Erfahrung

Propaganda-Trip: Das haben unsere ausländischen Kollegen in Moskau erlebt

Gemeinsam mit 29 jungen Journalisten aus aller Welt reisten zwei «Nordwestschweiz»-Reporter nach Moskau. Was haben sie erlebt – und wie hat sich ihr Bild Russlands dadurch verändert?

Vojtech Bohac, Tschechien:

«Das ist kein Journalismus, sondern Politik für die Regierung»

Vojtech Bohac ist freischaffender Investigativreporter für verschiedene tschechische Print- und Radiomedien und hat unter anderem vom Krieg in der Ostukraine und auf der Krim berichtet. Er lebt seit einigen Monaten in Polen.

Vojtech Bohac

Vojtech Bohac ist freischaffender Investigativreporter für verschiedene tschechische Print- und Radiomedien und hat unter anderem vom Krieg in der Ostukraine und auf der Krim berichtet. Er lebt seit einigen Monaten in Polen.

Wie sich meine Sicht auf Russland und die russischen Medien veränderte
Mein Russlandbild veränderte sich nicht. Als Journalist beschäftigte ich mich schon zuvor mit russischen Medien und wusste, dass es wirklich verlockend sein kann, die von ihnen produzierten und verbreiteten Informationen zu nutzen. Doch fast immer, wenn ich eine Geschichte tiefer recherchierte, zeigte sich: Je schockierender und reisserischer die Nachricht, umso weniger wahr ist sie. Es kostet Energie, Nachrichten zu falsifizieren, aber das Schaffen eines Informationschaoses ist genau das Ziel dieser „alternativen“ Medien. Sie machen ihre Arbeit gut. Nur ist das kein Journalismus, sondern Informationspolitik für die russische Regierung.

Wem ich mehr traue: den News in Tschechien oder den alternativen News der russischen Medien?
Es ist auch in Tschechien ziemlich schwierig, ein qualitativ hochwertiges Medium zu finden; immerhin aber ist der Medienmarkt in meinem Land viel weniger konzentriert, weshalb ich eine Fülle unterschiedlicher Perspektiven finden kann, die wiederum auf unterschiedliche Interessen der Konzerneigentümer und Journalisten zurückzuführen sind. Wenn ich den journalistischen Standard der meisten tschechischen Medien mit jenem der russischen Alternative vergleiche, muss ich sagen: Wir machen noch immer einen ziemlich guten Job!
 
Stecken wir mitten in einem Informationskrieg zwischen westlichen und östlichen Medien?
Das Wort „Krieg“ ist vielleicht zu stark. Russland bemüht sich, seine Interessen im Ausland durchzusetzen, und es wäre ziemlich schwierig, dies in demokratischen Ländern zu schaffen, ohne zumindest einen Teil der öffentlichen Meinung auf seine Seite gezogen oder wenigstens verwirrt zu haben. Wir können beobachten, dass Russland zunehmend globale Ambitionen hat, deshalb bin ich sicher, dass es seine Anstrengungen verstärken wird, die eigene Agenda durchzusetzen.

Die zukünftige Entwicklung hängt davon ab, ob unsere Regierungen in der Lage sind, eine ideologisch vielfältige Medienszene zu unterstützen, die den Bürgern qualitativ hochwertige Informationen liefert, damit diese gar nicht erst nach solchen Alternativen suchen müssen. Wir sollten auch Programme zur Förderung der Medienkompetenz unterstützen. Andernfalls könnte eine Situation entstehen, in der die Bürger Politiker wählen, welche die russischen Interessen höher gewichten als ihre eigenen.

Carolina de Assis, Brasilien:

«Beim Wort ‚Wahrheit’ kriege ich Schüttelfrost»

Carolina de Assis arbeitet für die brasilianische Nachrichtenagentur Opera Mundi und lebt in Rio de Janeiro.

Carolina de Assis

Carolina de Assis arbeitet für die brasilianische Nachrichtenagentur Opera Mundi und lebt in Rio de Janeiro.

Wie sich meine Sicht auf Russland und die russischen Medien veränderte
Die russischen Nachrichtenportale Sputnik und RT kannte ich schon vor dieser Reise. Ich wusste, dass sie dem Publikum die russische Sicht auf internationale Angelegenheiten näher bringen wollen. Ich habe damit keine Probleme. Ziemlich beeindruckend fand ich die Anstrengungen der russischen Regierung, international wahrgenommen zu werden: Sie will rund um den Globus so viele Menschen erreichen wie möglich, weshalb sie ihre Medien in dutzenden Sprachen berichten lässt. Dies beweist, wie ernst es der Regierung mit dem Aufbau und der Konsolidierung ihrer „Soft Power“ ist.
 
