Polen

Regisseur Polanski droht die Auslieferung an die USA

Regisseur Roman Polanski, am 30. Oktober 2015, als der Auslieferungsantrag abgelehnt wurde. Jarek Praszkiewicz/AP/Keystone

Regisseur Roman Polanski, am 30. Oktober 2015, als der Auslieferungsantrag abgelehnt wurde. Jarek Praszkiewicz/AP/Keystone

Polens Justizminister Ziobro will auf den abgelehnten Antrag der USA zurückkommen.

Der Regisseur Roman Polanski kann sich in nächster Zeit nicht auf eine Reise nach Polen einlassen. Ihm droht die Auslieferung an die USA. Zbigniew Ziobro, Justizminister und Generalstaatsanwalt Polens in einer Person, kündigte gestern im Radio an, das Urteil des Krakauer Bezirksgerichts anfechten zu lassen. Diese Instanz hatte am 30. Oktober 2015 einem Auslieferungsantrag der USA gegen den 82-Jährigen nicht stattgegeben. Unter anderem aus Altersgründen.

Das Vergehen des Regisseurs von Filmen wie «Chinatown» und «Der Pianist», der in Polen aufwuchs und dort die Lodzer Filmhochschule besuchte, beschäftigt seit fast 40 Jahren die Weltöffentlichkeit. Polanski hatte 1977 in Los Angeles erzwungenen Geschlechtsverkehr mit der damals 13-jährigen Samantha Geimer. Aus dem laufenden Verfahren und nach 42 Tagen Haft in den USA flüchtete er 1978 nach Frankreich, danach hat er seine einstige Wahlheimat nicht mehr betreten. Die amerikanische Justiz ging auf seine Bitten, das Verfahren beruhen zu lassen, nicht ein. Seit 2005 wird Polanski von den amerikanischen Behörden per internationalem Haftbefehl gesucht. In Krakau (Krakow) hat Polanski seinen zweiten Wohnsitz und wollte dort Teile seines geplanten Films über die Dreyfus-Affäre drehen.

Verteidiger bleibt gelassen

Nun wird der Antrag Ziobros zur Kassation des Urteils vom Obersten Gerichtshof Polens bearbeitet. «Das Krakauer Gericht entschied die Nichtauslieferung von Herrn Roman Polanski an die USA in einem Fall, wo er eines schrecklichen Verbrechens an einem Kind, an der Vergewaltigung eines Kindes, angeklagt ist», so Ziobro. Polanski werde durch «einen gewissen Teil der liberalen Medien» in Polen geschützt.

Der Politiker gilt als rechte Hand von Jaroslaw Kaczynski, des Chefs der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), die seit Mitte November allein regiert und auf eine harte Hand des Staates setzt. Schon bei der Urteilsverkündung im Oktober erklärte der 46-jährige Ziobro, dem der Spitzname «Sheriff» anhaftet, das Urteil nicht zu akzeptieren.

Den Vorwurf der Befangenheit des Gerichts konterte Polanskis Verteidiger Jan Olszewski gegenüber dem Nachrichtenkanal TVP Info: «Hätten wir nicht substanziell über ein Jahr gegenüber dem Gericht argumentiert, so wäre Polanski nicht durch seinen Status geschützt worden». Der Anwalt sieht die Angelegenheit offiziell gelassen. Allerdings steht die Justiz in Polen derzeit durch die Regierung unter Druck. Dies bezieht sich nicht allein auf die Eingriffe in das Verfassungsgericht, die international zu Aufsehen führten. Als Generalstaatsanwalt kann Ziobro seine Staatsanwälte anweisen, gegen jeden Bürger des Landes ein Verfahren zu eröffnen. Der für die Unabhängigkeit der Gerichte zuständige Landesgerichtsrat wird demnächst eine parteinahe Spitze bekommen. Bei wichtigen Prozessen will Ziobro in Zukunft den Richter selbst bestimmen.

Polanski, der bereits im Herbst 2009 bis Sommer 2010 in der Schweiz festgehalten worden war, aber dann doch nicht ausgeliefert wurde, zeigte sich noch im Herbst erleichtert von dem Ausgang des Prozesses, der ihn «viel Kraft und Gesundheit» gekostet hat. Damals wartete er mit einem startbereiten Jet auf dem Krakauer Flughafen das Urteil ab. Polanski, der im Zweiten Weltkrieg als Jude der Verfolgung der deutschen Besatzung entkam, beschloss nach dem Prozess, ausschliesslich in Frankreich zu drehen.

Samantha Geimer hat Polanski bereits seit langem verziehen. Das USJustizsystem verlangt jedoch eine Auslieferung, um den Prozess abschliessen zu können.

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