Gaddafi

Schweizer Richter wettert gegen Gaddafi: «Er wäre nichts, sässe er nicht auf einer Pfütze Öl»

Seine Anhänger schwinden von Tag zu Tag: Muammar Gaddafi

Seine Anhänger schwinden von Tag zu Tag: Muammar Gaddafi

Überraschende Worte von Stefan Trechsel, Strafrechtsprofessor und Richter in Den Haag. In der Stadt könnte Gaddafi der Prozess gemacht werden.

Solche Worte hat man von einem Mann, der das Gesetz vertritt, noch nie gehört: «Wer weiss, was aus Gaddafi geworden wäre, sässe er nicht auf einer grossen Pfütze Öl», sagt der Berner Strafrechtsprofessor Stefan Trechsel gegenüber dem «Sonntag».

Trechsel ist Richter am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag. In der Stadt des niederländischen Regierungssitzes könnte Gaddafi der Prozess gemacht werden.

Gegen den libyschen Diktator, der sich Wüstenstadt Bani Walid verstecken soll, liegt ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

«Je nach Schuldspruch droht eine Strafe bis zu lebenslangem Freiheitsentzug», sagt Trechsel. Er wäre in einem Verfahren gegen Gaddafi nicht als Richter vorgesehen und muss deshalb mit seiner Meinung nicht zurückhalten: «Gaddafi ist für mich ein von Grössenwahn verblendeter, völlig ruchloser und skrupelloser Diktator».

Und weiter sagt Trechsel: «Er hat völlig unbeteiligte Schweizer in Geiselhaft genommen und die Schweiz erpresst. Sein Sohn Hannibal hatte sich zuvor in Genf menschlich und rechtlich miserabel exponiert.»

Erst das Öl, so der Richter, habe Gaddafi den Reichtum und die Macht gebracht: «Das bewegte die Grossmächte zu ethisch nicht vertretbarer Toleranz.» Kurzum: Die Welt hofierte Gaddafi - und will ihn jetzt, wo das Terror-Regime gefallen ist, vor Gericht bringen.

«Die Hoffnungen darauf, dass Gaddafi in Den Haag der Prozess gemacht wird, sind wohl höher als die tatsächlichen Chancen, die ich für geringer als 50 Prozent halte», sagt Trechsel. Dennoch wäre Den Haag auch aus Sicht von Trechsel der richtige Ort, um Diktatoren wie Gaddafi abzuurteilen: «Die Verfahren geben doch Gelegenheit, ein Stück Geschichte nach den Regeln des Prozesses aufzuarbeiten.

Diese Arbeit kann eine historische Forschung nicht ersetzen, aber sie bringt den Opfern eine gewisse Genugtuung.» Hinter dem Völkerstrafrecht stehe die Idee, «dass Machthaber abgeschreckt werden, zu Methoden zu greifen, die das humanitäre Völkerrecht massiv verletzen».

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