Die 19-jährige brasilianische Hure Iris B. hat in ihrer Agenda fein säuberlich Buch geführt: «6. Feb: zu Papi gehen. 27. Feb: bei Papi. 7. März: Papi 2000 Euro. 13. März: Papi 2000. 5. April: Papi 2000 Euro. 17. April: Papi 2000» usw. Dann der Kassensturz: «Januar 9580, Februar 21000, April 7350.» Mit «Papi» dürfte Silvio Berlusconi gemeint sein: Schon 2009 während der «Noemi-Affäre» wurde bekannt, dass der italienische Regierungschef von den meisten seiner in der Regel sehr jungen weiblichen Bekannten so genannt wird.

Auch Kokain sichergestellt

Das Notizbuch ist den Mailänder Staatsanwälten vor zwei Wochen in die Hände gefallen, als sie in Mailand den Wohnblock durchsuchten, in welchem Iris B. zusammen mit anderen jungen Frauen wohnte, die ebenfalls regelmässig zu Gast in Berlusconis Villen waren.

Im Keller des «Harems» wurden ausserdem kiloweise Kokain sichergestellt. Iris B. hat anscheinend schon an Partys des Premiers teilgenommen, als sie noch nicht volljährig war – sie wäre nach Noemi und Karima «Ruby» el-Mahroug die dritte Minderjährige, welche dem alternden Regierungschef in den letzten zwei Jahren die Abende versüsst hat.

Das 227 Seiten dicke Dossier mit den neuen Ermittlungserkenntnissen ist dem Parlament vorgestern zugeschickt worden – zur Untermauerung des Antrags, die Büros von Berlusconis Treuhänder zu durchsuchen. Die geheimen Ermittlungsergebnisse sind sofort an die Medien gelangt. Sie zeigen auf, wie gross die psychische Belastung ist, unter welcher der Premier wegen der Affäre steht – und wie erpressbar er von seinem «Harem» geworden ist.

Vielsagende Notizen über Geldbeträge

Buchhaltung geführt hat nämlich auch Ruby. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnung in Genua am 7. Januar haben die Ermittler ebenfalls vielsagende Notizen über fünf- und sechsstellige Geldbeträge gefunden, die Ruby direkt oder über ihre Anwälte erhalten haben will. In einer Notiz vermerkt das Mädchen, dass sie noch 4,5 Millionen Euro von Berlusconi erwarte – Schweigegeld, wie die Staatsanwaltschaft vermutet.

Die neuen Abhörprotokolle lassen den Schluss zu, dass Berlusconi am Tag nach der Hausdurchsuchung in seinem «Harem» regelrecht in Panik geraten ist. Er bestellte umgehend seine weiblichen Stammgäste zu sich in seine Villa in Arcore – für einmal nicht zum «Bunga-Bunga», sondern um die Mädchen zu instruieren, im Falle einer Einvernahme alles zu bestreiten.

Seine Dentalhygienikerin Nicole Minetti hatte bereits vier Tage zuvor eine Vorahnung: «Wenn er sich in die Hosen macht wegen Ruby, wird er sich an uns erinnern», sagte Minetti zu einer Freundin am Telefon.

Die 26-jährige Minetti warf Berlusconi vor, sie fallen gelassen zu haben: «Es ist mir völlig egal, ob er der Ministerpräsident ist ... ein Greis und basta. Er verhält sich wie ein Stück Scheisse, nur um seinen Hintern zu retten.» Minetti ist eine Schlüsselfigur der Sexaffäre. Das TV-Showgirl war bei den letzten Regionalwahlen in der Lombardei von Berlusconi auf seine Wahlliste gesetzt und gewählt worden; die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Premier mit Prostituierten versorgt zu haben.

Die junge Regionalrätin hat gestern von den Staatsanwälten eine Vorladung zur Einvernahme erhalten. Gegenüber den Medien hat sie bisher stets die Version ihres Mentors Berlusconi bestätigt, wonach es bei den «Entspannungs-Abenden» in dessen Villen immer elegant und vorbildlich zu und her gegangen sei. Berlusconi kann nur beten, dass sie ihre Aussagen auch unter Eid und unter dem Druck eines Verhörs bestätigen wird.