Syrien

Rückschlag für die Terrormiliz: Rebellen erobern IS-Hochburg

Von der Türkei unterstützte syrische Rebellen patrouillieren in Dabik.

Von der Türkei unterstützte syrische Rebellen patrouillieren in Dabik.

Mit Dabik verliert die Terrormiliz eine symbolisch bedeutsame Stadt. Offenbar hat sich der IS - überraschenderweise - kampflos zurückgezogen.

In der nordsyrischen Ortschaft Dabik nahe der türkischen Grenze sollte nach der vom sogenannten «Islamischen Staat» (IS) verbreiteten Endzeitlehre «der letzte Kampf vor dem Weltuntergang» stattfinden. Ist die Mutter aller Schlachten geschlagen, die «Armeen der Kreuzritter verbrannt», sollte Jesus vom Himmel herabsteigen und den Teufel besiegen. Erst dann würde der vom IS propagierte «wahre Islam» zu seinem Recht kommen und Istanbul zur neuen Hauptstadt des Kalifats machen.

Ob die Terrormilizen ihren so lange ersehnten «Tag des jüngsten Gerichts» noch erleben werden, ist inzwischen fraglich. Denn anstatt, wie immer wieder versprochen, bis zur allerletzten Patrone zu kämpfen, hat sich der IS aus seiner mystifizierten Hochburg Dabik offenbar kampflos zurückgezogen. «Wegen unerwarteter Umstände musste die Apokalypse auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden», meldete die IS-Nachrichtenagentur Amaq gestern. Zuvor waren von der Türkei unterstützte syrische Rebellen in die Ortschaft eingerückt.

Nächstes Ziel ist al-Bab

«Der IS-Mythos der grossen Schlacht in Dabik ist damit erledigt», betonte Ahmed Osman, der Anführer der Rebellengruppe «Sultan Murad», die nun den IS aus der südlich von Dabik liegenden Stadt al-Bab vertreiben will. Die letzte Hochburg der Dschihadisten in Nordsyrien liegt auf einem Hochplateau und wurde – im Gegensatz zu Dabik – tatsächlich zu einer Festung ausgebaut. Erst in al-Bab werde es sich vermutlich zeigen, wie es um die Kampfmoral des IS wirklich bestellt ist, spekuliert das Beiruter Internetportal «Al Monitor».

Kampfflugzeuge der syrischen und russischen Luftwaffen nahmen unterdessen am Wochenende die Bombardierung von Ost-Aleppo wieder auf. Eine Waffenruhe für die seit mehr als zwei Monaten eingekesselte Stadt ist noch immer nicht in Sicht. Bei den am Samstag in Lausanne geführten Syrien-Gesprächen sollen aber «interessante Ideen» entstanden sein, wie der russische Aussenminister Sergej Lawrow sagte.

Jürgen Todenhöfer in seinem jüngsten Interview aus Syrien.

Jürgen Todenhöfer in seinem jüngsten Interview aus Syrien.

Es sei im Rahmen eines «sehr offenen Brainstorming» diskutiert worden, ergänzte sein amerikanischer Amtskollege John Kerry. Dabei habe es allerdings auch «schwierige Momente voller Spannungen» gegeben, musste der amerikanische Aussenminister zugeben. Allein das Zustandekommen des Treffens in der Schweiz, an dem auch wieder Diplomaten aus Iran, Saudi-Arabien, der Türkei und Katar teilnahmen, wurde als Erfolg gewertet.

Damit die Gesprächsfäden nicht wieder abreissen, vereinbarten die USA und Russland für den heutigen Montag weitere Kontakte. Anlass zu Optimismus, schreibt die libanesische Zeitung «As-Safir», bestünde nicht, weil das Regime in Damaskus mit aller Macht auf eine militärische Lösung dränge und auch Russland sich nicht unter Zeitdruck fühle.

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