Wem ich mehr traue: den News in Brasilien oder den alternativen News der russischen Medien?
Ich traue keinen News! Das mag etwas übertrieben klingen, hat aber einen wahren Kern: Ich weiss, dass jedes Medium eine eigene Agenda verfolgt, und ich bin überzeugt, dass unsere Perspektive gegenüber vermeintlichen „Tatsachen“ umso genauer wird, je mehr Quellen wir beiziehen. Just dies nämlich kann und soll uns guter Journalismus geben: eine Perspektive. Wenn jemand das Wort „Wahrheit“ im Zusammenhang mit Nachrichtenartikeln und Quellen benutzt, kriege ich Schüttelfrost. Es gibt nicht eine Wahrheit, sondern verschiedene Versionen davon – deshalb ist es so wichtig, darüber nachzudenken, woher die Informationen kommen und mit welcher Absicht ein Informant eine bestimmte Geschichte erzählt.
 
Stecken wir mitten in einem Informationskrieg zwischen westlichen und östlichen Medien?
Auf globaler Ebene wird über Einfluss und die Kontrolle der natürlichen Ressourcen gestritten, allerdings nicht nur zwischen West und Ost. Es gibt mehrere Pole: die USA, Russland, China, die EU. Alle versuchen, die Narration zu kontrollieren, weil diese ihren eigenen Interessen dienen kann. Tatsächlich können wir also von einem Informationskrieg sprechen.

Victor Vergara, Ecuador:

«Ich mag RT, Interfax und Sputnik sehr»

Victor Vergara (l.) arbeitet bei der ecuadorianischen Nachrichtenagentur Agencia Pública de Noticias del Ecuador y Suramérica (Andes) und lebt in Quito.

Victor Vergara

Victor Vergara (l.) arbeitet bei der ecuadorianischen Nachrichtenagentur Agencia Pública de Noticias del Ecuador y Suramérica (Andes) und lebt in Quito.

Wie sich meine Sicht auf Russland und die russischen Medien veränderte
Ich hatte mir Russland als ein sehr graues, fernes und kaltes Land vorgestellt. Aber als ich in Moskau ankam, sah ich eine sehr moderne, urbane und „westliche“ Stadt vor mir. Mein Eindruck der russischen Medien hingegen änderte sich nicht, denn ich kenne RT, Interfax und Sputnik seit Jahren und mag ihre Arbeit sehr. Ich lese sie jeden Tag.
 
Wem ich mehr traue: den News in Ecuador oder den alternativen News der russischen Medien?
Ich traue niemandem. Wenn ich mich für ein Thema interessiere, lese ich, was alle verfügbaren Medien darüber geschrieben haben – lokale, westliche und russische Medien. Nur so kann ich mir ein eigenes Bild machen. Dann führe ich Interviews, um weitere Meinungen zu erfahren, und stelle weitere Recherchen an. Gerade wir Journalisten müssen alle Sichtweisen konsultieren, auch wenn wir persönlich ein Medium nicht mögen.
 
Stecken wir mitten in einem Informationskrieg zwischen westlichen und östlichen Medien?
Es gab schon immer einen Informationskrieg – immer seit der Erfingung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg. Daran hat sich auch durch das Ende des Kalten Krieges nichts geändert. Offensichtlich wird das beispielsweise, wenn man Nachrichten über den Syrienkrieg zuerst auf CNN, bei Reuters oder via der inzwischen berühmt gewordenen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte konsumiert und auf ihren jeweiligen Fokus achtet, und dann russische, lateinamerikanische oder alternative Nachrichtenagenturen und Zeitungen konsultiert.
 
Eine Prognose, wie sich dieser Informationskrieg entwickeln wird, ist unmöglich. Wir leben in einer derart globalisierten Welt, dass mich in Ecuador und euch in der Schweiz einzig eine Textnachricht oder ein Videoanruf trennt. Die Zukunft des Journalismus, glabue ich, liegt in globaler Zusammenarbeit.

Tilila El Ghouari, Marokko:

«Jede Seite bedient bloss die eigenen Interessen»

Tilila El Ghouari ist Journalistin bei der marokkanischen Tageszeitung «L’economiste» und lebt in Casablanca.

Tilila El Ghouari

Tilila El Ghouari ist Journalistin bei der marokkanischen Tageszeitung «L’economiste» und lebt in Casablanca.

