Chodorkowski verbüsst derzeit eine achtjährige Gefängnisstrafe wegen Geldwäscherei, zu der er in einem umstrittenen Verfahren schuldig gesprochen wurde. Sieben dieser acht Jahre Haft hat er mittlerweile abgesessen.

Im zweiten Prozess wirft die Justiz Chodorkowski und dessen früheren Geschäftspartner Platon Lebedew Unterschlagung vor. Die beiden Manager sollen 218 Millionen Tonnen Öl unterschlagen haben. Chodorkowski und Lebedew wiesen die Anschuldigungen zurück und bezeichneten auch den zweiten Prozess als politisch motiviert.

Das Plädoyer der Anklage war während fünf Tagen verlesen worden. Am Freitag forderte die Staatsanwaltschaft weitere 14 Jahre Gefängnis für Chodorkowski. Die bereits verbüsste Freiheitsstrafe solle angerechnet werden.

Die Gefängnisstrafe, die Zerschlagung des Ölkonzerns Jukos und das neuerliche Verfahren gegen Chodorkowski werden weithin als Strafe dafür gesehen, dass der Geschäftsmann es gewagt hatte, den ehemaligen russischen Präsidenten und jetzigen Ministerpräsidenten Wladimir Putin herauszufordern.

Der Ausgang des Prozesses gilt daher als Gradmesser für die immer wieder von Kremlchef Dmitri Medwedew angemahnte Rechtsstaatlichkeit in Russland. Sogar führende russische Funktionäre hatten vor Gericht ausgesagt, dass ihres Wissens die neue Anklage ungerechtfertigt oder gar erfunden sei.

Nach der russischen Strafprozessordnung haben Lebedew und Chodorkowski nun die Gelegenheit zu einem Schlusswort. Es wird erwartet, dass sich Richter Viktor Danilkin spätestens Anfang November zurückzieht, um das Urteil vorzubereiten. Bis Dezember wird mit dem Richterspruch gerechnet.