Schon zu Beginn der Amtszeit von Donald Trump spielt das Militär eine besondere Rolle. Der Präsident will «wieder Kriege gewinnen». Und das lässt er sich auch etwas kosten: Um 54 Milliarden Dollar will Trump den Militäretat der USA aufstocken.

Dieser ist allerdings schon jetzt weltweit mit Abstand der grösste. 622 Milliarden Dollar gaben die USA im vergangenen Jahr für ihre Armee aus. Das sind 40 Prozent der Militärausgaben aller Länder dieser Erde zusammengenommen. Seit «9/11» flossen 9,35 Billionen Dollar in den US-Verteidigungshaushalt.

Ob Trump seine Erhöhung bekommt, entscheidet der Kongress. Eines hat der Präsident indes bereits erreicht: Er hat seine europäischen Nato-Verbündeten derart verunsichert, dass diese ihrerseits mehr Geld fürs Militär in die Hand nehmen wollen. «Europa fängt an, es ernst zu meinen mit der Verteidigung», schreibt der britische «Economist».

Deutschland: Ende des Sparens

Klar, denn auch wenn sich Trump in seiner Rede vor dem US-Kongress am Dienstag zum Verteidigungsbündnis Nato bekannt hat, sitzt die Verunsicherung tief. Noch vor kurzem hatte Trump offengelassen, ob er im Falle eines Angriffs auf ein Nato-Mitglied zur Beistandspflicht stehen würde. Die USA könnten sich zurückziehen, sandte Trump in Richtung Europa, sollten die Verbündeten nicht, wie vor drei Jahren verabredet, mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandprodukts für Verteidigung ausgeben.

In Europa wird das nun diskutiert. Selbst Deutschland, dessen Bundeswehr zuletzt eine Sparrunde nach der anderen durchlebte, erhöht den Etat. Nicht auf zwei Prozent des BIP, aber immerhin von 34,3 Milliarden Euro 2016 auf 39,2 Milliarden bis 2020.

Wollte man in Deutschland das Zwei-Prozent-Ziel der Nato erreichen, müsste der Militäretat allerdings um 20 Milliarden Euro auf mehr als 60 Milliarden steigen. Dennoch stellte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg im Februar in Aussicht, dass die Mitglieder eigene, nationale Pläne zur Erreichung des Zwei-Prozent-Ziels aufstellen könnten.

Der Grund für die steigenden Ausgaben in Europa ist derweil nicht Donald Trump allein. Das Erweckungs-Erlebnis, das Verteidigung wieder oben auf die Agenda setzte, liegt bereits drei Jahre zurück – und ereignete sich auf europäischem Boden.

Die Krim-Krise als Weckruf

Als die grünen Männchen kamen, änderte sich in Europa alles. Militär war plötzlich nicht mehr nur etwas, was man ausserhalb gut brauchen kann, in Afghanistan oder im Jemen. Auf einmal, als Ende Februar 2014 russische Einheiten ohne Hoheitsabzeichen auf der Krim auftauchten und die territoriale Integrität der Ukraine in der Luft zerrissen, mussten in der Folge selbst Staaten der EU wieder um ihr Überleben fürchten.

Noch während ein Matrosenchor auf dem Roten Platz in Moskau zur Feier der Krim-Annexion die «Gimn Rossijskoi Federazii», die russische Nationalhymne schmetterte, dürfte den Regierungen in Estland, Lettland und Litauen klar geworden sein, wie dramatisch sich die Sicherheitslage im Baltikum verändert hat.

Die drei Staaten beschlossen, ihre Militärausgaben aufzustocken. Bis Ende 2014 schaffte allein das kleine Estland 50 Panzer für fast 140 Millionen Euro an. Von allen Nato-Staaten stiegen die Militärausgaben im Baltikum am stärksten: Daten des Statistikportals Statista zufolge, hat Lettland seine Militärausgaben von 2015 auf 2016 von 281 Millionen Dollar auf 400 Millionen erhöht. Litauen steigerte sie aufgrund der russischen Bedrohung von 471 auf 630 Millionen.

Russland selbst würde ebenfalls gern mehr Geld fürs Militär ausgeben, kann aber aufgrund der Haushaltslage nicht. Putins Bedrohungsszenario ist aber auch so schon gross genug. Und mit dem angedrohten Rückzug Trumps aus Nato-Verpflichtungen fühlt es sich nun auch real an.

Nicht nur für Nato-Mitglieder. Auch in Skandinavien geht die Angst um. Schweden etwa stellt für seine Armee von 2016 bis 2020 umgerechnet 1,1 Milliarden Franken zusätzlich zur Verfügung. Das sozialdemokratisch regierte Land denkt ernsthaft darüber nach, die Wehrpflicht wieder einzuführen. Auch Nachbar Finnland wappnet sich: Die finnische Armee soll um 50 000 Soldaten aufgestockt werden, um die Grenze zu Russland besser sichern zu können.

Militärmacht China

Die neue sicherheitspolitische Realität bereitet längst nicht nur Europa Kopfschmerzen. China wird aller Voraussicht nach wieder stärker ins eigene Militär investieren, nachdem Staatsmedien bereits vor «unvermeidlichen Turbulenzen» unter dem neuen US-Präsidenten warnten. Das Londoner Statistik-Unternehmen IHS Markit prognostiziert eine Verdopplung des chinesischen Verteidigungshaushalts über die nächsten zehn Jahre. Mit 233 Milliarden Dollar würde China dann mehr Geld ins Militär stecken als ganz Westeuropa zusammen genommen.

Für IHS Markit markiert das Jahr 2016 nicht nur in China, sondern weltweit einen Wendepunkt: «Nach einem glanzlosen 2015», schreibt IHS im jährlichen «Jane’s Defense Budgets Report», «stiegen die globalen Verteidigungsausgaben im Jahr 2016 auf 1,57 Billionen US-Dollar». Der Startschuss für «ein Jahrzehnt der stärkeren globalen Verteidigungsausgaben» sei damit gefallen.