Kambodscha

Protestlager in Kambodscha nach Zusammenstössen geräumt

Sicherheitskräfte in Phnom Penh im Einsatz

Sicherheitskräfte in Phnom Penh im Einsatz

Nach tödlichen Zusammenstössen zwischen streikenden Textilarbeitern und der Polizei in Kambodscha haben die Behörden am Samstag ein Protestlager geräumt. Unter Einsatz von Tränengas gingen die Einsatzkräfte gegen die Streikenden in der Hauptstadt Phnom Penh vor.

Wachleute sowie Angestellte der Hauptstadt Phnom Penh setzten Eisenstangen und Äxte ein, um Zelte, Hütten und eine Bühne einzureissen, die dort seit einigen Wochen gestanden hatten. Die Oppositionspolitikerin Mu Sochua sagte, das Lager sei gegen 10.30 Ortszeit von der Polizei und Schlägertrupps umstellt worden.

"Es waren angeheuerte Schläger und Spezialeinsatzkräfte mit Metallrohren und Knüppeln. Ihr Ziel war, die Leute zu Krüppeln zu schlagen. Unsere Anhänger wurden völlig zerstreut. Es war wie eine Kriegszone", sagte sie.

74 Franken pro Monat

Die Proteste in dem südostasiatischen Land dauern seit mehr als einer Woche an. Die Textilarbeiter verlangen höhere Löhne und haben sich mit Oppositionellen verbündet, die der Regierung Wahlbetrug vorwerfen.

Nach Gewerkschaftsangaben sind die meisten der 600'000 Textilarbeiter im Streik oder wurden von den Fabrikanten wegen drohender Streiks ausgesperrt. Der Grossteil der Beschäftigten in diesem für das südostasiatische Land wichtigen Exportsektor sind Frauen. Die meisten Fabriken sind jetzt geschlossen.

Die Forderung lautet auf eine Verdoppelung des Mindestlohns von zur Zeit umgerechnet nur knapp 74 Franken im Monat. Die Regierung hat nur 25 Prozent angeboten.

Bis zu fünf Tote am Freitag

Am Freitag eskalierte die Lage, als Militärpolizisten in einem Industriegebiet auf demonstrierende Arbeiter schossen. Nach Regierungsangaben wurden vier Menschen getötet, laut Menschenrechtlern fünf. Am Donnerstag waren 15 Arbeiter und Aktivisten festgenommen worden.

In dem Komplex wird auch Bekleidung für Firmen wie Adidas oder Puma hergestellt. Der Chef des Oppositionsbündnisses CNRP, Sam Rainsy, verurteilte die Gewalt und verlangte gründliche Ermittlungen.

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