Montenegro

Sawiris plant ein Luxus-Resort auf einer ehemaligen KZ-Insel

Samih Sawiris.

Samih Sawiris.

Permanente Party-Stimmung auf einer ehemaligen Gefängnisinsel? Samih Sawiris, Chef der ägyptisch-schweizerischen Orascom Development Holding, will die Insel Lastavica vor der Küste Montenegros in ein Luxus-Resort verwandeln. Nachkommen der Opfer sind entsetzt.

Möglicherweise hatte der damalige italienische Premier Silvio Berlusconi an die Insel Lastavica vor der montenegrinischen Küste gedacht, als er im Jahr 2003 erklärte, dass Benito Mussolini ein «gutmütiger Diktator» gewesen sei, der seine Gegner bloss in «Ferienlager ans Meer» geschickt habe.

Die kleine Adria-Insel hatte dem faschistischen Regime des «Duce» tatsächlich als Lager gedient – Mussolini hatte dort politische Gegner und Kriegsgefangene zu Tode foltern und verhungern lassen. Zwischen Frühling 1942 und Herbst 1943 waren im «Campo Mamula» laut italienischen Militärakten über 2000 Gefangene interniert gewesen; etwa 150 von ihnen haben ihren Aufenthalt nicht überlebt.

Nun sollen die ehemaligen Zellen und Folterkammern der Mamula-Festung einer neuen, touristischen Bestimmung zugeführt werden: Samih Sawiris, Patron der ägyptisch-schweizerischen Orascom Development Holding, will die einstige Todesinsel in ein Luxus-Resort verwandeln.

Das Projekt enthält alles, was das Herz der Reichen und Schönen begehrt: 23 luxuriöse Suiten, zwei Restaurants, ein Wellness-Center, einen Beach- und einen Nachtclub – und natürlich darf auch ein kleiner Jachthafen nicht fehlen. Wo früher die Schergen des «Duce» die Gefangenen quälten, werden sich künftig 200 Köche, Kellner, Zimmermädchen, Fitnesstrainer und andere Bedienstete um das Wohl der Gäste kümmern.

Jährlich 7,5 Mio. Euro Einnahmen

Die Pläne des ägyptischen Unternehmers, der auch in Andermatt ein ambitioniertes Luxus-Tourismus-Projekt vorantreibt, sind vom montenegrinischen Parlament bereits abgesegnet worden: Im Dezember haben die Abgeordneten einem Vertrag zugestimmt, der vorsieht, dass die Insel und die Festung für 49 Jahre an Sawiris abgetreten werden. Die Miete beträgt 1,5 Euro pro Quadratmeter und Monat, was dem montenegrinischen Staat monatlich 4000 Euro an Einnahmen bringen wird. Ausserdem ist eine Gewinnbeteiligung vorgesehen, sodass in der Hauptstadt Podgorica mit jährlichen Gesamteinnahmen von 7,5 Millionen Euro gerechnet wird.

Das Hotelprojekt ist – wen wunderts – stark umstritten. «Auf der ganzen Welt ist noch nie ein Konzentrationslager zu einem Hotel umgebaut worden», betonte die montenegrinische Bauingenieurin Olivera Doklestic gegenüber dem «Balcan Investigative Reporting Network». Ihr Vater, ihr Grossvater und ihr Onkel waren in Mamula inhaftiert gewesen.

Das Projekt von Orascom, das laut den Kritikern eine permanente Party-Atmosphäre auf der Insel zur Folge hätte, wäre «der Ruin jeden Gedenkens an das, was Mamula einst für seine Insassen bedeutet hatte», betont auch Jovanka Uljarevic, eine weitere Nachfahrin von Gefangenen. In die Diskussion eingeschaltet hat sich auch ein prominenter Landsmann von Sawiris, der ehemalige ägyptische UNO-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali.

«Wir sind erstaunt darüber, dass die einzige Option zur Erhaltung der Festung in der Umformung zu einer privaten, gewinnorientierten Luxus-Freizeitanlage mit fünf Sternen besteht», schrieb Boutros-Ghali in einem offenen Brief an das Parlament Montenegros.

Die montenegrinische Regierung und Orascom verteidigen das Projekt. «Für Mamula gibt es nur zwei Lösungen: Das Gebäude verfallen zu lassen oder Investoren zu finden, die es restaurieren und für Besucher öffnen wollen», erklärte die Direktorin im Ministerium für Tourismusentwicklung, Olivera Brajovic, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Orascom wiederum beteuert, dass im Rahmen des Umbaus nur «minimale Eingriffe» in die historische Bausubstanz vorgesehen seien und dass auch ein Denkmal für die Opfer geplant sei. Das reicht den Angehörigen und Aktivisten nicht: Sie fordern den vollständigen Verzicht auf das geplante Luxushotel. Stattdessen soll in Mamula eine Gedenkstätte eingerichtet werden.

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