Neun Leichen wurden aus einem überfluteten Landhaus in Casteldaccia nahe Palermo geborgen, wie die Feuerwehr am Sonntag mitteilte. Zwei Familien seien zum Abendessen versammelt gewesen, als das Haus von einem über die Ufer getretenen Bach überschwemmt wurde.

Unter den Opfern seien ein dreijähriger Bub und ein 15-Jähriger, berichteten italienische Medien. Lediglich zwei Personen konnten sich retten, eine von ihnen flüchtete auf einen Bau. Der Bürgermeister der Gemeinde sprach von einer "riesigen Tragödie".

Ein 44-jähriger Tankstellenbetreiber kam der Agentur Agi zufolge am Samstagabend in der Gemeinde Vicari ums Leben, als er einem Mitarbeiter mit seinem Jeep zu Hilfe eilte. Ein 20 Jahre alter Beifahrer wurde weiterhin vermisst.

In der sizilianischen Provinz Agrigent starben ausserdem zwei Menschen, deren Auto von einem Hochwasserführenden Bach mitgerissen worden war. In der Kleinstadt Corleone wird ein Arzt vermisst, der auf dem Weg zum Spital in Corleone war und wegen des Unwetters sein Auto unterwegs stehen lassen musste.

Conte besucht Betroffene

Der italienische Premier Giuseppe Conte besuchte am Sonntag die von den Unwettern betroffene Region auf Sizilien. Er berief für die kommende Woche eine Ministerratsitzung ein, um finanzielle Mittel für die Behebung der Unwetterschäden bereitzustellen.

Besonders schwierig ist nach wie vor die Situation im Grossraum Belluno in den Dolomiten. Tausende Haushalte müssen weiterhin ohne Strom und Wasser auskommen.

Leitungsmasten stürzten bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 180 Kilometern pro Stunde um. 100 Kilometer Strassen sowie Häuser und Autos wurden durch Wasser und Schlammmassen zerstört. Der Sturm riss Schneisen in die Wälder - 100'000 Hektar Wald von Udine bis zum Trentiner Fleimstal wurden vernichtet.

Soldaten wurden zur Überprüfung der wichtigsten Verkehrswege in der Region entsandt. Bereits Anfang der Woche hatte heftiger Regen auf Sizilien Überschwemmungen ausgelöst. Viele Strassen waren unpassierbar, Schulen blieben geschlossen.

«Apokalyptische Situation»

Der Chef des Zivilschutzes, Angelo Borrelli, sprach am Samstag in Belluno von einer "apokalyptischen" Situation. Paola Favero, Försterin in Cansiglio nahe Belluno, sagte: "Wir werden bis zu fünf Jahre benötigen, um die Schäden in den Wäldern zu beheben". Vier Millionen Bäume müssten ersetzt werden. Wegen der zerstörten Wälder wachse die Gefahr weiterer Erdrutsche und Lawinen.

Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, versprach eine rasche Aufarbeitung der Schäden in den Wäldern. Die Gegend bange um die bevorstehende Skisaison.

"Die Unwetter haben den Raum von Agordo zerstört, der unser Canyon ist", so Zaia, der mit Innenminister Matteo Salvini am Sonntag die von den Unwettern betroffenen Gebiete in Belluno besuchte. Zaia bezifferte die Schäden in der Region Venetien auf eine Milliarde Euro.

Die Schlechtwetterfront dürfte auch in den kommenden Tagen anhalten. Mit einer Entschärfung der Lage wird erst Mitte nächster Woche gerechnet. (SDA)