Italien

Rettung oder Schande: Venedigs umstrittenes Flutschutzsystem

Venedig testet das Flutschutzsystem Mose.

Venedig testet das Flutschutzsystem Mose.

Das grösste Infrastrukturprojekt Italiens hat 250 Millionen Euro Schmiergeld verschlungen. Jetzt wurde es erfolgreich getestet.

Kurz nach 10 Uhr drückte Italiens Regierungschef Giuseppe Conte am Freitag in Venedig auf einen Knopf. 90 Minuten später hoben sich die einzelnen Elemente der umstrittenen Flut-Barriere «Mose» langsam aus dem Wasser. Die Generalprobe war ein historischer Moment: Erstmals in der Geschichte Venedigs wurde die Lagune an ihren drei Eingängen vom offenen Meer getrennt. Genau so soll es auch in Zukunft sein, wenn Stürme und Regen den Pegelstand steigen lassen.

In 18 Monaten soll «Mose» voll funktionsfähig sein. Schon lange redet man in Italien über die Notwendigkeit, das Weltkulturgut Venedig vor dem Untergang zu retten. 1986 kündigte Ministerpräsident Bettino Craxi den Bau eines Sperrwerks an.

Mose ist das derzeit grösste Infrastrukturprojekt Italiens (Kostenpunkt: acht Milliarden Euro) und ein Symbol für die Korruption im Land. Dutzende Lokalpolitiker und Unternehmer hatten sich daran bereichert und wanderten hinter Gitter. Insgesamt sollen Schmiergelder in der Höhe von 250 Millionen Euro geflossen sein.

Das verheerende Hochwasser vom vergangenen 12. November, als der Wasserstand auf 187 cm über den Normalpegel gestiegen ist hatte den Druck auf die Fertigstellung des Grossprojekts noch einmal erhöht.

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