Dieses Abkommen sieht unter anderem strikte Grenzkontrollen und die Einrichtung neuer Internierungslager in den afrikanischen Staaten vor. In einer Erklärung nach einem Treffen der beteiligten Länder am Sonntagabend in Rom hiess es, die Aufnahmezentren - einschliesslich derjenigen, die in Libyen bereits bestehen - würden "internationalen humanitären Standards" entsprechen.

Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Zustände in den Zentren in Libyen. Der Internationale Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag erwägt sogar Ermittlungen zu Verbrechen gegen Flüchtlinge in dem nordafrikanischen Land. Nach den Worten der ICC-Chefanklägerin Fatou Bensouda sind in den libyschen Gefangenenlagern "Tötungen, Vergewaltigungen und Folter mutmasslich alltäglich".

Der UNO-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi forderte Libyen zur Freilassung internierter Flüchtlinge und Asylbewerber auf. Grandi äusserte sich am Sonntag beim Besuch eines Lagers in Tripolis "schockiert" über die dortigen Bedingungen.

Hilfe auf kommunaler Ebene

Selbst in einer "politisch und militärisch schwierigen Situation" müsse Libyen bis auf die kommunale Ebene hinab geholfen werden, sagte der UNO-Flüchtlingskommissar. Grandi forderte eine stärkere Präsenz und mehr Aktivität der UNO-Organisationen. In diesem Zusammenhang äusserte Grandi auch Besorgnis angesichts einer Zunahme der Zahl der Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer. "Deshalb müssen wir schnell handeln", sagte er.

Die EU unterstützt Libyen, damit weniger Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa kommen. Im Februar hatten sich die Staats- und Regierungschefs auf Malta auf einen Plan geeinigt, mit dem die teils elenden Zustände in den Lagern verbessert werden sollen.

Libyen ist eines der wichtigsten Transitländer für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Flüchtlinge aus Afrika, aber auch aus Syrien und anderen Ländern im Nahen Osten, treten von dort aus die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer meist ins rund 300 Kilometer entfernte Italien an.

Bis zu einer Million in Libyen gestrandet

Der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge starben dieses Jahr bereits fast 1250 Menschen vor der libyschen Küste.

Nach Angaben internationaler Organisationen halten sich derzeit 800'000 bis eine Million Menschen in Libyen auf, die mit behelfsmässigen Booten nach Europa übersetzen wollen. Die meisten von ihnen stammen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara. In libyschen Haftzentren werden 7000 bis 8000 Migranten ohne gültige Papiere festgehalten.