkhalter verurteilte den terroristischen Akt aufs Schärfste. Die sterblichen Überreste werden nun unter der Ägide Frankreichs in die Schweiz repatriiert. Bis sie im Wallis eintreffen, dauert es laut Gemeindepräsident David Bagnoud etwa zwei Wochen. Man stehe derzeit für die Organisation der Trauerfeier in Kontakt mit den Angehörigen.

Rey und Lamon sind nicht die ersten Schweizer, die von islamistischen Terroristen ermordet wurden. Vor vier Jahren wurden zwei junge Tessiner in Marokko ebenfalls von Mitgliedern von «al-Kaida im islamischen Maghreb» abgeschlachtet.

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