Zwar reichte kurz vor Ablauf der Anmeldefrist am Montag noch Mussa Mostafa Mussa, Vorsitzender der liberalen Al-Ghad-Partei, seine Unterlagen für eine Kandidatur ein. An einer Wiederwahl al-Sisis zweifelt aber trotzdem niemand im bevölkerungsreichsten arabischen Land. Mussa gilt als Unterstützer al-Sisis. Seine Kandidatur dürfte damit allein dem Zweck dienen, den Präsidenten nicht als alleinigen Kandidaten antreten zu lassen.

In den vergangenen Wochen hatten nach und nach alle anderen Anwärter ihre Kandidatur zurückgezogen. Zuletzt hatten am Samstag der Präsident des Fussballvereins Samalek, Mortada Mansur, und der Chef der liberalen Al-Wafd-Partei, Sajed al-Badawi, ihren Verzicht auf eine Kandidatur erklärt. Andere potenzielle Mitbewerber landeten im Gefängnis. Die Wahl ist für den 26. März angesetzt.

Der ehemalige Armeechef al-Sisi hatte den Putsch gegen den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi angeführt und 2014 das Präsidentenamt übernommen. Damals bekam er 96,9 Prozent der Stimmen.

Promis rufen zum Boykott auf

Führende ägyptische Persönlichkeiten hatten am Sonntag zum Boykott der Präsidentschaftswahl aufgerufen. Sie beklagten ein Klima der Einschüchterung sowie Massnahmen der Behörden und Sicherheitskräfte, die einen "fairen Wettbewerb" unmöglich machten.

Zu den Unterzeichnern des Boykottaufrufs zählen die früheren Präsidentschaftskandidaten Mohamed Anwar Sadat sowie Abdel Moneim Abol Fotuh, der Nasa-Weltraumforscher Essam Heggi, der den früheren Interimspräsidenten Adli Mansur beraten hatte, sowie der Politikwissenschaftler Hasem Hosni und der frühere oberste Anti-Korruptionskämpfer Hischam Geneina, zwei Berater des inhaftierten Kandidaten Ex-Generalstabschef Sami Anan.

Nach Angaben seines Anwalts Ali Taha wurde Geneina am Samstag von drei Männern in der Nähe seiner Kairoer Wohnung überfallen und so schwer misshandelt, dass er mit Stichwunden im Gesicht und gebrochenem Bein ins Spital musste. Al-Sisi hatte den Richter 2016 als Chef der Verwaltungskontrollbehörde gefeuert, unter dem Vorwurf, er habe die Kosten der Korruption übertrieben hoch dargestellt.