Olympia 2018

Pyeongchang liegt nur 300 Kilometer von Pjöngjang, aber doch Welten entfernt

Alles fährt Ski – auch die südkoreanische Armee in Yongpyong.

Alles fährt Ski – auch die südkoreanische Armee in Yongpyong.

Die Olympischen Winterspiele wurden nach Pyeongchang vergeben. Klingt doch wie Pjöngjang, liegt aber exakt 300 Kilometer von der nordkoreanischen Hauptstadt entfernt - und 100 Kilometer von der Entmilitarisierten Zone.

Mit 2018 in Pyeongchang werden die Olympischen Winterspiele zum dritten Mal in Asien abgehalten nach 1972 in Sapporo und 1998 in Nagano. Sommerspiele hatte Seoul bereits 1988 ausgetragen. Es war an der Zeit, schien sich das Internationale Olympische Komitee zu sagen. Dennoch überrascht die Vergabe nach Südkorea angesichts der klaren Schwächen der Kandidatur.

Südkoreas Präsident Lee Myung Bak sprach stolz von einem «Sieg für das Volk von Südkorea», doch gerade bezüglich Skisport wird Pyeongchang eine etwas potemkinsche Kulisse bieten. Kernstück der Bewerbung ist der gigantische, für rund 1,4 Milliarden Dollar aus dem Boden gestampfte Sport- und Freizeitkomplex Alpensia. Für weitere 6,3 Milliarden Dollar soll Infrastruktur ausgebaut werden. Heute stehen in Alpensia vier Liftanlagen mit 4,2 Pistenkilometern bis maximal 970 Meter über Meer.

Für den Schweizer ist das, als würden die Winterspiele an den Atzmännig vergeben. Feudalere Verhältnisse herrschen im nahen Skiresort Yongpyong mit 15 Liftanlagen und 31 Pisten, und wenigstens sind die koreanischen Winter in diesen Höhenlagen schneereich und lang.

Vorbild Sapporo 1972

Was die Natur nicht bietet, wird gebaut, und Südkorea rechnet mit bis zu 30 Milliarden Dollar, die Pyeongchang im Verlauf des nächsten Jahrzehnts in die Tourismuskassen spülen soll. «Wie Japans obskures Sapporo, wird auch Pyeongchang nach der Olympiade eine Weltklasse-Destination für Wintersport sein», heisst es in einer Studie von Hyundai Research, die mit einer Million Gäste während der Winterspiele rechnet, 390000 davon aus Übersee.

Von Seoul nach Pyeongchang wird für die 180 Kilometer ein neuer Hochgeschwindigkeitszug mit neuer Autobahn gebaut. Schliesslich soll hier die Zukunft des asiatischen Skisports entstehen für einen Anlass, der 230000 Arbeitsplätze schaffen und Südkoreas globalem Image einen Schub verleihen soll. Multinationale Marken wie Samsung und Hyundai erhoffen sich bessere weltweite Absätze dank gesteigertem «Made in Korea»-Markenwert.

Die Vergabe der Spiele an Pyeongchang, das sich dreimal in Folge hartnäckig um den Sieg bemühte, ist auch im Rahmen des jüngeren olympischen Trends zu verstehen, die Spiele in Neuland abzuhalten. 2014 hält erstmals Russland die Winterspiele ab, 2016 empfängt Rio de Janeiro die ersten Sommerspiele auf dem südamerikanischen Kontinent.

Finanzielle und Marketing-Aspekte gewinnen an Bedeutung, und genau hiezu passt Pyeongchang blendend ins Konzept: Wintersport bleibt eine Nische in Asien, doch wenn eine der dynamischsten Volkswirtschaften in einer der dynamischsten Regionen des Erdballs ein Grossereignis wie Olympische Spiele abhält, dann lassen sich massive Umsätze ausrechnen.

Die Kaufkraft der aufstrebenden asiatischen Mittelschicht wächst beständig, und mit ihr der Reisedrang. Sinngemäss preist sich Pyeongchang unter dem Motto «Neue Horizonte» an. Cho Yang Ho, der Chef des Bewerbungskomitees, nannte dies die «Chance, Wintersport in neuen Regionen der Welt zu verbreiten und neuen Völkern Zugang zu Winterspielen zu verschaffen». Park Yong Sung, Chef von Südkoreas Olympischem Komitee, sprach gar von «neuer Hoffnung, die Pyeongchang Schwellenländern gibt, weil wir in der Vergangenheit dachten, dass die Olympiade nur für reiche und grosse Nationen ist.»

Vorbild Lake Placid 1980

Heute schaut es in Yongpyong noch öde aus. Wo früher Wald war, wohnen keine Einheimischen. Ein Bild, das ans französische Albertville erinnert, das nach übertriebener Bautätigkeit für die Winterspiele 1992 bankrottging. Besser machte es Lake Placid in den USA, das einst verschlafene Bergbaukaff von 3000 Einwohnern, das seit seinen Winterspielen 1980 jährlich zwei Millionen Touristen anzieht.

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