Die sich abzeichnende staatliche Rettung der maroden Traditionsbank Montepaschi di Siena ist für sich gesehen kein Skandal – und auch die Probleme vieler anderer italienischer Banken sind es nicht. Denn der heutigen Bankenkrise liegen nicht halsbrecherische Spekulationen mit hochriskanten Derivaten zugrunde, wie sie etwa von der UBS oder der Deutschen Bank getätigt worden waren. Ganz im Gegenteil: Die italienischen Banken waren wegen ihrer konservativen – also risikoarmen – Geschäftspolitik in Frankfurt, Zürich und London lange Zeit belächelt worden.

Die italienischen Banken sind in erster Linie Opfer der seit der Finanzkrise von 2008 andauernden Wirtschaftskrise im eigenen Land: Diese hat zu Zehntausenden von Unternehmens- und Privatkonkursen geführt und damit zu dem gewaltigen Berg von notleidenden (und zu einem beträchtlichen Teil stark ausfallgefährdeten) Krediten, unter welchen das Banksystem das Belpaese hauptsächlich leidet. 

In Italien ist das ganze System krank, nicht nur die Banken: Die Wirtschaft wächst kaum, die Produktivität ist zu tief, der Staat ineffizient, die Bürokratie überdimensioniert und lähmend. Die viel zu hohe Bankendichte ist nur das Abbild eines Landes, das sich bisher – im Unterschied etwa zu Spanien, Irland und zum Teil auch Griechenland – gegenüber jeder ernsthaften Reform und Strukturanpassung verweigert hat, auch unter dem vermeintlichen Reformer Matteo Renzi.

Die Gefahr ist nun gross, dass der Fall Montepaschi – statt als Warnsignal wahrgenommen zu werden – bloss wieder neuen Heilsversprechern und Populisten Zulauf verschaffen wird. Und das – so viel ist abzusehen – würde definitiv nicht gut gehen.