Kreml-Kritik

«Räuberhöhle» und «Sklaverei»: Chodorkowski spricht erstmals Klartext

Ex-Ölunternehmer Michail Chodorkowski (Archiv)

Ex-Ölunternehmer Michail Chodorkowski (Archiv)

Bislang hat sich der freigelassene Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski mit Kritik an Putins Russland zurückgehalten. An einer Veranstaltung in Berlin redete er jedoch Klartext. In der «Räuberhöhle» Russland herrsche «moderne Sklaverei».

An einem Gedenkanlass für den bekannten russischen Anwalt und Menschenrechtler Jurij Schmidt (1937-2013) in Berlin, der auch Michail Chodorkowski vertreten hatte, trat ebendieser als Gastredner auf.

Hielt sich der ehemalige russische Oligarch und im Dezember von Putin Begnadigte bis anhin noch mit expliziter Kritik an Russland zurück, wurde er in seinem Vortrag deutlicher.

Ohne den Namen Putin in den Mund zu nehmen, wussten alle Anwesenden, von wem die Rede war. Gemäss «Bild.de» sagte Chodorkowski Sätze, wie: «In Russland haben wir eine moderne Sklaverei». Und: „Das Regime versucht, Menschenrechtler entweder als Leute darzustellen, die Profit suchen, oder als Verrückte.» Das politische System in Russland sei «ungerecht und verlogen».

Ungerechte Behandlung

Von seiner Zeit im Gefängnis erzählte er, wie er und andere politische Gefangene ungerecht behandelt wurden: Kriminelle dürften beispielsweise zusätzliche Pakete und Besuch empfangen. Nach einem Schuldeingeständnis würden diese oft vorzeitig entlassen. Politische Gefangene müssten bei einem Geständnis hingegen mit Zusatzstrafen rechnen, so Chodorkowski.

Wer aus politischen Gründen in Konflikt mit dem Gesetz komme verliere oft nicht nur den Job, sondern auch den Kita-Platz, die Wohnung und sogar die Ehefrau werde oft gleich mit-entlassen. Chodorkowski forderte ganz direkt: «Wir brauchen einen Rechtstaat!».

Jedoch wird sich Chodorkowski wohl hüten, sich allzu direkt in Russlands Politik einzumischen. Er beschränkte seine Handlungsankündigungen denn auch auf die Solidarität zu anderen politischen Gefangenen: «Ich werde alles tun, was in meinen Kräften steht, um zu Unrecht Inhaftierten zu helfen.» (rhe)

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