Als sich am Montag der vergangenen Woche in New York die Nachricht verbreitete, dass die Bundespolizei FBI soeben Hausdurchsuchungen in den privaten und geschäftlichen Räumlichkeiten von Michael Cohen durchgeführt hatte, da gab es für Sean Hannity kein Halten mehr. Der rechte Kommentator, der unter der Woche eine dreistündige Radiosendung und ein einstündiges Fernsehprogramm moderiert, sprach von einer Kriegserklärung der amerikanischen Ermittlungsbehörden gegen Donald Trump – handelt es sich doch bei Michael Cohen um den Vertrauensanwalt des ehemaligen Geschäftsmannes und heutigen Präsidenten.

«Dies ist nun offiziell ein Versuch, den Präsidenten der Vereinigten Staaten komplett zu verleumden und, möglicherweise, ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn anzustrengen», donnerte Hannity, der für Trump durchs Feuer gehen würde.

Hannity zählt zu den Klienten

Was Hannity seinem Publikum allerdings verschwieg: Zu den drei Klienten, die Michael Cohen besass, gehörte auch ein gewisser Sean Patrick Hannity, geboren im Jahr 1961, wohnhaft auf Long Island in New York. Dies stellte sich am Montag während einer Anhörung vor Bundesgericht in New York heraus, als die zuständige Richterin den Anwalt Cohens dazu nötigte, die gesamte Klienten-Liste Cohens publik zu machen.

Hannity sagte in seiner Radiosendung zwar, dass er Cohen nie den Auftrag gegeben habe, ihn in rechtlichen Auseinandersetzungen zu vertreten. Auch sagte er, dass die beiden nie einen formellen Zusammenarbeitsvertrag aufgesetzt hätten. Er habe seinen langjährigen Freund aber immer mal wieder um juristischen Rat im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften gebeten und ihm vielleicht auch einmal eine 10-Dollar-Note zugesteckt. Später präzisierte er in seiner Fernsehsendung auf dem Nachrichtenkanal «Fox News Channel»: «Auch ich besitze eine Privatsphäre.»

Mag sein. Aber selbst Alan Dershowitz, renommierter Strafverteidiger und gern gesehener Gast Hannitys, wies den Moderator am Montagabend darauf hin, dass er seine geschäftliche Beziehung zu Cohen hätte deklarieren müssen. Diese öffentliche Zurechtweisung war recht aussergewöhnlich, kann Hannity doch gemeinhin tun und lassen, was er will.

Dies hängt auch mit der Tatsache zusammen, dass Hannity einen direkten Draht zum Präsidenten besitzt – und Trump regelmässig mit dem kantigen Moderator spricht. So schrieb Trump am 11. April auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: «Grosse Show heute Abend mit @seanhannity! 21 Uhr auf @FoxNews». Für einen Sender, der sich explizit an das rechte Amerika richtet, ist eine solche Beziehung Gold wert. Hannity bringt es auch deshalb regelmässig auf mehr als 4 Millionen Zuschauer.

Trump-Show von früh bis spät

Eine ähnliche Rückkopplung zwischen dem Weissen Haus und den Studios von «Fox News» ist übrigens nicht nur in der Hauptsendezeit («Prime Time») hörbar, wenn Stars wie Sean Hannity, Tucker Carlson und Laura Ingraham vom Präsidenten schwärmen. Auch in den frühen Morgenstunden, wenn es von 6 Uhr bis 9 Uhr Zeit ist für «Fox & Friends» mit dem stets gut gelaunten Trio Steve Doocy, Brian Kilmeade und Ainsley Earhardt, haben die Trump-Apologeten auf dem Nachrichtensender das Wort.

Der Medienbeobachter Matthew Gertz, der für das linke Forschungsunternehmen Media Matters arbeitet, macht sich jeden Tag einen Spass daraus, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter aufzuzeigen, wie Trump die Höhepunkte von «Fox & Friends» über sein persönliches Twitter-Konto weiterverbreitet. So tippte der Präsident am Dienstagmorgen eine positive Botschaft über die Steuerreform, nachdem sich auf «Fox News» drei Kleinunternehmer höchst optimistisch geäussert hatten. Auch kritisierte der Präsident den kalifornischen Gouverneur Jerry Brown, ein Demokrat, weil dieser nicht mit der geplanten Aufrüstung an der Grenze zu Mexiko einverstanden ist. Zuvor hatte «Fox & Friends» einer Republikanerin aus San Diego eine Plattform gegeben.