Serbien - Kroatien

Serbischer Präsident Tadic zu historischem Besuch in Kroatien

Kroatiens Präsident Ivo Josipovic (links) empfängt Boris Tadic in Vukovar

Kroatiens Präsident Ivo Josipovic (links) empfängt Boris Tadic in Vukovar

Serbiens Präsident Boris Tadic hat sich für das Massaker serbischer Truppen in der ostkroatischen Stadt Vukovar vor 19 Jahren entschuldigt. Sein Besuch in der damals umkämpften Stadt wird als symbolischer Schritt zur Versöhnung zwischen Kroatien und Serbien gewertet.

"Ich bin hier, um der Opfer zu gedenken und Worte der Entschuldigung und des Bedauerns zu äussern", sagte Tadic am Donnerstag in Vukovar. Er "verneige sich vor den Opfern" und wolle damit die Voraussetzung dafür schaffen, "dass Serbien und Kroatien ein neues Kapitel aufschlagen können".

Serbien wolle den Weg für "Vergebung und Versöhnung" ebnen, indem es die in Vukovar begangenen Gräueltaten eingestehe, sich dafür entschuldige und sie bedaure, sagte Tadic, der an der Seite seines kroatischen Kollegen Ivo Josipovic an einer Gedenkfeier für die Opfer von Vukovar teilnahm.

Vukovar war zu Beginn des Kroatienkrieges (1991-1995) von Truppen der serbisch dominierten jugoslawischen Armee und von paramilitärischen serbischen Einheiten eingenommen worden. Die Stadt mit ursprünglich 45'000 Einwohnern wurde durch die Belagerung praktisch vollständig zerstört.

Mehr als 1100 Zivilisten wurden während der Besatzung getötet, 5000 als Gefangene nach Serbien verschleppt. Bis heute gelten 460 Menschen aus Vukovar als vermisst.

Freunde und Feinde

Als das dunkelste Kapitel des Krieges gilt das Massaker an Zivilisten und Kriegsgefangenen, die in einem Spital der Stadt Zuflucht gesucht hatten. Von dort verschleppten serbische Truppen damals 264 Menschen auf eine abgelegene Schweinefarm in der Nähe der Stadt.

Die Gefangenen wurden dort erschossen und in einem Massengrab verscharrt. Bis heute wurden die sterblichen Überreste von 192 Opfern identifiziert. Das Massaker gilt als eines der schwersten Kriegsverbrechen nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa.

Die Beziehungen zwischen Kroatien und Serbien haben sich seit dem Ende des Krieges schrittweise verbessert, vor allem unter der Führung Tadics und Josipovics.

Beide Staatscefs wollen ihr Land in die Europäische Union führen und appellieren an eine Aussöhnung auf dem Balkan. Mit ihrem symbolischen Besuch in Vukovar wollten sie zeigen, dass auch eine "andere Politik des Friedens und der Freundschaft möglich ist", sagte Josipovic.

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