Gemeinsinn

Schweizer haben einen stärkeren Zusammenhalt als Deutsche

Ein Schwachpunkt der Schweiz: die Akzeptanz von Diversität.

Ein Schwachpunkt der Schweiz: die Akzeptanz von Diversität.

Eine Studie, die heute Dienstag veröffentlicht wurde, untersucht den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den letzten 25 Jahren. Ein Ergebnis: Die Schweizer identifizieren sich mehr mit dem Gemeinwesen als Deutsche und Engländer.

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung hat 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union und sieben weitere westliche OECD-Länder (Australien, Kanada, Neuseeland, Norwegen, die Schweiz, die USA und Israel) untersucht. Sie soll Aufschluss über gesellschaftlichen Zusammenhalt, seine Ursachen und seine Folgen geben.

Die Schweiz landet auf Platz 9, damit ist der gesellschaftliche Zusammenhalt niedriger als in den nordischen Ländern (Dänemark, Norwegen, Finnland, Schweden), aber leicht besser als bei seinen Nachbarn (Österreich Platz 13, Deutschland 14, Frankreich 16, Italien 24). Am Schluss der Rangliste sind Bulgarien, Griechenland und Rumänien.

Der gesellschaftliche Zusammenhalt wurde in drei Bereiche unterteilt - soziale Beziehungen, Verbundenheit und Gemeinwohlorientierung.

Wie gross ist das Vertrauen ins Gesundheitssystem? In die Polizei? Wie stehen Menschen solchen mit anderer Hautfarbe gegenüber? Haben Sie in diesem Monat einem Unbekannten geholfen oder Geld gespendet? Mit solchen Fragen wurde der Index ermittelt.

Die Schweizer haben laut Studie einen stärkeren Gemeinsinn als beispielsweise Deutsche oder Engländer. Besser schneidet die Schweiz besonders in einem Punkt ab: Das Vertrauen in Institutionen und soziale Regeln ist hoch. Ähnlich sind diese Werte auch in Luxemburg und Österreich.

Wichtigkeit von Freundschaft nimmt leicht zu

Analysiert man die absolute Entwicklung des Vertrauens in die Mitmenschen im Durchschnitt aller Länder, so zeigt die Studie in den letzten 20 Jahren einen leichten Aufwärtstrend.

Bei den anderen beiden Dimensionen gibt es je nach Indikator uneinheitliche Trends. Während die Akzeptanz von Schwulen und Lesben eher zunimmt, ist die Anzahl der Menschen, die Immigrantinnen und Immigranten als Bereicherung empfinden, rückläufig; auch religiöse und ethnische Spannungen nehmen tendenziell zu.

Bei den sozialen Netzen, der privatesten Dimension des gesellschaftlichen Zusammenhalts, gebe es dagegen viel Stabilität, schreiben die Verfasser.

Aktuell geben im Durchschnitt über alle Länder 91 Prozent der Menschen an, Freunde oder Verwandte zu haben, die ihnen bei Schwierigkeiten helfen. Mitte der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts waren es 92 Prozent. «Die Wichtigkeit von Freundschaft im Leben nimmt leicht zu.»

Akzeptanz von Diversität ist niedrig

Ein relativer Schwachpunkt, insbesondere in der Schweiz und Österreich, sei die Akzeptanz von Diversität, hält die Studie fest. Sie sei unterdurchschnittlich und habe sich auch über die Zeit verschlechtert. «Populistische Parteien und das berühmte Anti-Minarett-Referendum passen zu dieser Diagnose. Was die gesellschaftlichen Charakteristika anbelangt, sind die Länder dieser Gruppe vor allem klein und wohlhabend.»

Die Ursache für die Verschlechterung sehen die Studien-Verfasser hauptsächlich in der stark gestiegenen Zuwanderung. So hat auch in anderen Ländern, die von starker Zuwanderung betroffen sind, wie Deutschland oder Holland, die Akzeptanz von Diversität abgenommen.

Dagegen sind Polen und Rumänien – beides Auswanderungsländer – von schlechten Platzierungen in die Mittelgruppe oder sogar ins obere Mittelfeld aufsteigen.

Auf den Zusammenhalt insgesamt hat die Zuwanderung dagegen keine negativen Auswirkungen: «Ebenfalls hoch ist der Zusammenhalt in den klassischen Einwanderungsgesellschaften Nordamerikas und Ozeaniens sowie in den kleinen, wohlhabenden westeuropäischen Ländern Schweiz, Luxemburg und den Niederlanden.»

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