Ägypten

Russischer Passagierjet: Wurde bei Reparatur gepfuscht?

Das Heck steht besonders im Fokus der Ermittler.Maxim Grigoriev/AP/Keystone

Das Heck steht besonders im Fokus der Ermittler.Maxim Grigoriev/AP/Keystone

Der abgestürzte russische Passagierjet wurde im Jahr 2001 nach einem Crash repariert.

Die Fluggesellschaft Kogalymavia der abgestürzten russischen Urlaubsmaschine hat die Spekulationen über einen möglichen Terrorakt neu angeheizt. «Die einzige Erklärung ist irgendeine Art von äusserer Einwirkung», erklärte der Vizedirektor des Unternehmens, Alexander Smirnow, gestern in Moskau und versicherte, das Flugzeug sei in einem «hervorragenden Zustand» gewesen.

«Wir schliessen einen technischen Defekt und einen Pilotenfehler aus», erklärte Smirnow. Die Crew habe über dem Nordsinai keinen Notruf abgesetzt und innerhalb kürzester Zeit die Kontrolle über das Flugzeug verloren. Zuvor hatte bereits der Chef des russischen Ermittlerteams, Viktor Sorochenko, in Kairo erklärt, der Airbus A-321 sei in grosser Höhe auseinandergebrochen.

Flugzeug-Unglück im Sinai: Ein Video des russischen Staatssenders «Russia Today» zeigt die Absturzstelle.

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«Die Zerstörung ist in der Luft geschehen. Aber es ist zu früh für Schlussfolgerungen», erklärte der Experte und fügte hinzu, die Trümmer seien auf einer Fläche von zwanzig Quadratkilometern verstreut.

Laut Flightradar24 war der Jet in 9450 Metern Höhe mit einer Geschwindigkeit von 740 Kilometer pro Stunde unterwegs, als sein Tempo innerhalb von 60 Sekunden auf unter 160 Stundenkilometer sank und die Maschine in einen Sturzflug überging.

Unterdessen wurden 140 Leichen mit einer Sondermaschine nach St. Petersburg geflogen, wo viele der Opfer zu Hause waren. Bisher sind noch nicht alle 224 Toten geborgen, weil sie auf einem riesigen Areal verstreut liegen.

Wie Augenzeugen berichten, hat sich das Flugzeug in zwölf grössere Teile zerlegt, von denen die meisten stark verkohlt sind. Nach wie vor liegt Brandgeruch in der Luft. Die Absturzgegend gilt als Rückzugsgebiet von Dschihadisten der «Provinz Sinai», die sich dem «Islamischen Staat» angeschlossen haben.

Die Terroristen behaupteten am Samstag in einer Internetbotschaft, das Flugzeug mit «über 200 russischen Kreuzrittern» sei von «den Soldaten des Kalifates» über dem Sinai zerstört worden. Militärexperten gehen davon aus, dass schultergestützte Boden-Luft-Raketen im IS-Besitz einem Flugzeug in 9450 Metern Höhe nicht gefährlich werden können.

Zwar behaupten IS-Anhänger auf Twitter, die Gotteskrieger besässen inzwischen auch neuere russische Flugabwehrraketen des Typs Igla (SA-18), doch deren Reichweite liegt ebenfalls unter 4000 Metern.

Putin will objektive Aufklärung

Russlands Präsident Wladimir Putin bekräftigte, es müsse alles getan werden, um ein objektives Bild der Ereignisse zu bekommen, «sodass wir wissen, was passiert ist und entsprechend reagieren können». Luftfahrtexperten wiesen derweil auch auf eine andere mögliche Unglücksursache hin.

Der Airbus A-321 wurde 1997 gebaut. Während der letzten 18 Jahre gehörte der Jet zahlreichen Fluggesellschaften und war erst seit 2012 für die sibirische Kogalymavia im Einsatz. Nach Angaben des «Flight Safety Foundation’s Aviation Safety Network» hatte die Maschine 2001 bei einem Anflug auf den Flughafen Kairo einen schweren Unfall.

Das Heck des Jets touchierte die Runway und musste danach aufwendig repariert werden. Ob damals auch Flugzeughülle und Flugzeugrumpf beschädigt wurden und wie sachgerecht die Reparatur erfolgte, darüber gibt es keine genauen Unterlagen.

Wegen dieser früheren Bruchlandung gilt die Aufmerksamkeit der Ermittler aus Ägypten, Russland, Deutschland und Frankreich jetzt vor allem dem abgebrochenen Heck mit dem Leitwerk und dem blauen Logo der Fluggesellschaft.

Unter Flugsicherheitsexperten ist seit längerem bekannt, welche Gefahren durch schlecht ausgeführte Reparaturen an der Struktur eines Flugzeugs entstehen können. Denn im Jahr 2002 brach ein Jumbo Jet von China Airlines auf dem Weg nach Hongkong kurz nach dem Start auseinander und riss alle 225 Menschen an Bord in den Tod.

Ermittler fanden damals heraus, die Unglücksursache sei eine fehlerhafte Reparatur am Flugzeugrumpf gewesen, die viele Jahre zurücklag.

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