Phnom Penh

Richter Laurent Kasper-Ansermet erzürnt Kambodscha

Laurent Kasper-Ansermet.key

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Der Schweizer Richter Laurent Kasper-Ansermet hat beim Genozidtribunal gegen die Roten Khmer in Kambodscha in ein Wespennest gestochen.

Laurent Kasper-Ansermet wäre seit Oktober als Nachfolger des zurückgetretenen deutschen Untersuchungsrichters Siegfried Blunk vorgesehen, der in Kambodscha aneckte, weil er eine Ausweitung des Tribunals forderte. Blunk wollte nicht nur die Kader der Roten Khmer vor Gericht sehen. Der kambodschanische Informationsminister sprach von Einmischung und drohte Blunk, er solle «besser die Koffer packen und verschwinden», was dieser tat. Jetzt fordert der Schweizer das Gleiche – und Phnom Penh besteht auf einer Ablehnung von Kasper-Ansermet.

Der Richter hat über Twitter über eine mögliche Ausweitung der Ermittlungen auf zwei frühere Khmer-Militärs spekuliert, die auch Blunk forderte. Das UNO-Tribunal aber hält sich an einen eng abgesteckten Rahmen, auch aus Befürchtungen, dass die Prozesse kein Ende nähmen, wenn auch die vielen «kleineren» Täter strafrechtlich ver- folgt würden. Mangels Aufarbeitung leben in Kambodscha mehr als drei Jahrzehnte nach dem Sturz der Roten Khmer vielerorts Opfer und Täter weiterhin als Nachbarn nebeneinander.

Zurück in der Schweiz

Kasper-Ansermet ist inzwischen in die Schweiz zurückgekehrt. Ein Gespräch mit der az lehnte er ab. Erst müssen die Wogen in Kambodscha geglättet werden, wo er einen grösseren Skandal auslöste. Der Topjurist legte sich mit der Regierung an, als er einheimischen Medien am Montag, einem nationalen Feiertag, eine Erklärung zukommen liess: Er werde von seinem kambodschanischen Richterkollegen You Bunleng an seiner Arbeit gehindert. Er beschuldigte Phnom Penh, ihm zu verbieten, Schlüsselinformationen zu den beiden Fällen 003 und 004 offenzulegen, die Kambodscha nicht vor Gericht sehen will.

Herr Kasper-Ansermet sei weder akkreditiert noch verstehe er die legalen Prinzipien des Gerichts, sagte Richter You Bunleng. Das Tribunal sieht die Zusammenarbeit von ausländischen mit kambodschanischen Richtern vor. Diese scheint seit der Ankunft des Schweizers blockiert. Der UNO-Sonderexperte des Tribunals David Scheffer steht zum Kandidaten. Die Ernennung von Richtern liege allein im Ermessen von UNO-Chef Ban Ki Moon.

Bisher verschlang das Tribunal 150 Millionen Dollar und fällte seit 2005 gerade einmal einen Urteilsspruch, wobei der schuldig gesprochene ehemalige Folterchef Kaing Guek Eav Berufung gegen das schon so milde Urteil von 19 Jahren Haft einlegte. Gegen vier weitere noch lebende Schergen von Pol Pot läuft seit Ende 2011 ein Verfahren wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Premier Hun Sen sagte im vergangenen Herbst, dies sei das letzte Verfahren.

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