Ukraine

Russland übernimmt offiziell militärische Kontrolle über die Krim

Angehörige der russischen Marine auf dem U-Boot "Saporoschoje"

Angehörige der russischen Marine auf dem U-Boot "Saporoschoje"

Nach dem international umstrittenen Anschluss der Krim hat Russland dort offiziell die militärische Kontrolle übernommen. Auf der Halbinsel wehe nun über 147 ukrainischen Militäreinrichtungen die russische Fahne.

Russland hat auf der Krimm offiziell die militärische Kontrolle übernommen. Auf der Halbinsel wehe nun bei 147 ukrainischen Militäreinrichtungen die russische Fahne. Das teilte das russische Verteidigungsministerium am Samstag in Moskau mit.

Ausserdem habe die Schwarzmeerflotte bisher 54 von insgesamt 67 ukrainischen Schiffen übernommen. Auch das einzige ukrainische U-Boot nahm Moskau in seinen Besitz. Die "Saporoschoje" sei offiziell in die Schwarzmeerflotte aufgenommen worden, sagte der Kommandant der russischen U-Boot-Kräfte, Anatoli Warotschkin, am Samstag.

Etwa die Hälfte der 78 Mann Besatzung wolle in der russischen Marine dienen. Die übrigen Soldaten hätten das U-Boot verlassen, sagte der Offizier zur Staatsagentur Ria Nowosti. Der ukrainische 5. Kanal hatte zuvor berichtet, russische Schiffe hätten die "Saporoschje" in der Strelezki-Bucht bei Sewastopol umzingelt und mit dem Abwurf von Blendgranaten zur Aufgabe gezwungen.

Nach Darstellung Moskaus wollen weniger als 2000 der mehr als 18'000 ukrainischen Soldaten die Halbinsel verlassen. Ukrainische Stützpunkte waren wochenlang von Bewaffneten in Uniformen ohne Hoheitsabzeichen umstellt gewesen. Nach einhelliger Meinung handelte es sich dabei um russische Soldaten, was Moskau stets dementierte.

Steinmeier wirft Russland versuchte Spaltung Europas vor

Bei seinem Besuch in der Ukraine warf der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier der russischen Regierung vor, eine Spaltung Europas anzustreben. Das Krim-Referendum bezeichnete er in der Hauptstadt Kiew erneut als Bruch des Völkerrechts. Dort äusserte er sich am Samstag nach einem Gespräch mit dem Übergangsregierungschef Arseni Jazenjuk.

Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich am Samstag bei einem Treffen mit Jazenjuk in Kiew solidarisch mit der Ukraine. "Das ukrainische Volk durchlebt derzeit ein Trauma, das kein Land durchmachen sollte", sagte Ban. Der UNO-Generalsekretär lobte die Unterzeichnung des Abkommens zur politischen Zusammenarbeit mit der EU. Dies sei ein Zeichen einer unabhängigen Entscheidung der Ukraine.

Kiew soll Maidan-Todesschüsse aufklären

Der Europarat drängt derweil die ukrainische Übergangsregierung zur Aufklärung der tödlichen Schüsse auf dem Maidan-Platz in Kiew Ende Februar. Generalsekretär Thorbjørn Jagland sagte der "Süddeutschen Zeitung", diese müssten geklärt werden, um Spekulationen entgegenzuwirken.

Ursprünglich hatte es in Berichten aus Kiew geheissen, dass die Todesschützen, die rund um den 20. Februar auf dem Maidan etwa 100 Menschen getötet hatten, fast ausschliesslich aus den Reihen der damaligen Sicherheitsbehörden und der Bereitschaftspolizei gekommen seien.

Dann berichtete der estnische Aussenminister Urmas Paet in einem Gespräch mit der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton von Augenzeugen, denen zufolge dieselben Scharfschützen sowohl auf Demonstranten als auch auf Sicherheitskräfte geschossen hätten. Das nährte den Verdacht, radikale Oppositionskräfte könnten für die Gewalt verantwortlich sein.

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