Natürlich falle es ihm schwer, das Amt des Ministerpräsidenten abzulegen, sagte CSU-Chef Horst Seehofer am Montag. Immer mal wieder habe er als Ministerpräsident den Grundsatz verwendet, dass «der Wechsel zum Leben gehört», sagte er und fügte hinzu: «Dann muss man diesen Grundsatz auch akzeptieren, wenn man selbst betroffen ist.»

Spätestens im Frühjahr 2018 wird der CSU-Chef seinen Posten als Regierungschef ausgerechnet für seinen schärfsten Widersacher, den bayrischen Finanzminister Markus Söder, räumen. Die Rochade ist mit Blick auf die im Herbst 2018 anstehenden bayrischen Landtagswahlen für die CSU von hoher Bedeutung. Die erfolgsverwöhnte Partei büsste bei den Bundestagswahlen im September über 10 Prozent der Stimmen ein – unter anderem an die in einigen bayrischen Regionen überraschend starke Alternative für Deutschland (AfD).

Seit dem enttäuschenden Wahlresultat im September war Seehofer parteiintern stark angeschlagen. Der 68-Jährige – seit 2008 bayrischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender – gibt allerdings nur einen Teil seiner Macht aus den Händen. Beim CSU-Parteitag Ende nächster Woche will sich der Ingolstädter abermals zum CSU-Parteivorsitzenden wählen lassen.

Gegenseitige Antipathie

Der Stabwechsel an der Regierungsspitze ist für Seehofer zumindest eine Teil-Niederlage. Seehofer konnte mit dem machthungrigen Franken Markus Söder nie etwas anfangen, er unterstellte dem 50-Jährigen schon mal «Schmutzeleien» und attestierte bei Söder einen «pathologischen Ehrgeiz».

Die persönliche Abneigung war gegenseitig. Bis zuletzt, so schien es, versuchte Seehofer, Söders Aufstieg an die Spitze Bayerns zu verhindern. Im Bundestagswahlkampf zauberte er den nach einer Plagiatsaffäre in die USA ausgewanderten früheren CSU-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg aus dem Hut, nicht zuletzt auch, um den ambitionierten Söder zurückzubinden.

Als zu Guttenberg klarmachte, dass für ihn eine Rückkehr in die deutsche Politik (noch) nicht infrage komme, brachte Seehofer seinen ihm loyal gegenüberstehenden Innenminister Joachim Herrmann ins Spiel. Doch die Risse in der Partei traten zuletzt immer deutlicher zutage, das Unterstützer-Lager für Söder wuchs an.

Seehofer und Söder bemühten sich am Montag, das Bild einer geeinten Partei nach aussen zu tragen. «Die grosse Herausforderung ist, die Gemeinsamkeit wieder herzustellen», sagte Söder und lobte Seehofer explizit dafür, den Weg an der Regierungsspitze freigemacht zu haben. Auch Seehofer spielte die gegenseitige Antipathie herunter. Frühere Konflikte zwischen den beiden seien längst vergessen. «Ich weiss nicht, wie viele Jahre das schon zurückliegt», sagte der CSU-Chef. Meinungsverschiedenheiten seien Teil der Politik. «Als was ich schon alles eingestuft worden bin von Parteifreunden im Verlaufe der letzten 40 Jahre, da hätte ich schon längst ausscheiden müssen.»

Die neue Doppelspitze der CSU mit Seehofer als Parteichef und Söder als Ministerpräsidenten sei die «Formation mit der höchsten Erfolgswahrscheinlichkeit», meinte Seehofer und schloss: «Da muss alles Historische zurücktreten, weil wir die Zukunft gewinnen müssen.»

Ob die neue Doppelspitze die CSU wieder in ruhigere Gewässer führen wird, ist allerdings fraglich. Der Politikwissenschafter Heinrich Oberreuter, selbst langjähriges CSU-Mitglied, spricht von einem äusserst fragilen Burgfrieden an der Parteispitze. Die Ämtertrennung zwischen Parteichef und Ministerpräsident habe sich in der Geschichte der CSU nicht bewährt. «Die grosse Frage bleibt: Ist nun Söder der Chef oder noch immer Seehofer? Ein Konflikt zwischen den beiden scheint spätestens nach den Landtagswahlen im nächsten Herbst programmiert», sagt der Politikwissenschafter.

«CSU braucht Seehofer»

Oberreuter geht davon aus, dass die Zeiten, in denen die CSU 50 Prozent und mehr der Stimmen in Bayern auf sich vereinen konnte, vorüber sind.

Oberreuter geht indes davon aus, dass Seehofer als Parteichef von der Basis bestätigt wird. «Die CSU braucht Seehofer noch für die komplizierte Regierungsbildung in Berlin. Auf diesem Spielfeld kann ihn die Partei nicht einfach ersetzen.» Auf längere Frist sei Seehofers Zeit an der CSU-Spitze wohl aber abgelaufen. «Es läuft auf Söder als Partei- und Regierungschef hinaus.»