Japan

Schickt Tepco «Wegwerfarbeiter» ins Strahlengebiet?

Japanische Helfer auf dem Weg zur Strahlenkontrolle. (AP Photo/Xinhua, Huang Xiaoyong)

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Japanische Helfer auf dem Weg zur Strahlenkontrolle. (AP Photo/Xinhua, Huang Xiaoyong)

Der ARD-Fernsehreporter Robert Hetkämper macht der japanischen Betreibergesellschaft des AKWs Fukushima 1 schwere Vorwürfe. Er behauptet, Tepco schicke Minderjährige und Obdachlose als «Wegwerfarbeiter» ins verstrahlte Werk.

Sie wurde als Namenlose und als Helden betitelt, die freiwilligen Arbeiter, die  Fukushima 1 vor der Kernschmelze und damit die Welt vor einer atomaren Katastrophe bewahren wollen. Und als pflichtbewusste Techniker und Feuerwehrleute, die sich zum Wohle der Gemeinschaft aufopfern. Doch nun erscheinen die Helden von Fukushima in einem neuen Licht. Denn der langjährige ARD-Korrespondent Robert Hetkämper hat in der WDR-Sendung «Aktuelle Stunde» vom 17. März happig Vorwürfe gegen die Betreiberfirma des havarierten Atomkraftwerks in Japan erhoben. Hetkämper sagt, Tepco schicke seit Jahren Obdachlose und Gastarbeiter in das Atomkraftwerk Fukushima 1.

«Es sind oft Obdachlose. Es sind sehr viele Gastarbeiter, es sollen sogar Minderjährige dabei sein, die seit Jahren dort immer wieder angeheuert werden und dann, wenn sie eine Zeit lang dort gearbeitet haben und halbwegs verstrahlt sind, gefeuert werden. Wegwerfarbeiter hat man sie hier in Japan genannt», so Hetkämper. Das passiere schon seit Jahrzehnten, sagte er weiter. In dem WDR-Bericht kam zudem der Atomphysiker Dr. Horst Ellgering zu Wort. Er schätzt die Überlebenschancen der angeblich freiwilligen Helfer in Fukushima als sehr gering ein. «Was man sieht, lässt darauf schliessen, dass ihre Überlebenswahrscheinlichkeit von Mal zu Mal abnimmt. Und der Strahlentod ist kein schöner Tod», sagte Ellgering im Beitrag.

Den sicheren Strahlentod freiwillig in Kauf nehmen?

Tatsächlich herrscht rund um das Horror-Kraftwerk noch immer eine unvorstellbare Strahlenbelastung von 1000 Millisievert pro Stunde. Die Arbeiter nehmen in 15 Minuten so viel Radioaktivität auf, wie sonst in einem ganzen Jahr erlaubt wäre. Sie nehmen damit den sicheren Strahlentod in Kauf - ein Todeskommando auf Zeit.

Tatsächlich ist wenig bekannt über die Menschen, die mit der Kühlung der explodierten Reaktoren beschäftigt sind und dort ihr Leben riskieren. Die Vorwürfe erinnern aber auch an die Katastrophe von Tschernobyl, die so gern mit jener von Fukushima verglichen wird. Dort wurde sogenannte Liquidatoren eingesetzt. Hunderttausende Arbeiter wurde zwangsverpflichtet, einen Schutzmantel um den geborstenen Reaktor zu bauen. Auch ihnen wurde nicht gesagt, wie gross die Strahlengefahr tatsächlich war.

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