Wie sich meine Sicht auf Russland und die russischen Medien veränderte
Ich reiste mit der Erwartung nach Russland, die Gastgeber würden uns erzählen, sie wüssten als einzige, wie man guten Journalismus macht und die Wahrheit berichtet. Ich war angenehm überrascht über die Qualität des Workshops, den die Kursleiter mit der intelligenten Bemerkung beendeten, dass man die Wahrheit nie wird wissen können.

Wem ich mehr traue: den News in Marokko oder den alternativen News der russischen Medien?
Ich bleibe mehr überzeugt vom marokkanischen Journalismus. Drei Tage Sputnik-Workshop genügten nicht, um uns aufzuzeigen, wie in Russland gearbeitet wird und wie man dort mit Informationen umgeht. Trotzdem: Die Nachrichtenagentur Sputnik bleibt beeindruckend!

Stecken wir mitten in einem Informationskrieg zwischen westlichen und östlichen Medien? 
Es ist offensichtlich, dass wir uns mitten in einem Konflikt zwischen westlichen und östlichen Medien befinden. Jede Seite bedient ihre eigenen Interessen und bringt bloss jene „Beweise“ vor, die zu ihrem eigenen Vorteil sind. Doch das könnte sich in Zukunft radikal ändern. Denn dank des Internets hat heute jeder von überall auf der Welt her Zugang zu allen Informationen und die Möglichkeit, eine eigene Analyse vorzunehmen.

Camil Straschnoy, Argentinien:

«In diesem Krieg wirken Wörter wie Raketen»

Camil Straschnoy ist Auslandredaktor der staatlichen argentinischen Nachrichtenagentur Télam und lebt in Buenos Aires.

Camil Straschnoy

Camil Straschnoy ist Auslandredaktor der staatlichen argentinischen Nachrichtenagentur Télam und lebt in Buenos Aires.

Wie sich meine Sicht auf Russland und die russischen Medien veränderte
Ich wusste, dass Russland seine kommunistischen Jahre hinter sich gelassen hatte, aber ich hätte mir nie vorstellen können, dass soviele internationale Ketten im Land aktiv sind: Dunkin´ Donuts, McDonald's, Burger King, Starbucks, H&M – um nur einige wenige zu nennen. Erstaunlich fand ich auch, dass in unserem Hotel unzählige Kinder Halloween feierten und um Rubel baten. Eine Veränderung zwischen den verschiedenen Generationen ist sichtbar: Die jungen Leute verhalten und kleiden sich viel westlicher und sprechen viel besser Englisch als die Alten. Allerdings war ich nur in den touristischsten Stadtteilen Moskaus – im Hinterland sind diese Entwicklungen wahrscheinlich noch nicht gleichermassen spürbar.
 
Was die russischen Medien angeht, war ich von der Modernität ihrer Ausstattung überrascht sowie von der hohen Summe, die investiert wird um ein internationales, in dutzenden Sprachen aktives Newsnetzwerk aufzubauen. Sputnik hat Korrespondenten in allen wichtigen Städten der Welt! Nicht überraschend fand ich hingegen die Tatsache, dass die redaktionelle Linie weitestgehend den Verlautbarungen der Regierung entspricht.

Wem ich mehr traue: den News in Argentinien oder den alternativen News der russischen Medien?
Ich traue beiden nicht. Die internationalen News in Argentinien kommen von den grossen Nachrichtenagenturen wie Reuters, AP, AFP und EFE, weil sich die lokalen Medien keine oder fast keine Auslandkorrespondenten leisten können. Ich arbeite in der wichtigsten Nachrichtenagentur meines Landes, und selbst wir haben nur in London, Barcelona, Vatikan-Stadt, Santiago de Chile und San Pablo eigene Leute.
 
Alle erwähnten internationalen Nachrichtenagenturen verfolgen eine redaktionelle Linie, die ihren politischen und finanziellen Interessen entspricht. Die russischen Medien machen genau dasselbe, einfach aus entgegengesetzter Richtung. Deshalb traue ich niemandem, sondern bevorzuge – soweit es möglich ist – beide Seiten zu konsultieren und in meinen Artikeln beide Positionen zu reflektieren.
 
