Das Hauptquartier der ukrainischen Marine auf der Krim ist unter Kontrolle prorussischer Krim-Milizen, sogenannter «Selbstverteidigungskräfte» Die Aktivisten, teils vermummt, sind unbewaffnet auf das Gelände vorgedrungen, nachdem sie eine Stunde auf einem Platz gewartet haben, bis der Kommandant der russischen Flotte des schwarzen Meeres eingetroffen ist.

Von ukrainischer Seite sei kein Schuss gefallen, hiess es. Die Offiziere der ukrainischen Marine hätten sich zuerst im Gebäude "verschanzt", sagte ein Sprecher der ukrainischen Marine am Mittwoch.

Über 30 ukrainische Soldaten und die Kommandanten hätten danach den Stützpunkt verlassen, meldete die Agentur Interfax am Mittwoch. Das örtliche Internetportal sevastopol.su berichtete, dass der Marinechef Sergej Gajduk sich im Jogginganzug gestellt habe. Es gab weder Gewalt noch Verletzte.

Dutzende Aktivisten waren auf das Gelände in der Stadt Sewastopol vorgedrungen und hatten die russische Flagge gehisst. Diese Krim-Miliz entfernt nun die ukrainischen Marine-Wappen und weiteres Zubehör aus den Gebäuden. Die bisherigen Marine-Mitarbeiter packen ihre Sachen.

Kontrolle über Stützpunkte

Nicht nur in Sewastopol, auch an anderen Orten übernehmen prorussische Milizen die Kontrolle über ukrainische Truppen-Stützpunkte: Es wurde auch in Nowoosjornoje eine Militärbasis gestürmt, wie das Ukrainische Verteidigungsministerium mitteilte.

Nach ukrainischen Angaben versuchten prorussische Kräfte zudem, mit einem Traktor einen ukrainischen Stützpunkt bei Jewpatorija zu stürmen.

Nach Twitter-Meldungen eines RTL-Journalisten vom Mittwoch Nachmittag ist auch das Wehrbezirks-Kommando in Sewastopol von Bewaffneten belagert.

Tausende ukrainische Soldaten und russische Soldaten befinden sich auf der Krim, in Sewastopol ist die russische Schwarzmeerflotte stationiert.

Die Krim hatte sich am Sonntag in einem Referendum für die Abspaltung von der Ukraine ausgesprochen. Russlands Staatschef Wladimir Putin unterzeichnete am Dienstag einen Vertrag zur Eingliederung der ukrainischen Halbinsel.

Putin will Auto- und Eisenbahn zur Krim bauen

Nachdem die Krim zu Russland gehört, hat Putin gefordert, nicht nur eine Auto- sondern auch eine Eisenbahnbrücke zu der Schwarzmeer-Halbinsel zu bauen, dies berichtet die russische Nachrichtenagentur «Ria Novosti».

Pressefreiheit leidet

Laut Angaben vom «Committee to Protect Journalists» hat die Pressefreiheit in der Krim-Region abgenommen, seit am Sonntag das Referendum für die Unabhängigkeit der Krim angenommen wurde. So wäre es vermehrt zu Belästigungen gekommen. «Auch Reporter ohne Grenzen» berichtet von zunehmenden Angriffen auf Journalisten.

Ban Ki Moon am Donnerstag in Moskau und Kiew

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen will in Moskau und Kiew verhandeln. Ban Ki Moon sagte, es sei «Teil der diplomatischen Bemühungen, um alle Seiten zu einer friedlichen Lösung der Krise zu bewegen». Dabei müssten die Prinzipien der UNO-Charta gelten. Zudem werde er mit UNO-Menschenrechtsbeobachtern die Situation beraten.

USA kündigen weitere Sanktionen an

Die USA kündigten am Dienstag weitere Sanktionen gegen Russland an. "Da kommt noch mehr", sagte Präsidialamtssprecher Jay Carney in Washington. Er deutete an, dass als nächstes auch Strafmassnahmen gegen eine Reihe von einflussreichen Oligarchen mit engen Verbindungen zu Putin verhängt werden könnten.

Auch die EU verhängte Strafmassnahmen. Vielen Kritikern gehen diese Schritte jedoch nicht weit genug. Carney zeigte sich allerdings überzeugt, dass die Sanktionen die russische Wirtschaft treffen würden.

Derweil telefonierten die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama erneut miteinander. Sie seien sich einig gewesen, gegenüber Putin zu betonen, dass die Krise weiterhin diplomatisch gelöst werden könne, teilte das US-Präsidialamt mit.

Kritik von Burkhalter und NATO

Als Bruch der grundlegenden OSZE-Verpflichtungen und nicht vereinbar mit internationalem Recht: So bezeichnete Bundespräsident Didier Burkhalter die jüngsten Schritte Russlands zur Eingliederung der Krim. In seiner Funktion als Vorsitzender der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sagte Burkhalter in einer Mitteilung am Dienstagabend, die einseitige russische Handlung widerspräche der Schlussakte von Helsinki aus dem Jahre 1975.

Darin hätten sich die OSZE-Mitglieder zu einer Sicherheitsgemeinschaft verpflichtet, in der jeder Staat ein gleiches Recht auf Sicherheit habe und keines der Länder seine eigene Sicherheit auf Kosten der Sicherheit eines anderen Staates erhöhe, führte Burkhalter aus.

Die Ukraine ihrerseits legte formell Protest gegen die Anerkennung der Unabhängigkeit der Krim durch Russland ein. Der russische Botschafter in Kiew, Andrej Worobew, sei einbestellt worden, erklärte das ukrainische Aussenministerium am Dienstag.(sda)