Russland

Putin hat ein neues Land im Visier – Libyen

Russlands Präsident Wladimir Putin hat es auf Libyen abgesehen.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat es auf Libyen abgesehen.

Russland will seinen Einfluss im Nahen Osten ausdehnen. Spezialtruppen werden in Ägypten stationiert. Ziel: Libyen.

Im nahöstlichen Machtpoker kommt Russland mehr und mehr auf den Geschmack. Nach dem massiven Militäreinsatz in Syrien will der Kreml seine Einflusszone nun offenbar auch auf Libyen ausdehnen. In einem ersten Schritt stationierte Moskau Spezialtruppen und Drohnen nahe der Grenze auf der ägyptischen Luftwaffenbasis Sidi Barrani, wie amerikanische Militärs der Nachrichtenagentur Reuters bestätigten. Sechs weitere Einheiten wurden nach Angaben ägyptischer Armeekreise in Marsa Matrouh am Mittelmeer abgesetzt, bevor die Transportmaschinen in Richtung Libyen weiterflogen.

Das russische Expeditionskorps auf ägyptischem Boden soll Ex-General Khalifa Haftar militärisch beistehen, dem starken Mann im Osten Libyens. Er wird von Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt und ging am Dienstag im Kampf um die Ölterminals sofort wieder in die Offensive.

Militärspektakel an Libyens Küste

Das russische Werben um Haftar begann Mitte Januar mit einem Militärspektakel vor der libyschen Küste. Damals, nach dem Fall von Aleppo, liess Wladimir Putin den aus Syrien abdampfenden Flugzeugträger «Admiral Kusnezow» eigens vor Tobruk ankern, um Haftar mit allem Prunk an Bord zu empfangen. Per Videolink plauderte der Libyer stolz mit dem russischen Verteidigungsminister über den Kampf gegen den Terror.

Dagegen bekommt die im März 2016 mithilfe der Vereinten Nationen in Tripolis installierte Nationale Einheitsregierung unter Premierminister Fayez Serraj das Heft nicht in die Hand, auch weil ihre Widersacher in Tobruk zu keinerlei Konzessionen bereit sind. Und so frisst sich das Chaos immer tiefer in den Alltag des Landes. Ein Drittel der 6,4 Millionen Libyer sind nach Angaben der UN auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Täglich fallen stundenlang Strom und Wasser aus, selbst Bargeld ist knapp in der Post-Gaddafi-Nation.

Spitzentreffen geplatzt

In dieser aufgewühlten Lage könnte ein russisches Eingreifen die Bemühungen der Vereinten Nationen um einen Machtkompromiss weiter erschweren, um den sich der deutsche UN-Sondergesandte Martin Kobler bemüht. Moskau sieht dessen Mission skeptisch. Und General Haftar weigert sich, mit seinem Kontrahenten Fayez Serraj aus Tripolis überhaupt zu reden. Ein im Februar von Ägypten arrangiertes Spitzentreffen in Kairo liess der Ex-General in letzter Sekunde platzen.

Für Moskaus Strategie im Nahen Osten dagegen ergäben sich aus dem Libyen-Dossier neue Optionen. Der Kreml könnte eine dauerhafte Militärpräsenz auf ägyptischem Boden etablieren. Gleichzeitig bekäme der Kreml Einfluss auf das innere Geschehen in Libyen und damit auf ein Land, das der Europäischen Union wegen der Migrantenströme das meiste Kopfzerbrechen bereitet. Zudem hofft Putin, wieder an alte Geschäftsbeziehungen wie unter Muammar Gaddafi anknüpfen zu können, als Libyens Diktator für Milliardensummen Waffen in Russland einkaufte. Der russische Energiegigant Rosneft unterzeichnete kürzlich einen Kooperationsvertrag mit der staatlichen libyschen Ölgesellschaft.

In Washington und Brüssel dagegen beobachtet man das Vorgehen Moskaus mit Sorge. «Russland will in Libyen einen auf Syrien machen», warnte kürzlich Thomas D. Waldhauser, Oberbefehlshaber der US-Truppen in Afrika, vor dem Verteidigungsausschuss des Senates. Gefragt von den Politikern, ob dies im amerikanischen Interesse sei, antwortete der General: «Nein, ist es nicht.»

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