Stecken wir mitten in einem Informationskrieg zwischen westlichen und östlichen Medien?
Ja, wir befinden uns in einem Informationskrieg. Allerdings finde ich es schwierig, ihn auf ein Duell zwischen westlichen und östlichen Medien zu reduzieren. Ich glaube vielmehr, dass es eine hegemoniale und eine alternative Presse gibt, wobei sich deren genaue Ausprägungen je nach Land unterscheiden: Was in den USA einer hegemonialen redaktionellen Linie entspricht, entspricht in Russland der alternativen Sichtweise. Und umgekehrt.
 
Eigentlich ist die Metapher, wir befänden uns in einem Informationskrieg, nicht richtig: Schliesslich tötet die Presse niemanden direkt. Dennoch finde auch ich, dass wir uns in einem eben solchen Krieg befinden, in dem Wörter wie Raketen wirken können. Teilweise wird die Freiheit der ausländischen Journalisten beschnitten; sie können ihrer Arbeit nicht ungehindert nachgehen.
 
Eine Vorhersage zu treffen, wie sich dieser Krieg entwickeln wird, ist schwierig. Der technische Fortschritt macht es immer einfacher, Information zu erhalten und zu verbreiten. Soziale Netzwerke ermöglichen den Zugang zu diesen Informationen und schmälern die Notwendigkeit, traditionelle Medien zu konsultieren. Der Fokus der Medien wird in den nächsten Jahren deshalb darauf liegen, diese Instrumente besser zu verstehen und sich anzueignen, damit sie ihre redaktionelle Linie weiterhin durchsetzen können und gegenüber sozialen Medien nicht weiter an Terrain einbüssen; die Regierungen wiederum werden eine stärkere Kontrolle des Internets anstreben und Spionage betreiben, wie durch die Enthüllungen von Whistleblower Edward Snowden bereits ruchbar wurde.

Sekarsari Utami, Indonesien:

«Russland braucht eine Stimme im Westen»

Sekarsari Utami (vorne) ist Auslandredaktorin des indonesischen Radiosenders „Voice of Indonesia“ und lebt in Depok in der Nähe der Hauptstadt Jakarta.

Sekarsari Utami

Sekarsari Utami (vorne) ist Auslandredaktorin des indonesischen Radiosenders „Voice of Indonesia“ und lebt in Depok in der Nähe der Hauptstadt Jakarta.

Wie sich meine Sicht auf Russland und die russischen Medien veränderte
Vor meinem Besuch hielt ich Russland für altmodisch. Nun aber hat sich meine Sichtweise verändert: Die russische Kultur und Wirtschaft sind starkem amerikanischen Einfluss ausgesetzt. Wo wir auch hinkamen während dieser vier Tage in Moskau, spielten die russischen Radiosender Jason Mraz und Rihanna. Und in den Einkaufsstrassen dominierten GAP, Burger King, Top Shop und Mc Donalds. Der Besuch und der Sputnik-Workshop haben meine Meinung über Russland stark verändert: Nun sehe ich Russland als ein multikulturelles, modernes und kulturell reiches Land. Die russischen Medien geben meist die Sichtweise der russischen Regierung wieder. Doch das ist verständlich: Das Land braucht eine Stimme, und in westlichen Medien fehlt ihnen diese.
 
Wem ich mehr traue: den News in Indonesien oder den alternativen News der russischen Medien?
Die internationalen Nachrichten werden in Indonesien von westlichen Medien wie Reuters, AFP, BBC oder CNN übernommen. „Russia beyond the Headlines“ oder Sputnik sind in Indonesien nahezu unbekannt. In Zukunft versuche ich mir ein umfassenderes Bild zu machen.
 
Stecken wir mitten in einem Informationskrieg zwischen westlichen und östlichen Medien?
Ja – und dieser Informationskrieg kann in Zukunft noch schlimmer werden. Allerdings bin ich überzeugt, dass die Öffentlichkeit intelligent und vorsichtig genug ist, wenn sie Informationen aus den Medien konsumiert. Neue Medienplattformen wie Facebook, Twitter und Blogs könnten eine gute Alternative darstellen zu den sich im Informationskrieg befindenden grossen Medienhäusern.

Govan Whittles, Südafrika:

«Die Russen verdienen viel Respekt»

Govan Whittles (mitte) ist Redaktor der südafrikanischen Wochenzeitung „Mail and Guardian“ und lebt in Johannesburg.

Govan Whittles

Govan Whittles (mitte) ist Redaktor der südafrikanischen Wochenzeitung „Mail and Guardian“ und lebt in Johannesburg.

