Offiziell hat er sich noch nicht entschieden. Er halte sich sämtliche Optionen offen, sagte Mitt Romney vor einigen Monaten, als er auf eine mögliche Senatskandidatur in seiner Wahlheimat Utah angesprochen wurde. Nachdem das alte Schlachtross Orrin Hatch aber am Dienstag verlauten liess, er werde sich nach vier Jahrzehnten im November nicht um eine weitere Amtsperiode in der kleinen Parlamentskammer bewerben, rechnet nun ganz Washington mit einem baldigen Comeback des 70-jährigen Republikaners.

Und weil sich der Geschäftsmann und Berufspolitiker Romney im Vor-Ruhestand selbstverständlich bewusst ist, dass er nun wieder unter Dauerbeobachtung steht, passte er rasch sein Profil auf dem Kurznachrichtendienst Twitter an. Deshalb ist dort nun zu lesen, dass Romney in Holladay wohnt, an der Peripherie von Utahs grösster Stadt Salt Lake City.

Es sind solche aalglatten Manöver, die Freund und Feind bisweilen zur Verzweiflung treiben. Und die immer wieder dazu führen, dass er als Opportunist beschimpft wird. Dabei lernte Willard Mitt Romney das politische Handwerk von der Pike auf, als jüngster Sohn des innovativen Auto-Unternehmers George Romney. Der charmante Patriarch wurde 1962 zum Gouverneur des Industriestaates Michigan gewählt und nutzte dieses Amt, um sich als Sprachrohr des konzilianten Flügels der Republikanischen Partei zu positionieren.

Vom Berater zum Politiker

Ähnlich wie sein Vater, der ihm bis zu seinem Tod im Jahr 1995 als Ratgeber zur Seite stand, verdiente sich Mitt Romney seine Sporen zuerst in der Geschäftswelt. Als Wirtschaftsberater in den Rängen der Boston Consulting Group und später von Bain & Company entwickelte er ein gutes Gespür für Zahlen, Geschäftsabläufe und Marketingstrategien. 1984 machte er sich selbstständig und gründete mit dem Einverständnis seines Mentors Bill Bain die Investmentfirma Bain Capital – ein Konstrukt, das heutzutage als «Heuschrecke» bezeichnet würde, dank dem aber zahlreiche klingende Namen der amerikanischen Firmenwelt überlebten. Sein eigentliches Gesellenstück folgte 1999, als Romney zum Geschäftsführer der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City ernannt wurde – und das marode Organisationskomitee wieder auf Vordermann brachte.

Für Romney stand dabei mehr auf dem Spiel als die erfolgreiche Durchführung der Olympischen Spiele wenige Monate nach den Terroranschlägen am 11. September 2001. Nach einer gescheiterten Senatskandidatur im Jahr 1994 liebäugelte er mit einer Fortsetzung seiner politischen Karriere. In der Tat bewarb sich Romney im November 2002 um das Gouverneursamt von Massachusetts, einer Bastion der Demokraten an der Ostküste. Rasch musste die lokale Bevölkerung aber zur Kenntnis nehmen, dass es sich auch bei diesem Amt, das er vier Jahre lang ausübte, nur um ein Sprungbrett handelte. Denn Romney hatte das Weisse Haus im Visier – und war bereit, für die Erfüllung dieses Zieles einen hohen Preis zu zahlen.

Romney gab als Gouverneur den innovationsfreudigen Technokraten, der die Grundlage für eine obligatorische Krankenversicherung legte. Nachdem dies an der Basis nicht auf Zustimmung stiess, rutschte er während seiner ersten Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2008 nach rechts und präsentierte sich im parteiinternen Ausscheidungskampf als Kulturkrieger. Auf die Niederlage gegen John McCain folgte eine erneute Kurskorrektur. 2012 verkörperte Romney den Erbsenzähler und aussenpolitischen Falken. Aber auch mit dieser Neulancierung scheiterte er.

In Utah der klare Favorit

Immerhin: im konservativen Utah, einer Hochburg der Mormonen-Kirche, der auch Romney angehört, gewann er 2012 fast 73 Prozent der Stimmen. Sollte sich der ehemalige Gouverneur von Massachusetts deshalb tatsächlich um den freiwerdenden Senatssitz bewerben, wäre er der klare Favorit. Dass sich Romney dabei mehr oder weniger deutlich als Gegner des Parteikollegen im Weissen Haus positioniert, käme ihm unter dem Strich zugute. Selbst in Utah sind nur rund die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner mit der Amtsführung von Präsident Donald Trump zufrieden.