Krise

Saudi-Atomprogramm heizt Konflikt an – Iran droht mit Aufrüstung

Medienberichten zufolge arbeitet Saudi-Arabien an der Herstellung ballistischer Raketen, möglicherweise mit Hilfe Chinas. Im Bild: der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. (Archivbild)

Medienberichten zufolge arbeitet Saudi-Arabien an der Herstellung ballistischer Raketen, möglicherweise mit Hilfe Chinas. Im Bild: der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. (Archivbild)

Die saudi-arabische Hauptstadt Riad hat ihren ersten Nuklearreaktor fast fertiggestellt – Teheran im Nachbaarstaat Irak spricht von einer Gefahr für die Region.

Ein mächtiges Land im Nahen Osten droht offen mit der Entwicklung von Atomwaffen und hat seinen ersten Atomreaktor fast fertiggestellt, verweigert bisher aber Kontrollbesuche der internationalen Atomenergiebehörde. Die USA drohen nicht etwa mit Sanktionen wie im Fall Iran, sondern bieten dem undemokratischen Regime die Lieferung nuklearer Technologie an. Das Land, um das es geht, ist Saudi-Arabien.

Offiziell hat das Atomprogramm der Regierung in Riad das Ziel, den wachsenden Energiebedarf des Landes zu decken. Doch westliche Politiker und Beobachter sind besorgt, dass die Pläne ein atomares Wettrüsten im Nahen Osten auslösen könnten. Der Iran will nicht tatenlos zuschauen.

Im Westen steht das Atomprogramm des Irans im Zentrum des Interesses. Das Atomabkommen von 2015 sollte den Bau einer iranischen Atomwaffe verhindern, steht wegen des Austritts der USA aber vor dem Kollaps.

Derzeit wachsen die Spannungen zwischen dem Iran und den USA, die das Teheraner Regime mit Wirtschaftssanktionen zu weiteren Zugeständnissen in der Atomfrage zwingen wollen. Am Mittwoch ordnete die amerikanische Regierung einen Teilabzug von US-Botschaftspersonal aus dem Irak an, wo pro-iranische Milizen und Truppen der iranischen Revolutionsgarden aktiv sind. Die deutsche Bundeswehr setzt ihr Ausbildungsprogramm für die irakischen Streitkräfte aus.

Iran droht Israel mit Vernichtung

Eine iranische Atombombe ist nicht nur für Israel, die bisher einzige Atommacht im Nahen Osten, ein Albtraum. Der Westen toleriert Israels Atomwaffenprogramm, ist aber gegen eine Weiterverbreitung der Waffen in der Region. Der Iran gilt als besonders gefährlich, weil das Mullah-Regime mit der Vernichtung Israels droht und Nuklearwaffen an Partner wie die Hisbollah im Libanon weitergeben könnte.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman sagte im vergangenen Jahr, auch sein Land werde sich Nuklearwaffen beschaffen, wenn der Iran dasselbe tue. Nicht nur solche Äusserungen machen manche Beobachter misstrauisch. Saudi-Arabien plant den Bau von mindestens 16 Atomkraftwerken in den kommenden 25 Jahren.

Amerikanische Unternehmen gehören zu den Firmen, die sich für dieses 80-Milliarden-Dollar-Projekt interessieren. Doch bei Gesprächen über die mögliche Lieferung von US-Atomtechnologie machte die saudische Seite laut Medienberichten klar, dass sie auch die Anreicherung von Uran anstrebt und keine entsprechende Verzichtserklärung unterzeichnen will.

Zudem lassen sich die Saudis bei ihrem Atomprogramm nicht gern von internationalen Kontrolleuren in die Karten schauen. Vor wenigen Wochen tauchten Satellitenbilder auf, die einen fast fertiggestellten Reaktor in einer Forschungseinrichtung bei Riad zeigten. Der von einem argentinischen Unternehmen gebaute Atommeiler ist zwar nur ein relativ kleiner Versuchsreaktor, der offenbar vor allem der Ausbildung von Personal dienen soll. Doch bisher hat Saudi-Arabien keine Besuche der Atomenergiebehörde IAEA genehmigt.

Reaktion auf «neue Bedrohungen»

Kritiker der saudischen Politik verweisen noch auf einen anderen Aspekt. Mohammed bin Salman, genannt MBS, führt Krieg im Jemen und geht brutal gegen Andersdenkende vor. Medienberichten zufolge arbeitet Saudi-Arabien zudem an der Herstellung ballistischer Raketen, möglicherweise mit Hilfe Chinas. Der Mord an dem Regimekritiker Jamal Khashoggi im vergangenen Jahr werfe die Frage auf, ob man der saudischen Regierung mit atomarer Technologie trauen könne, sagte kürzlich US-Senator Marco Rubio.

Der Fall Khashoggi in Bildern:

Ein mögliches saudisches Atomwaffenprojekt will der Iran nicht hinnehmen. Ali Schamkhani, Sekretär des iranischen nationalen Sicherheitsrates, kritisierte kürzlich «verdächtige Atomprojekte» in der Region, die nicht unbeantwortet bleiben würden. Als Reaktion auf «neue Bedrohungen» werde der Iran seine Verteidigungsstrategie anpassen.

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