USA - China

Schwerster Affront seit 40 Jahren: Was hinter der Schliessung des chinesischen Konsulats in Houston steckt

Umstrittene Einrichtung: Das chinesische Konsulat in Houston wird geschlossen.

Umstrittene Einrichtung: Das chinesische Konsulat in Houston wird geschlossen.

Die Schliessung des chinesischen Konsulats in Houston ist eine Zäsur - Pekings Vergeltung nur eine Frage der Zeit.

Die angespannten Beziehungen zwischen den USA und China verschärfen sich in besorgniserregendem Ausmass: Zunächst beschuldigte Washington zwei chinesische Hacker, im Auftrag des Geheimdienstes millionenschwere Daten von US-Firmen über die Covid-Impfstoffsuche im Visier gehabt zu haben. Nur wenige Stunden später schliesslich ordnete die amerikanische Regierung an, das chinesische Generalkonsulat innerhalb von 72 Stunden zu schliessen.

Indirekt besteht ein Zusammenhang zwischen den zwei Vorfällen, denn in der Begründung des US-Aussenministeriums wirft es Peking Spionage vor: «Wir haben die Schliessung des Generalkonsulats in Houston veranlasst, um geistiges Eigentum und Privatinformationen Amerikas zu schützen.»

Man toleriere nicht Chinas Verletzungen gegen die Souveränität der Vereinigten Staaten. Konkrete Beweise legte Washington keine vor, ja nannte nicht einmal konkrete Taten.

Die chinesische Regierung zeigte sich entsetzt. Ein Sprecher des Pekinger Aussenministeriums sprach von einer «politischen Provokation», die einseitig von den USA initiiert worden sei. Zu der Schliessung heisst es: «China fordert die USA nachdrücklich auf, ihre fehlerhafte Entscheidung unverzüglich aufzuheben.» Ansonsten werde man «legitime und notwendige Massnahmen ergreifen».

Chinas Prinzip heisst «Auge um Auge»

Wie die Vergeltung der Kommunistischen Partei aussehen könnte, liegt nahe. In Bezug auf frühere Eskalationen von Trump hat Präsident Xi Jinping bislang stets nach dem Prinzip «Auge um Auge» gehandelt – etwa bei den gegenseitigen Ausweisungen von Korrespondenten in den jeweiligen Ländern.

Von daher gehen Beobachter davon aus, dass China nun seinerseits ein US-Konsulat schliessen wird. Wahrscheinlich fällt die Wahl auf das US-Konsulat in Wuhan. Dieses nämlich wurde im Februar im Zuge des Coronavirus-Ausbruchs evakuiert und ist bis zum heutigen Tage noch nicht besetzt.

US-Präsident Donald Trump konfrontiert Chinas Staatsführung in Kalter-Krieg-Manier: Zuletzt drohte er mit Einreiseverboten für sämtliche Mitglieder der Kommunistischen Partei Chinas und ihrer Familienangehörigen. Dies würde fast 300 Millionen Leute treffen.

Mitarbeiter verbrennen Akten

Seit Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen den zwei Ländern 1979 ist die Schliessung des Konsulats in Houston die bisher schwerwiegendste Eskalation.

Im chinesischen Konsulat selbst reagierten Mitarbeiter umgehend. Lokale US-Fernsehsender berichteten, dass auf dem Hof der Einrichtung schwarze Rauchfahnen aufstossen. Laut den Bildaufnahmen wurden stapelweise Akten verbrannt – offensichtlich, um sensible Daten zu vernichten. Feuerwehrleute schauten teilnahmslos der Szenerie zu – das Konsulat dürfen sie nicht betreten, da es sich um chinesisches Territorium handelt.

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