Syrien

Razzien in syrischer Hochburg der Assad-Gegner

Ein Regierungsgegner hält ein Anti-Assad-Plakat

Ein Regierungsgegner hält ein Anti-Assad-Plakat

Syrische Soldaten haben am Montag nach Berichten von Einwohnern Razzien in der Stadt Hama veranstaltet, die als eine Hochburg der Gegner von Präsident Baschar al-Assad gilt.

"Mindestens 30 Busse mit Soldaten und Sicherheitskräften sind am Morgen in die Stadt gekommen", berichtete ein Einwohner per Telefon. "Sie schiessen willkürlich in den Wohngebieten um sich." Er habe gesehen, wie die Soldaten ein Haus umstellt und Leute festgenommen hätten.

Junge Männer hätte einige Strassen ins Zentrum mit Barrikaden aus brennenden Reifen und Müllcontainern blockiert. Am Vortag hatte die Armee Panzer vor der Stadt in Stellung gebracht, diese später aber wieder abgezogen, wie Bewohner berichteten.

Vertretern der Opposition zufolge waren am Freitag Zehntausende Regierungsgegner durch Hama gezogen. Es soll eine der grössten Demonstrationen seit Beginn der Proteste gegen den Staatschef im März gewesen sein. Am Samstag entliess Assad den Gouverneur der gleichnamigen Provinz.

Tote in weiteren Städten

Proteste und Widerstand gibt es aber auch in der Umgebung der Hauptstadt Damaskus: In einem Vorort sind Bewohnern zufolge zwei Demonstranten erschossen worden. Zudem gebe es viele Verletzte, sagte ein Einwohner. Nach seinen Worten ging am Sonntag ein Kugelhagel auf die Demonstranten nieder, die in dem Vorort Hadschar al-Aswad gegen Assad protestierten.

Auch in einem Dorf nahe der türkischen Grenze eröffneten Panzer haben nach Angaben von Aktivisten das Feuer. Sechs Menschen seien in Kfar Rumah verletzt worden. Nach Einschätzung der Aktivisten gehen die Streitkräfte wegen zahlreicher Desertionen und der Massenflucht von Bewohnern in die Türkei mit aller Härte gegen die Protestbewegung in der Region Dschabal al-Sawija vor.

Flüchtlinge bestätigen Menschenrechtsverstösse

Die Flucht von bisher 10'000 Bewohnern des Grenzgebiets in die Türkei ist für die Regierung peinlich, weil die Berichte der Flüchtlinge die Angaben von Menschenrechtlern im Exil und im Untergrund über das repressive Vorgehen der Sicherheitskräfte zu betätigen scheinen.

Seit Mitte März wurden den Aktivisten zufolge mehr als 1400 Menschen - die meisten davon unbewaffnete Demonstranten - bei Zusammenstössen getötet. Die Regierung bestreitet diese Angaben und macht bewaffnete Banden und ausländische Verschwörer für die Unruhen verantwortlich.

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