Ihr Name fällt im neusten Wahlwerbespot von Bernie Sanders nie. Und doch wird schnell klar, dass der demokratische Präsidentschaftskandidat eine Breitseite gegen Kontrahentin Hillary Clinton abfeuert. Denn die Botschaft des am Freitag veröffentlichten 30-Sekunden-Filmchens lautet: Es ist nicht in Ordnung, dass Politiker für Gastauftritte bei Grossbanken mehr als 200 000 Dollar Honorar kassieren – dieselben Politiker sich aber weigerten, den staatlich festgelegten Mindestlohn (von heute 7.25 Dollar) auf 15 Dollar pro Stunde anzuheben.

Geht «links» auch in New York?

Sanders, selbst ernannter demokratischer Sozialist, sagt schon lange, Clinton stehe im Solde der grossen amerikanischen Finanzinstitute. So weist er jeweils genüsslich darauf hin, dass Clinton für drei Auftritte von Goldman Sachs mit insgesamt 675 000 Dollar entschädigt wurde. Wer soviel Geld erhalte, der müsse eine «fantastische Rednerin» sein, sagt Sanders mit sarkastischem Unterton. Deshalb würde er gerne die Transkripte der Clinton-Reden sehen. (Sie weigert sich beharrlich, den Inhalt ihrer Vorträge vor potenziellen Gönnern publik zu machen.) Gleichzeitig spreche sich Clinton dagegen aus, den in Washington festgelegten Mindestlohn zu verdoppeln, angeblich aus Rücksicht auf den Föderalismus im Land.

In der Tat findet die Präsidentschaftskandidatin, in einem ersten Schritt sei eine Erhöhung auf 12 Dollar pro Stunde angemessen. Sie sagt aber auch, dass der Mindestlohn – von dem rund 3,3 Millionen Amerikaner profitieren – lokal stärker erhöht werden könne. Diese scharfe Attacke ist bloss ein Indiz dafür, dass Sanders im bisher recht zahm geführten Vorwahlkampf der Demokraten bereit ist, eine härtere Gangart anzuschlagen.

Für den Senator aus Vermont steht in den nächsten Tagen viel auf dem Spiel. Er muss am kommenden Dienstag bei der Vorwahl in New York beweisen, dass sein linkes Wahlprogramm auch in einem grossen Bundesstaat auf Zustimmung stösst. Nur mit einem Sieg – oder einem Patt – in New York könnte es Sanders noch gelingen, den Rückstand auf Clinton aufzuholen. Bis jetzt hat Clinton rund 1300 Parteitagsdelegierte gewonnen, und Sanders etwa 1100. Clinton weist aber einen grösseren Vorsprung auf Sanders aus, weil die meisten der 700 Superdelegierten sie unterstützen.

Natürlich ist es dem Clinton-Lager nicht entgangen, dass Sanders zunehmend auf die Frau spielt. An einer Fernsehdebatte am Donnerstag im New Yorker Stadtteil Brooklyn parierte die ehemalige Aussenministerin deshalb die Angriffe des Senators mit Gegenattacken. Clinton warf Sanders vor, er sei ein heimlicher Unterstützer der Waffenindustrie, weil er sich regelmässig gegen schärfere Gesetze ausspreche. Auch kritisierte sie ihn für seine Vorschläge, die zwar revolutionär klängen, aber in Washington nicht mehrheitsfähig seien. «Es ist einfach, ein Problem zu erkennen, aber viel schwerer, etwas zur Lösung des Problems beizutragen», sagte sie.

Sanders wirkte während der Debatte in der Tat bisweilen etwas überfordert; ein hitzig geführtes Wortgefecht um die Zukunft des Friedensprozesses im Nahen Osten zeigte aber auch, dass sich der Senator nicht verbiegen lässt. So sprach er sich zwar für eine Bande mit Israel aus, auch unter Verweis auf seinen jüdischen Glauben. Er mahnte aber Amerikas Politiker an, der Notlage des palästinensischen Volks mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Mit Verweis auf den Bevölkerungsanteil von Juden in New York – allein New York City zählt rund 1,1 Millionen Einwohner jüdischen Glaubens – kommentierte daraufhin David Axelrod, der ehemalige Berater von Präsident Barack Obama: «Niemand kann Sanders den Vorwurf machen, er biedere sich an.»