Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny ist am Donnerstag wegen Veruntreuung zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Der Richter Sergej Blinow begründete sein Urteil in der Stadt Kirow mit der "Schwere des Verbrechens", dessen sich Nawalny schuldig gemacht habe.

Das Gericht befand den 37-jährigen Anwalt und Blogger für schuldig, als Berater des Gouverneurs der gleichnamigen Region 2009 in einem Forstbetrieb umgerechnet 500'000 Franken unterschlagen zu haben.

Nach Ansicht des Gerichts hat Nawalny dafür gesorgt, dass 10'000 Kubimeter Holz weit unter Wert verkauft wurden. "Nawalny hat das Verbrechen organisiert", sagte Richter Blinow. Dabei habe der 37-Jährige sein Amt missbraucht. Das hätten Zeugenaussagen bewiesen. Blinow sprach auch Nawalnys Geschäftspartner Pjotr Ofizjerow schuldig.

Der prominente Kritiker von Präsident Wladimir Putin umarmte nach der Urteilsverkündung seine Frau und seine Mutter, bevor er im Gerichtssaal rund 900 Kilometer östlich von Moskau in Handschellen abgeführt wurde.

Nawalny war am Mittwoch als Kandidat zur Bürgermeisterwahl in Moskau zugelassen worden, doch hätte er nur im Fall seines Freispruchs tatsächlich antreten dürfen.

Als Blogger war Nawalny seit 2007 durch seine kritischen Recherchen zu dubiosen Geschäftspraktiken russischer Grosskonzerne zu Bekanntheit gelangt. Seine Auftritte während der Proteste nach der umstrittenen Parlamentswahl im Dezember 2011 und gegen die Wiederwahl von Putin zum Präsidenten im Mai 2012 machten ihn auch im Ausland bekannt.

Das Urteil in Kirow rund 900 Kilometer nordöstlich von Moskau gilt als Gradmesser für den Umgang mit Andersdenkenden in Russland. In Moskau warnten die Behörden die Opposition vor Protesten. Es gebe keine Genehmigung dafür, hiess es. Sicherheitskräfte sperrten den Manegenplatz nahe dem Machtzentrum Kreml ab. (sda)