Drei Jahre nach dem Beginn des Aufstandes in Syrien ist das AssadRegime in Feierlaune. Mit Unterstützung der libanesischen Hisbollah konnten Regierungstruppen am Wochenende die Rebellenhochburg Jabrud zurückerobern. Über die Gebirgsstadt unweit der Grenze zum Libanon hatte die Opposition die Aufständischen in den Vororten von Damaskus mit Waffen versorgt. Von Jabrud aus konnten Rebellenkämpfer zudem die für das Regime überlebenswichtige Autobahn von Damaskus über Homs zum Mittelmeer blockieren. Der Verlust der Stadt ist ein schwerer Rückschlag für die Rebellen, die auch in anderen Landesteilen in die Defensive geraten sind.

Die zentrale Millionenstadt Homs ist fast vollständig unter Regierungskontrolle. Und in Aleppo ist die Armee dabei, die Rebellen im Ostteil der Millionenmetropole zu umzingeln. Trotz dieser Erfolge wird das Assad-Regime nicht in der Lage sein, die Rebellen «zu vernichten», wie dies in Damaskus nun euphorisch prognostiziert wird. Eine militärische Lösung in Syrien ist weiterhin unmöglich, weshalb die kämpfenden Parteien und ihre Unterstützer im Ausland eigentlich begreifen sollten, dass der Konflikt nur am Verhandlungstisch gelöst werden kann.

Unwillige Gesprächsteilnehmer

Dort hat Assad nun die besseren Karten. Seine Bereitschaft zu Friedensgesprächen und damit zu einem Ausgleich mit den Rebellen ist nach den letzten militärischen Erfolgen daher gering. Die syrische Opposition will wiederum erst dann an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn verlorenes Terrain zurückerobert worden ist. Zu viel haben vor allem die arabischen Golfstaaten in Syrien investiert, als jetzt ihren syrischen Verbündeten zu gestatten, aus einer Position der Schwäche mit dem Assad-Regime zu verhandeln.

Saudi-Arabien setzt mit seinen Verbündeten weiterhin auf den Sturz des Assad-Regimes, weil damit der regionale Kontrahent Iran in Arabien geschlagen und die «schiitische Achse» von Teheran über Bagdad und Damaskus nach Beirut gesprengt würde. Für die Verwirklichung dieses grossen Ziels scheint das sunnitische Riad die Rebellen in Syrien noch Jahre unterstützen zu wollen. Finanziell auf Rosen gebettet, nimmt man damit allerdings in Kauf, dass Syrien vollends ausblutet und sich das Flüchtlingsdrama in dem Land weiter verschärfen wird.

Schuld am Elend in Syrien hat auch die internationale Staatengemeinschaft. Die USA haben kein strategisches Interesse an Syrien. Selbst nach den Giftgasmassakern im Sommer letzten Jahres verzichtete Präsident Barack Obama auf eine militärische Intervention, welche zu diesem Zeitpunkt das Assad-Regime wohl in massive Bedrängnis gebracht hätte. Das amerikanische Zaudern führte zu einer Radikalisierung der Aufständischen, die sich vom Westen verraten fühlten und sich mit Gruppen verbündeten, die aus ihrer ideologischen Nähe zum Terrornetzwerk al-Kaida keinen Hehl machen.

Die Terroristen sind wirklich da

Besser hätte es für Assad nicht laufen können. Seit dem Beginn des Aufstandes verunglimpfte der Diktator die Anhänger der Opposition als Terroristen. Nun kann er sich entspannt zurücklehnen und mit dem Finger auf Zehntausende Dschihadisten zeigen, die in Syrien einen islamischen Gottesstaat errichten wollen. Und damit nicht genug: Angesichts der unglaublichen Brutalität der Kaida-Kämpfer hat Assad keine Schwierigkeiten, sich der aufgeschreckten internationalen Staatengemeinschaft als das «kleinere Übel» und «Garanten der Stabilität» zu präsentieren.

Baschar al-Assad konnte seine Macht festigen, weil der Westen die moderate Opposition im Stich gelassen hat. Für eine Korrektur dieses so verhängnisvollen Fehlers ist es jetzt vermutlich zu spät. Selbst viele moderate syrische Rebellen haben es inzwischen satt, von Dschihadisten aus Tschetschenien oder Saudi-Arabien bevormundet zu werden. Die jüngsten Erfolge der syrischen Armee waren auch deshalb möglich, weil frustrierte syrische Rebellen nicht mehr kämpfen wollten oder stillschweigend die Seiten wechselten. Nach Hungerblockaden in Damaskus und Homs waren Tausende von Rebellen bereit, ihren Widerstand aufzugeben und mit dem Regime zu kooperieren.

Vielleicht richtets Rohani?

Der Westen muss diese neuen Tatsachen zur Kenntnis nehmen und sich damit abfinden müssen, dass das Regime in Damaskus zumindest mittelfristig an der Macht bleibt – dies mit massiver Unterstützung von Russland und der Regionalmacht Iran, was bei genauer Betrachtung keine schlechte Nachricht mehr ist. Denn mit dem neuen iranischen Präsidenten Hassan Rohani regiert in Teheran ein Politiker, der um Ausgleich mit dem Westen bemüht ist und auch im Mittleren Osten auf Deeskalation setzt.

Irans Einfluss in Syrien und dem benachbarten Libanon ist gewaltig. In der ehemaligen Bürgerkriegsrepublik schafften es Teheran und Riad zu Jahresbeginn, einen zehnmonatigen Streit um die Regierungsbildung beizulegen. Eine Verständigung zwischen den beiden Protagonisten in Syrien ist freilich nicht in Sicht.

Zumindest eine Annäherung könnte US-Präsident Barack Obama erwirken, wenn er Ende des Monats den saudischen König Abdullah in Riad besucht. Dort könnte sich entscheiden, ob der Krieg in Syrien noch Jahre weitergeht oder mit etwas gutem Willen die Weichen für eine Friedenslösung gestellt werden.