Er entschuldigte sich am Donnerstag für Angriffe seitens der Anhänger von Staatspräsident Husni Mubarak auf dessen Gegner und sprach von einem «eklatanten Fehler». Er kündigte eine Bestrafung der Verantwortlichen und eine Untersuchung der Vorgänge an.

Auch die islamistischen Muslimbrüder wurden nach Angaben des ägyptischen Vizepräsidenten Omar Suleiman zu einem Treffen mit Regierungsvertretern eingeladen. Die Gruppe gilt als eine der wichtigsten Oppositionskräfte im Land.

Oppositionsführer Mohamed al-Baradei lehnte allerdings das Verhandlungsangebot der Regierung ohne Vorbedingungen ab. Er forderte, zuerst müsse Mubarak sein Amt niederlegen. Weiter sagte Al- Baradei, vor jedweder Verhandlung müsse die Sicherheit auf dem Tahrir-Platz im Zentrum Kairos wiederhergestellt werden.

Feuergefechte und Plünderungen

Auf dem Platz der Befreiung gingen die Streitkräfte zwischen den verfeindeten Lager in Stellung, griffen jedoch kaum in die Ausschreitungen ein. Am Donnerstag kam es erneut zu Strassenschlachten zwischen Gegner und Anhänger Mubaraks.

festnahmen

Am Nachmittag brachen Feuergefechte aus. Mindestens ein Toter wurde davongetragen. Aus mehreren Teilen der Stadt und aus Vorstädten wurden Brände gemeldet.

Auf dem Tahrir-Platz hatte es bereits am Morgen mindestens drei Tote bei einer Schiesserei gegeben. In den vergangenen Tagen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 13 Menschen. Rund 1200 Personen wurden verletzt.

Entschuldigung des Ministerpräsidenten

Die Demonstranten beschuldigen die Regierung Mubarak, bezahlte Schlägertruppen und Polizisten in Zivil auf die Protestierenden angesetzt zu haben.

Anhänger von Mubarak machten auch Jagd auf ausländische Journalisten und Vertreter von Menschenrechtsorganisationen. Mehrere Reporter wurden verprügelt, beraubt oder verhaftet, mit dem Ziel, eine kritische Berichterstattung zu verhindern.

nacht in kairo

Die Vereinten Nationen kündigten an, rund 350 ihrer derzeit in Ägypten befindlichen Mitarbeiter auf der Mittelmeerinsel Zypern in Sicherheit zu bringen. Das Eidg. Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) teilte auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA mit, dass die Familienangehörigen der Botschafts-Mitarbeiter ausgeflogen würden.

EU-Länder fordern Machtwechsel

Führende EU-Staaten forderten eine sofortige Neuordnung der politischen Machtverhältnisse in Ägypten. Die jüngsten Entwicklungen in dem arabischen Land würden mit äusserster Besorgnis verfolgt, hiess es in einer gemeinsamen Erklärung der Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien und Spanien.

«Der Prozess des Übergangs muss jetzt beginnen», lautete es in der Erklärung, die vom Büro des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy veröffentlicht wurde. Zuvor hatte auch US-Präsident Barack Obama Mubarak aufgerufen, einen Machtwechsel einzuleiten.

Mubaraks Sohn tritt nicht bei Wahlen an

Unterdessen verhängten die ägyptischen Behörden erste Sanktionen gegen frühere Mitglieder von Mubaraks Regierung. Der ägyptische Generalstaatsanwalt sprach Ausreiseverbote gegen drei ehemalige Minister aus und fror ihre Bankkonten ein.

Entgegen bisheriger Vermutungen will sich der Sohn des ägyptischen Präsidenten, Gamal Mubarak, offenbar nicht um die Nachfolge seines Vaters im Amt bemühen. Das berichtete das staatliche ägyptische Fernsehen unter Berufung auf Vizepräsident Suleiman.

Mubarak spricht im US-Fernsehen

In einem Interview mit dem US-Fernsehen hat der ägyptische Präsident Husni Mubarak für den Fall seines Rücktritts vor den Abgleiten seines Landes ins Chaos gewarnt.

Er sei zwar zur Aufgabe des Amts bereit, sagte Mubarak am Donnerstag dem Sender ABC. Ein sofortiger Rückzug würde die Lage in Ägypten aber noch instabiler machen. «Wenn ich heute zurücktrete, wird es Chaos geben», zitierte ABC den Präsidenten in einer Presseerklärung.