Wie sich meine Sicht auf Russland und die russischen Medien veränderte
Mein Eindruck Russlands hat sich definitiv verbessert. Ich habe nun ein besseres Verständnis für den Beitrag des Landes zur globalen Entwicklung und seiner Geschichte, die weiter zurückreicht als jene der meisten Länder der Welt. Die Russen verdienen wirklich viel Respekt für ihren Beitrag über die letzten Jahrzehnte!
 
Was die russischen Medien betrifft, verspüre ich einerseits Enttäuschung über ihre regierungstreue Berichterstattung und Besorgnis über den Mangel an Opposition zu dem, was zumindest in meinem eigenen Land als ernster Eingriff in die Medienfreiheit erscheint. Andererseits erscheint mir der Versuch, das globale Publikum von den guten Absichten Russlands zu überzeugen, bewundernswert und durchaus ehrlich. Die Analyse des globalen Kräfteverhältnisses durch russische Medien ist ebenfalls zutreffend.
 
Wem ich mehr traue: den News in Ecuador oder den alternativen News der russischen Medien?
Nach meiner Reise nach Russland bin ich nun endgültig und ohne jeden Zweifel davon überzeugt, dass keinem Medium völlig vertraut werden kann, obwohl ich noch immer geneigt wäre, südafrikanische Medien gegenüber russischen Quellen vorzuziehen. Allerdings bin ich in meinem Land mit den versteckten Absichten vertrauter und erkennte die Schere im Kopf, die bei vielen in unserer eigenen Medienlandschaft existiert, besser. Den Ratschlag unserer russischen Kursleiter, sowohl russische als auch westliche Nachrichten zu konsumieren, um zur Wahrheit zu gelangen, habe ich verinnerlicht.
 
Stecken wir mitten in einem Informationskrieg zwischen westlichen und östlichen Medien?
Ja, wir befinden uns in einem Krieg um die Informationshoheit. Ich befürchte, dass sich die Massenmedien in den nächsten Jahren weltweit noch stärker in einigen wenigen Händen konzentrieren werden. Im Falle Russlands könnten diese Hände der Staat oder die Oligarchen sein. Im Westen dürften es eher einflussreiche Milliardäre sein, die sich Medienunternehmen unter den Nagel reissen, damit diese ihre Meinungen unbestritten nach aussen tragen.
 
Jede Seite will die Bürger der ganzen Welt überzeugen, dass sie selbst für Gerechtigkeit kämpft und die Gegenseite der Aggressor ist. In dieser Schlacht werden soziale Medien und benutzergenerierte Inhalte wie Videos auf Youtube oder Snapchat und Bilder auf Facebook oder Twitter traditionelle Medien an Einfluss bald übertrumpfen.

Peter Lindskov Pedersen, Dänemark:

«Man muss sich des Absenders von News vergegenwärtigen»

Peter Lindskov Pedersen arbeitet für den dänischen Kultur- und Hintergrundsender Radio24syv und lebt in Kopenhagen.

Peter Lindskov Pedersen

Peter Lindskov Pedersen arbeitet für den dänischen Kultur- und Hintergrundsender Radio24syv und lebt in Kopenhagen.

Wie sich meine Sicht auf Russland und die russischen Medien veränderte
Meine Annahme war gewesen, dass die Russen etwas isoliert wären und es vorzögen, für sich zu bleiben. Die meisten Personen, die wir in Moskau trafen, waren jedoch sehr freundlich und gesprächig – zumindest jene, die Englisch sprachen. Ich versuchte die russische Sicht auf Geschichten zu verstehen, die sowohl sie als auch westliche Medien erzählen. Interessant war es, wie sich der russische Journalismus von dem unterscheidet, was ich aus Dänemark gewohnt bin.

Wem ich mehr traue: den News in Dänemark oder den alternativen News der russischen Medien?
Ich sage nicht, dass ich Nachrichten, die von russischen Medien bereitgestellt werden, per se nicht vertraue. Doch man muss sich des Absenders vergegenwärtigen und der politischen Agenda, die dieser verfolgt – besonders wenn das Medium staatlich gefördert wird oder gar dem Staat gehört. In Dänemark hingegen sind staatlich finanzierte Medien ziemlich vertrauenswürdig, weshalb ich alles in allem den News in meinem Heimatland mehr traue.

Stecken wir mitten in einem Informationskrieg zwischen westlichen und östlichen Medien?
Ich glaube es, ja. Der Informationskrieg ist ein Krieg der Meinungen, der Argumente und der Macht. Medien waren schon immer ein Mittel mächtiger Menschen, die Bevölkerung ihres Landes zu beeinflussen und ihm die Agenda vorzugeben.

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