Obwohl der serbische Staatspräsident Boris Tadic dem Kompromiss in der Kosovo-Krise zugestimmt hat, lehnt die serbische Minderheit im Norden des Landes die Übereinkunft mit der Kosovo-Regierung ab. "Wir werden die Barrikaden nicht entfernen", sagte der Bürgermeister der Gemeinde Zvecan, Dragisa Milovic, am Freitagabend der Belgrader Nachrichtenagentur Tanjug.

Damit der zuvor ausgehandelte Kompromiss zwischen Albanern und Serben in Kraft treten kann, müssen die Kosovo-Serben die zahlreichen Barrikaden auf den Transitrouten beseitigen.

Zuvor hatte der serbische Chefunterhändler Borislav Stefanovic vergeblich versucht, die Serben an den Strassensperren für eine Zustimmung zum Kompromiss zu gewinnen.

"Das Abkommen, das wir erzielt haben, unterstützen die serbische Regierung und Republikspräsident Tadic", argumentierte er. "Sicherlich hat das Abkommen Schwächen", aber Serbien habe seine Kernforderungen durchsetzen können, sagte Stefanovic. Unklar blieb, ob durch das serbische Nein jetzt die gesamte Übereinkunft hinfällig ist

Der Oberbefehlshaber der KFOR-Schutztruppe, Erhard Bühler, habe als "ehrlicher Makler" in tagelanger "Helikopter-Shuttle-Diplomatie" zwischen Albanern und Serben den Durchbruch geschafft, hiess es bei der von der NATO geführten Truppe.

Kein formelles Abkommen

Es handle sich nicht um ein formelles Abkommen, sondern um eine "Übereinkunft über ein gegenseitiges Verständnis". Voraussetzung sei, dass die Serben im Norden des Landes ihre zahlreichen Strassenblockaden räumen.

Als Kernpunkt dieses Kompromisses wird die KFOR mindestens bis Mitte September die beiden umstrittenen Grenzübergänge Jarinje und Brnjak allein kontrollieren. Die Grenzposten können von Personenwagen und Bussen passiert werden, bleiben aber für Waren geschlossen. Ausgenommen sind humanitäre Güter.

Grössere humanitäre Lieferungen gelangen nur ins Kosovo, wenn eine internationale Organisation zuvor den Bedarf bescheinigt hat. KFOR wird alle Personen und Autos besonders auf Waffen untersuchen.