Er war der Shootingstar der deutschen Politszene, die Bevölkerung und der Boulevard liebten den glamourösen Minister mit den lässig nach hinten gegelten Haaren. Als er für die CSU Wirtschaftsminister und kurze Zeit später Verteidigungsminister in Angela Merkels Kabinett wurde, war er noch nicht einmal 40.

Doch 2011, zwei Jahre nach seinem kometenhaften Aufstieg, war die politische Karriere von Karl-Theodor zu Guttenberg abrupt zu Ende. Der Nachkomme einer deutschen Adelsfamilie stolperte über eine Plagiatsaffäre, seine Doktorarbeit über die Verfassungsrechte in den USA und in der EU war mehrheitlich abgeschrieben.

Guttenberg floh mit Frau und zwei Töchtern in die USA. In New York baute er sich ein neues Leben als Berater auf. In Deutschland liess er sich nur noch selten blicken. Das dürfte sich in den nächsten Monaten ändern. CSU-Chef Horst Seehofer hat sich die Dienste Guttenbergs für den Bundestagswahlkampf gesichert. Der inzwischen 45-Jährige soll die Bayern-Partei mit öffentlichen Auftritten bei ihrem Ziel unterstützen, abermals eine satte Mehrheit der Wählerstimmen zu holen. Der ehemalige Wirtschafts- und Verteidigungsminister soll speziell für das komplizierter werdende deutsch-amerikanische Verhältnis als Experte fungieren.

Der Guttenberg-Song «Alles nur geklaut» von FFN

Der Guttenberg-Song «Alles nur geklaut» von FFN

Guttenberg beteuert, er strebe kein politisches Amt an. Schon vor einiger Zeit liess er die «Süddeutsche Zeitung» wissen, dass er für sich keine Zukunft mehr im politischen Betrieb sehe. Unabhängig davon, ob er dies überhaupt wolle, «würden die berechtigten Gründe für meinen Rücktritt sowie mein lausiger Umgang damit eine Rückkehr nicht rechtfertigen».

Nachlese - Unser Interview mit zu Guttenberg vom 20. Januar 2014: «Ich würde heute gänzlich die Klappe halten»

Gut möglich, dass der in der Bevölkerung nach wie vor geschätzte Freiherr Zugpferd der CSU und Spielball von Seehofer in einem ist. Die Partei soll von der Strahlkraft Guttenbergs profitieren. Zugleich bietet sich Seehofer die Chance, einen parteiinternen Widersacher aufs Abstellgleis zu befördern. Seehofer hat nämlich schon öfter signalisiert, dass er CSU-Chef und nach der Landtagswahl 2018 auch Ministerpräsident von Bayern bleiben will. Allerdings macht ihm sein Finanzminister Markus Söder diesen Anspruch streitig. Söder und Seehofer verbindet eine tiefe gegenseitige Abneigung.

Der CSU-Chef hat deshalb versucht, seinen Finanzminister mit einem Trick als Nachfolgekandidat aus dem Weg zu räumen: Er will Söder nach der Bundestagswahl nach Berlin wegbefördern. Doch der Rivale will nicht. Er denke nicht daran, sein geliebtes Bayern zu verlassen.

Guttenberg als Werkzeug für den Machterhalt

Der Politbeobachter Heinrich Oberreuter, als CSU-Mitglied ein interner Kenner der Bayernpartei, vermutet, dass Seehofer mit Guttenbergs Hilfe seinen Finanzminister zügeln will. Indem Guttenberg in der Partei plötzlich wieder präsent sei, würde die Liste potenzieller Seehofer-Nachfolger länger. «Guttenberg mischt die Debatte um Seehofers Nachfolge neu auf», sagt Oberreuter. «Je mehr Wirrwarr parteiintern um Seehofers Nachfolge entsteht, umso schlechtere Karten hält Söder in der Hand. Und wenn Chaos herrscht, dann wird Seehofer einfach weitermachen.»

Dass Guttenberg – entgegen seinen Beteuerungen – ein Comeback in der deutschen Politik anstrebt, hält Oberreuter für eher unwahrscheinlich. «Auch wenn es in der CSU nun einige gibt, die in Guttenberg den künftigen Aussenminister sehen. Aber das halte ich für Quatsch.» Ausschliessen lasse sich eine plötzliche Rückkehr des einstigen Hoffnungsträgers an die Spitze der Politik indes nie. Sollte die CSU nach der Bundestagswahl wieder an der Regierung beteiligt sein und «wird Guttenberg dann nach Berlin gerufen, kann er immer noch sagen: Okay, wenn ihr das wirklich wollt, dann mache ich es halt wieder.»

Zu Guttenberg im Aargau

Zu Guttenberg kam 2014 für das Aargauer Wirtschaftssymposium nach Aarau.