Ausländerfeindlich, wie sie sind, betiteln die Le Pens ihre Gegner gerne als «parti de l’étranger». Eine «Partei des Auslandes» bedeutet unter anderem, durch dunkle fremde Kräfte finanziert zu werden. Jetzt sieht sich der Front National (FN) selbst mit genau diesem Vorwurf konfrontiert. Dabei geht es nicht um böse Kapitalisten oder Juden, sondern um russische Oligarchen.

Die linke Internetzeitung «Mediapart» hat publik gemacht, dass die First Czeck Russian Bank (FCRG) dem französischen Front National einen Kredit über neun Millionen Euro gebe. Die Bank gehört Roman Popow, der dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahesteht. Damit erscheint die dezidierte Parteinahme Marine Le Pens für die aggressive Krim- und Ukraine-Politik Russlands plötzlich in einem ganz neuen Licht.

Es geht um total 40 Millionen

Die FN-Präsidentin musste den Kredit in der Höhe von neun Millionen Euro diese Woche bestätigen. Sie verteidigte sich mit dem hohen Finanzbedarf vor den Departements-, Regional- und Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Und da ihr die Pariser Banken keinen Kredit gäben, müsse sie ihre Wahlkampagnen notgedrungen im Ausland vorfinanzieren.

In der Zwischenzeit hat «Mediapart» aber nachgehakt und herausgefunden, dass der FCRG-Kredit nur die erste Tranche eines weit höheren Darlehens von 40 Millionen Euro durch kremlnahe Institute ist. Abgeordnete der regierenden Sozialisten in Paris befürchten, dass Moskau EU-feindliche Formationen in Westeuropa bewusst unterstützt. Sie verlangen deshalb ein ausländisches Finanzierungsverbot nationaler Parteien.

Le Pen wird sich dazu am Wochenende auf dem FN-Kongress äussern müssen. Der Parteitag in Lyon soll das Fanal für den «Marsch aufs Élysée» sein, wie der regionale FN-Vorsteher Jacques Colombier erklärte. Die 46-jährige Parteichefin und einzige Kandidatin für die Wiederwahl an der FN-Spitze inszeniert eine grosse Show, an der sich sogar ihr widerborstiger Vater Jean-Marie Le Pen beteiligt: Seine Tochter habe die «Statur von Angela Merkel», erklärte er in einem Interview, das darauf ausgerichtet war, die Regierungstauglichkeit Le Pens zu unterstreichen. Die mangelnde Amtserfahrung der Populistin gilt laut Umfragen als ihr grösstes Handicap.

Bei den Europawahlen wurde der Front National erstmals stärkste Partei in Frankreich. Das kommt nicht von ungefähr: Die Wirtschaftskrise und die Kritik an der EU und der Globalisierung spielen Le Pen in die Hände und erlauben ihr, die bekannten Feindbilder von Migranten, Finanzhaien und korrupten Politikern zu schüren. Erstmals wird damit das bisher Undenkbare denkbar: ein Vertreter des braunen Front National an der Spitze der stolzen französischen Republik.

FN muss nun Lösungen anbieten

Diese Aussicht schafft aber auch ein Problem für die Lepenisten: Sie können nicht länger einfach die ganze Welt für das Malheur der Nation verantwortlich machen, sondern müssen auch Lösungsansätze bieten. Und das ist nicht Marine Le Pens Stärke. Bisher plädierte sie für einen Euro-Austritt ihres Landes – was Frankreich nach Ansicht der meisten Ökonomen in eine massive Rezession und Inflation stürzen würde.

Gestern warf sie ihren Standpunkt in einem Interview mit der Tageszeitung «Le Figaro», der ihr keine Fragen zum Russlandkredit stellte, kurzerhand über Bord: Als ihre erste Amtshandlung im Élysée 2017 nannte sie nicht mehr den Euro-Ausstieg. Dafür will sie innerhalb von sechs Monaten nach ihrer Wahl eine Volksabstimmung über den EU-Ausstieg ihres Landes ansetzen. Aber das auch nur, wenn Brüssel die «territoriale und monetäre Souveränität» Frankreichs nicht anerkenne. Was das genau heisst, lässt sie offen.

Je näher Marine Le Pen dem Élysée kommt, desto schwammiger wird sie. Und das mögen ihre Wähler gar nicht.