Dass sich Elisaweta Peskowa vor der Öffentlichkeit verstecken würde, kann man schlecht behaupten: Auf Instagram lässt die 21-jährige Russin ihre 80 000 Fans grosszügig an ihrem Leben teilhaben. Fotos zeigen sie auf Partys, beim Flanieren in Paris – oder beim Tanz mit Tschetscheniens Gewaltherrscher Ramsan Kadyrow.

Besorgnis unter Abgeordneten

Peskowa ist denn auch kein normales russisches «It-Girl». Sondern die Tochter von Kreml-Sprecher und Putin-Intimus Dmitri Peskow. Angesichts dessen ist es höchst brisant, dass Peskowa zurzeit ein Praktikum beim französischen EU-Parlamentarier Aymeric Chauprade absolviert. Der ehemalige Front-National-Politiker war bis 2015 aussenpolitischer Berater von Partei-Chefin Marine Le Pen und politisiert in Brüssel stramm auf Russland-Linie. Er goutiert nicht nur die Krim-Annexion von 2014, sondern zweifelt auch an der Verantwortung der prorussischen Milizen beim Abschuss der MH17-Passagiermaschine über der Ostukraine.

Verschiedene EU-Parlamentarier äusserten ihre Besorgnis über das Engagement Peskovas, nachdem dieses in dieser Woche bekannt wurde. Immerhin sitzt Chauprade im mächtigen Auswärtigen Ausschuss und im Unterausschuss für Sicherheit und Verteidigung. Und auch wenn Assistenten nicht per se Zugang zu vertraulichen Dokumenten haben: Dass die Tochter eines Angehörigen von Putins innerstem Machtzirkel beim EU-Parlament ein- und ausgeht, hinterlässt bei vielen ein mulmiges Gefühl.

Salvinis Deal mit den Russen

Ohnehin ist in Brüssel die Sorge vor russischer Einflussnahme grösser denn je. Erst kürzlich riet der Auswärtige Dienst der EU-Kommission seinen Mitarbeitern, ein gewisses Café im Europaquartier nicht mehr zu besuchen, weil dort russische Spione zugegen seien. Und am vergangenen Sonntag enthüllte die italienische Zeitung «L’espresso», dass die Lega-Partei von Innenminister Matteo Salvini mit den Russen einen schmutzigen Deal verhandelt habe, der ihr für die EU-Wahlen 3 Millionen Euro in die Kasse spülen könnte.

Zuletzt warnte der lettische Premierminister Krisjanis Karins, nicht alle in der Europäischen Union hätten das Ausmass der russischen Einflussversuche ausreichend erkannt. Im Gespräch mit der «Financial Times» verwies er insbesondere auf Moskaus Desinformationskampagnen. Karins: «Wenn Sie Desinformation nicht als Problem erkennen, dann erhöht das ihre Anfälligkeit.» In Lettland befinde man sich an der Frontlinie und erfahre dies jeden Tag. Karins: «Wir müssen verstehen, dass unsere Gesellschaften angegriffen werden.»