Nachdem die Grill-Saison begonnen hat, kommen sie jetzt wieder besonders häufig zum Einsatz: Plastik-Teller, Plastik-Becher, Plastik-Besteck. Ist die Party vorüber, landen sie dann meist umgehend im Müll. Zusammen mit übrigem Plastik-Verpackungsmaterial produziert Europa so rund 25 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle pro Jahr. Viel zu viel, findet die EU-Kommission, und macht sich nun daran, Gegensteuer zu geben: «Plastikmüll ist ein grosses Thema und die Europäer müssen dieses Problem zusammen angehen», so EU-Vizepräsident Frans Timmermans.

Als Erstes soll der Plastikmüll im Meer reduziert werden. Denn rund 85 Prozent des im Meer treibenden Mülls bestehen aus Plastik. Im Jahr 2050 könnte es mehr sein, als es Fische in den Ozeanen hat, so eine Schätzung der EU-Kommission. Um dies zu verhindern, sollen jene zehn Produkte verboten werden, die besonders häufig an europäischen Stränden angespült werden. Dazu gehören Plastik-Geschirr, Wattestäbchen und Strohhalme. Die Umweltschutzorganisation «Seas at Risk» schätzt, dass allein an Trinkhalmen in Europa pro Jahr rund 36 Milliarden Stück, also 71 pro Einwohner, verbraucht werden. Für sie gibt es aber auch umweltschonende Alternativen. «Tetra Pak» zum Beispiel kündete bereits im April an, für ihre Trink-Produkte bis Jahresende nur noch Papierhalme zu verwenden.

China nimmt keinen Müll mehr

Neben dem Verbot zielt der Kommissionsvorschlag auf eine starke Reduktion von Lebensmittelverpackungen oder Plastik-Flaschen. Von Letzteren soll bis 2025 eine Sammelquote von 90 Prozent gelten. Bereits im Januar stellte Brüssel seine Plastikstrategie vor, wonach bis 2030 alle Kunststoffverpackungen in der EU recyclingfähig sein sollen. Hintergrund ist, dass China ab Anfang dieses Jahres aufgehört hat, Plastikabfälle aus aller Welt zu importieren und Europa auf einem riesigen Müllberg sitzt.

Ins Abseits geraten ist die ursprüngliche Idee einer generellen Steuer auf Plastik. Mehrere Mitgliedstaaten hatten sich ablehnend gegen einen solchen Ansatz ausgesprochen. Stattdessen prüft EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger eine Abgabe von 80 Cent auf jedes Kilogramm nichtwiederverwerteten Plastiks. Bis die Massnahmen in Kraft treten können, dürfte es allerdings dauern. Zuerst müssen sich EU-Parlament und EU-Staaten einig werden. Danach vergehen nochmals zwei Jahre, um die Richtlinie in nationale Gesetze zu überführen.

Während im EU-Parlament Linke und Grüne positiv reagieren beziehungsweise noch weitergehende Massnahmen fordern, gibt es auch kritische Stimmen. So bezeichnet der deutsche CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber den Vorschlag als «Schnickschnack». Ferber: «Wenn bald Luftballons mit Warnhinweisen zu Umweltauswirkungen versehen werden müssen, dann wird künftig jeder Kindergeburtstag zur Recyclingparty.» Der grösste Teil der Plastikabfälle im Meer stamme ohnehin aus Asien und nicht aus der EU. «Wie immer mangelt es den Kommissionsvorschlägen gehörig an Verhältnismässigkeit», so Ferber.