Zur Scheidung vor zwei Jahren wurde Ehefrau Ludmilla noch einmal vor die Kameras geschleppt. Im Kreml durfte sie sich in Begleitung ihres Gatten das Ballett «Esmeralda» ansehen, nachdem sie zuvor jahrelang an seiner Seite gefehlt hatte. In der Pause gaben die Putins dann vor dem Staatsfernsehen ihre eigene Tragikomödie. Putin erklärte freudestrahlend das gemeinsam beschlossene Ende der Ehe nach fast 30 Jahren, und Frau Ludmilla echote pflichtbewusst, die Ehe sei «abgeschlossen», nachdem die Kinder aus dem Haus seien.

Doch wohin sind diese Kinder, die inzwischen 30 beziehungsweise 29 Jahre alt sind? Seit Jahren gibt es hartnäckig Spekulationen um angebliche Heiraten und Karrieren der beiden Putin-Töchter Maria und Jekaterina, die ebenso hartnäckig vom Kreml-Pressedienst dementiert werden. Die letzten offiziellen Fotos stammen aus dem Vorschulalter, als sie noch Mascha und Katja gerufen wurden.

Seit Putins Einzug in den Kreml wurde die Familie hermetisch abgeschirmt. Aus der Moskauer Deutschen Schule, wo die Töchter bis dahin lernten, wurden sie herausgenommen. Später hiess es auf Nachfrage lediglich, sie seien in Russland.

Erst Tänzerin, dann Direktorin

Doch Anfang des Jahres berichtete der «Kommersant»-Journalist Oleg Kaschin über die jüngere der beiden Putin-Töchter, die inzwischen als Jekaterina Wladimirowna Tichonowa sowohl die russische Sportbranche als auch die Wissenschaftswelt aufmischte. Tichonowa soll jahrelang halbprofessionell Turniertänze im Rock ’n’ Roll betrieben haben und später auch als Funktionärin aufgetreten sein.

Dann habe sie als Generaldirektorin des bis dato völlig unbekannten Wissenschaftsfonds «Innopraktika» einen Auftrag für die bekannte Moskauer Lomonossow-Universität an Land gezogen, schrieb Kaschin. Der Auftrag für den Bau neuer Laboratorien, aber auch elitären Wohnraums hat gemäss Expertenschätzungen einen Wert von 1,7 Milliarden Dollar. Die Vergabe eines solchen Grossauftrags an eine junge Frau ist für die an jahrzehntelanges Karrierebuckeln gewöhnte russische akademische Welt ein unerhörter Vorgang.

Mit Milliardär verheiratet

Trotz der Indizien versickerte die Geschichte damals im Sand. Nun hat die Nachrichtenagentur Reuters sie wieder aufgewirbelt. Unter Berufung auf den Vorstandschef der Gazprom-Bank Andrei Akimow bestätigte sie die Identität Tichonowas als Putins Tochter. Ihr Ehemann soll demnach der Milliardär Kirill Schamalow sein, dessen Vater Nikolai als alter Putin-Vertrauter gilt und Anteile der Grossbank «Rossija» hält. Kirills Vermögen setzt sich laut Reuters vor allem aus Anteilen eines Gas- und petrolchemischen Konzerns zusammen. Genauere Angaben zum Unternehmen gibt es nicht, dafür ein pikantes Immobilien-Detail: Das junge Paar soll auch eine Villa in Biarritz für 3,7 Millionen Dollar besitzen. Angesichts des Eifers, mit dem Putin seinen untergebenen Beamten den Besitz ausländischen Vermögens austreiben will, eine Meldung mit Brisanz.

Kein Wunder, dass sich der «Kronzeuge» für Tichonowas Identität, Gazprom-Bankchef Akimow, verschreckt mit einem Dementi meldete. «Mit Staunen und Unverständnis» habe er die Information gelesen, die ihm zugeschrieben werde, liess der Banker ausrichten. Reuters allerdings beharrt auf seiner Version.

Akimow, der in den 1990er-Jahren in Wien eine Finanzgesellschaft geleitet hat, gilt als gut vernetzt im Kreml. Das Ausplaudern von Interna dürfte dem Ex-Geheimdienstoffizier Putin allerdings nicht gefallen.

Auch über Putins ältere Tochter gibt es Neuigkeiten. Sie soll als Doktorin in einem Endokrinologie-Zentrum in Moskau arbeiten. Das Zentrum führt ein Hilfsprogramm für kranke Kinder durch, das von der Alfa-Gruppe um Milliardär Michail Fridman gefördert wird. Sie selbst ist demnach mit dem niederländischen Geschäftsmann Jorrit Joost Faassen verheiratet. Die Betroffenen wollten diese Meldung allerdings nicht kommentieren.