Griechenland

Schweres Erdbeben in der Ägäis fordert zwei Todesopfer ++ eine Schweizerin unter den Verletzten

Ein starkes Seebeben hat in der Nacht zum Freitag die griechisch-türkische Touristenregion in der Ägäis bei Kos und Bodrum erschüttert. Mindestens zwei Menschen kamen ums Leben - mehr als 120 weitere wurden verletzt, darunter eine Schweizerin, wie das Aussendepartement (EDA) in Bern bestätigte.

Der Reiseanbieter Hotelplan Suisse hatte am Freitagmorgen mitgeteilt, man habe Kenntnis von einer leicht verletzten Kundin. Es befänden sich 379 Reisegäste auf Kos und sechs Kunden im nur rund 15 Kilometer entfernten türkischen Bodrum. TUI Schweiz sprach von 671 Kunden in der Region, die alle wohlauf seien, Kuoni von einer dreistelligen Zahl an Reisegästen, niemand von ihnen schwer verletzt.

Vom Beben betroffen war vor allem die griechische Insel Kos. Auf den Strassen von Kos herrschte Chaos: Viele Touristen, die keine Erdbeben kennen, hätten nicht gewusst, was los war, sagten Anwohner.

Türke und Schwede getötet

Zwei junge Männer - ein Türke und ein Schwede - wurden von herabfallenden Trümmern der Decke einer Bar getroffen und starben. Das sagte der Gouverneur der Region Süd-Ägäis, Giorgos Chatzimarkos, im griechischen Rundfunk (ERT). Zum Zeitpunkt des Bebens um 1.28 Uhr Ortszeit waren die Bars von Kos voller junger Menschen.

Kos: Trümmer nach Erdbeben in der Ägäis

Kos: Trümmer nach Erdbeben in der Ägäis

Die griechische Erdbebenbehörde gab die Stärke des Bebens mit 6,5 an, die US-Erdbebenwarte (USGS) mass 6,7. Es folgten Dutzende Nachbeben. Seismologen sagten, es sei in den nächsten Stunden und Tagen mit weiteren Erschütterungen zu rechnen.

Mini-Tsunami beschädigt Boote

Das Seebeben löste einen kleinen Tsunami aus. "Die Wellen waren etwa 60 Zentimeter hoch", sagte der griechische Seismologe Akis Tselentis im Fernsehen. Das reichte für sichtbare Schäden: Mehrere Boote wurden beschädigt, entlang der aufgerissenen Kaimauern lag Geröll. Der Mini-Tsunami traf auch die Küste der gut zehn Kilometer entfernten türkischen Stadt Bodrum. Entlang der türkischen Küste lagen an Land gespülte Fischerboote.

In Bodrum rennen Leute in Panik auf die Strasse.

In Bodrum rennen Leute in Panik auf die Strasse.

13 Verletzte mussten dem griechischen Zivilschutz zufolge in Spezialkliniken nach Athen und per Rettungshelikopter auf die Inseln Rhodos und Kreta gebracht werden. Von den etwa 1830 Asylsuchenden, die derzeit auf Kos in Containern leben, wurde laut Polizei keiner verletzt. Kos war in den vergangenen Jahren als Teil der Flüchtlingsroute in die EU in den Schlagzeilen.

Häfen und Flughafen betroffen

Das Beben beschädigte neben dem Ausgehviertel von Kos auch die zwei Häfen der Insel schwer, den Jachthafen und den Fährhafen. Der Hafenpolizei zufolge konnten bis auf Weiteres keine Fähren mehr anlegen. Der Flughafen der Insel sei aber intakt, teilte Verkehrsminister Christos Spirtzis mit. Er war vorübergehend geschlossen.

In der Türkei gab es Medien zufolge keine Todesopfer. Die Behörden riefen die Bevölkerung zur Wachsamkeit auf. Die Gouverneurin der türkischen Provinz Mugla, Esengul Civelek, sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, es gebe dort bislang keine Berichte über Opfer oder strukturelle Schäden. Teilweise sei aber die Stromversorgung eingeschränkt. Einige Menschen könnten die Nacht aus Angst vor weiteren Nachbeben im Freien verbringen.

Epizentrum beim türkischen Bodrum

Das Zentrum des Bebens lag laut US-Erdbebenwarte nahe der türkischen Küstenstadt Bodrum in etwa zwölf Kilometern Tiefe. Nach Angaben des Europäischen Seismologischen Zentrums leben rund eine Million Menschen in der Region, in der die Erschütterungen zu spüren waren. Von Stränden und beschädigten Gebäuden solle man sich fernhalten.

Erst Mitte Juni hatte auf den Inseln Lesbos, Chios und an der Westküste der Türkei die Erde gebebt. Auf Lesbos kam dabei ein Mensch ums Leben, viele Häuser wurden zerstört.

Im europäischen Raum kommen in Griechenland, den südlichen Teilen des Balkans sowie im Westen der Türkei die meisten Erdbeben vor. Der grösste Teil der schweren europäischen Beben ereignet sich nahe den Rändern der Afrikanischen und Europäischen Kontinentalplatte.

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