Fährunglück

Schiffsunglück vor Sansibar mit mindestens 190 Toten

Nach dem Fährenunglück vor Sansibar bergen Polizisten die Leichen von Kindern

Nach dem Fährenunglück vor Sansibar bergen Polizisten die Leichen von Kindern

Beim Untergang einer offenbar überladenen Fähre vor der tansanischen Insel Sansibar sind am Samstag mindestens 190 Menschen ums Leben gekommen. 610 Menschen konnten gerettet werden.

Der auf Sansibar für Rettungseinsätze zuständige Minister Mohammed Aboud bezifferte am Abend die Zahl der Toten auf mindestens 190. Es handelte sich um eine vorläufige Bilanz, da die am Abend unterbrochenen Rettungs- und Bergungsarbeiten am Sonntag fortgesetzt werden sollten.

Die Fähre "MV Spice Islander" sank in der Nacht auf Samstag im Archipel Sansibar zwischen der Hauptinsel Unguja und der Nachbarinsel Pemba.

Unklar war, wie viele Menschen an Bord gewesen waren. Die Fähre hatte eine Kapazität von 645 Passagieren und 45 Besatzungsmitgliedern. Nach dem letzten Stand der Zahlen der Toten und Überlebenden waren mindestens 800 Personen an Bord.

Passagierlisten werden in der Regel nicht oder nur unzureichend geführt. Nach Angaben der Behörden von Sansibar hatte das Schiff auch grosse Mengen an Reis und anderen Gütern geladen. Augenzeugen berichteten, mehrere Passagiere hätten sich geweigert an Bord des überfüllten Schiffs zu gehen.

Wohl keine Touristen an Bord

Die Insel Unguja mit ihren weissen Sandstränden und ihrer bewegten Geschichte als Schmelztiegel arabischer und afrikanischer Kulturen sowie als Zentrum des Sklavenhandels und die Nachbarinsel Pemba mit einigen der schönsten Tauchreviere weltweit sind beliebte Reiseziele.

Derzeit ist noch nicht klar, ob Touristen an Bord waren. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete, es seien keine Touristen unter den Überlebenden und den bislang gefundenen Leichen.

Schiff bekam Schlagseite

Gemäss Überlebenden geriet das Schiff in der Nacht in starke Strömungen und sank. Ein Überlebender, der 15-jährige Yahya Hussein, sagte, das Schiff sei plötzlich eine Art Zick-Zack-Kurs gefahren.

Deshalb sei er von Bord gesprungen. Wenige Minuten später habe die Fähre Schlagseite bekommen. Mwita Massoud sagte, nachdem sich das Schiff auf die Seite geneigt habe, sei Wasser durch die Hauptkabine geschossen und die Maschinen hätten gestoppt.

"Es war furchtbar, die Menschen schrien und kreischten in der Dunkelheit", berichtete die siebenjährige Aisha Mohammed. "Ich kann meine Mami nicht finden, ich habe sie im Wasser verloren", sagte sie verzweifelt, nachdem sie von einem Rettungsboot aus dem Meer gezogen wurde.

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