Schuldenkrise

Samaras bei Merkel: So kann Griechenland gerettet werden

Bitte, bitte: Premier Antonis Samaras bei Angela Merkel. Der Grieche kommt als Bittsteller.

Bitte, bitte: Premier Antonis Samaras bei Angela Merkel. Der Grieche kommt als Bittsteller.

Griechenlands Premier Samaras ist heute in Berlin bei Angela Merkel. Die beiden diskutieren Varianten zur Retttung des Landes: Diese drei Szenarien gibt es: Bankrettung auf Spanisch, Privatisierung mit Obligationen oder ein zweiter «Haircut»

Ob der Schuldenstand eines Staates tragbar ist, hängt nicht allein von der Höhe der Schulden ab. Ebenso massgeblich sind die Zinsen und das Wirtschaftswachstum. So kommt Japan problemlos mit einem Schuldenstand von 200 Prozent der Wirtschaftsleistung zurecht: Die Zinsen liegen bei null und die Wirtschaft wächst leicht.

Anders Griechenland. Zwar hat sich Griechenland von der Troika seiner öffentlichen Geldgeber aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) seit dem Frühjahr 2010 Geld zu relativ günstigen Zinsen beschaffen können. Das von der Troika im Gegenzug verhängte Spardiktat hat aber die Wirtschaft abgewürgt. Allein im laufenden Jahr dürfte die Wirtschaft um sieben Prozent einbrechen. Binnen fünf Rezessionsjahren in Folge ergibt sich daraus ein Rückgang um über 20 Prozent.

Schuldenberg wächst rasend schnell

Schon Ende 2011 war allen Beteiligten klar: Griechenlands Staatsschulden in der Höhe von damals 368Milliarden Euro bei einer Wirtschaftsleistung von 215Milliarden Euro im Jahre 2011 sind nicht tragfähig. Durch einen Forderungsverzicht der privaten Gläubiger sollten die Verbindlichkeiten sinken. Und in der Tat: Im Zuge des grössten Schuldenschnitts in der globalen Finanzgeschichte fiel Griechenlands Schuldenstand Ende März 2012 auf 280Milliarden Euro, und damit sogar gut 18Milliarden unter dem Stand von Ende 2009. Doch bereits wenige Monate später ist das Makulatur. Ende Juni 2012 hat der griechische Schuldenberg wieder die 300-Milliarden-Marke geknackt. Hellas steht mit exakt 303,52 Milliarden Euro in der Kreide – Tendenz steigend. Das Problem: Die griechische Wirtschaft schrumpft und schrumpft. Im laufenden Jahr wird sich das Bruttosozialprodukt auf nur noch 200 Milliarden Euro belaufen.

Zwar prüft Athen derzeit, eine Streckung des mit der Troika vereinbarten Sparprogramms um zwei Jahre bis Ende 2016 offiziell zu beantragen. Das dürfte aber nicht reichen, um die Schuldentragfähigkeit zu erreichen. Daher verdichten sich in Athen und in den Machtzentralen der EU, EZB und im IWF die Anzeichen dafür, Griechenlands Schuldenberg auf 100Prozent der Wirtschaftsleistung (also um etwa 100 Milliarden Euro) zu reduzieren.

Die drei Szenarien

Wie soll das passieren? Die Troika und Athen erwägen folgende drei Modelle. Sie könnten entweder separat oder kombiniert realisiert werden:

Bankenrettung auf Spanisch: Die für die Rekapitalisierung der vier grössten griechischen Geschäftsbanken notwendigen Gelder sollen direkt vom Rettungsschirm EFSF (European Financial Stability Facility) abgerufen werden und damit nicht mehr als Staatsschulden berücksichtigt werden. Das hat Spanien für sein Bankensystem bereits durchgesetzt. Auch für Athens Fiskus wäre das ein Segen: Von den 31,5Milliarden Euro der nächsten Troika-Kredittranche entfallen allein 25Milliarden auf die Rekapitalisierung von Griechenlands Geschäftsbanken.

Privatisierungen mit Hellas-Bonds: Die Käufer von griechischem Staatsbesitz sollen mit griechischen Staatsanleihen statt Bargeld bezahlen. Das birgt fiskalische Vorteile für Athen: Denn auf dem sekundären Obligationsmarkt ist der Marktkurs für Hellas-Bonds wegen des Ramsch-Status auf bis zu 15Prozent von deren Nominalwert gefallen. Erfolgt aber der Erwerb von Staatsbesitz mit billigen Hellas-Bonds, dann kann die griechische Privatisierungsbehörde für die in ihrem Portfolio befindlichen Vermögenswerte höhere Preise verlangen. Denn nach dem Ende der Laufzeit der Obligationen werden der Nominalwert plus Zinsen ausbezahlt. Zweitens klettern durch die steigende Nachfrage die Marktkurse für Hellas-Bonds. Das ist gut für Griechenlands Geschäftsbanken. Sie haben bei der EZB als Pfand zur Gewährleistung ihrer Liquidität Hellas-Bonds hinterlegt. Dritter Vorteil: Erhält Athen weitere Hellas-Bonds, können umgekehrt auch mehr Staatsschulden gestrichen werden.

Zweiter Schuldenschnitt: Diesmal müssten Griechenlands öffentliche Geldgeber (und nicht mehr nur private Gläubiger wie beim ersten Schuldenschnitt) bluten. Denn von den Staatsschulden in der Höhe von rund 300Milliarden entfallen fast 150 Milliarden auf Kredite aus dem europäischen Rettungsmechanismus. Einen zweiten Schuldenschnitt strebt offenbar der IWF an. Im Gegensatz zu den beiden erstgenannten Modellen ist ein zweiter Schuldenschnitt aber eine politisch äusserst heikle Sache.

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