Schon seit vier Tagen geht die ägyptische Militärpolizei härter gegen die Demonstranten vor. Nun tauchen erste Bilder des Geschehens auf dem Tahrir-Platz in Kairo auf. Sie sind schockierend und zeigen, wie rücksichtslos die Behörden gegen die demonstrierende Menschen vorgehen.

«Für alle, die den Obersten Militärrat verteidigen»

Das youtube-Video mit dem Titel «Für alle, die den Obersten Militärrat immer noch verteidigen» zeigt Polizisten, die auf wehrlose Demonstranten einprügeln. Mit Schlagstöcken schlagen sie solange auf die am Boden liegenden Menschen ein, bis diese sich nicht mehr rühren. Teilweise sogar noch länger. Offiziere schiessen mit Pistolen wild in die Menge.

Ein Beispiel: Am Rand einer Strassenschlacht läuft ein Mann mit einer Frau einer Leitplanke entlang. Sie beteuern offenbar, dass sie nichts mit den Protesten zu tun haben. Ein Polizist winkt sie durch. Später sieht man wie das Paar einem auf dem Boden liegenden Mann zu Hilfe kommt. Daraufhin stürmen Polizisten auf die beiden los, obwohl diese weiter ihre Unschuld beteuern, und schlagen sie brutal nieder.

Eine andere Szene berührt besonders. Eine offenbar wehrlose Frau wird von mehreren Polizisten über die Strasse geschleift. Sie schlagen mit ihren Schlagstöcken auf sie ein. Dann ziehen sie ihr das Kleid hoch. Ein Polizist tritt ihr auf Brüste und Bauch.

Das Video zeigt die schlimmen Strassenschlachten in Kairo

Das Video zeigt die schlimmen Strassenschlachten in Kairo

Das Bild des «Mädchens im blauen BH» erregt die ägyptischen Medien. Laut dem ägyptischen Blogger Karim El-Gawhary zeigten unabhängige ägyptische Zeitungen heute Morgen das Bild des Mädchens. Getitelt hätten sie: «Lügner». Dies, weil der Militärrat noch immer behauptet, niemals Gewalt gegen ägyptische Bürger anzuwenden. Die Zeitungen seien an sämtlichen Verkaufsständen konfisziert worden.

Auch die Befürworter des Militärrates streiten die Gewalt ab. Der Besitzer des privaten Fernsehsenders «Al-Faraena» Taufik Okascha forderte, dass die Mütter der Demonstranten öffentlich 20 Mal auf ihre Füsse gepeitscht werden sollen. Dies weil sie ihre Kinder nicht richtig erzogen hätten.

Der private Fernsehsender «Al-Faraena» ist für seine Nähe zum Militärrat bekannt.

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Doch auch solche Berichte schrecken die Demonstranten nicht ab. Heute sollen sich bereits wieder hunderte Demonstranten Strassenschlachten mit der Militärpolizei geliefert haben. (cht)