Natürlich fühlte sich der ehemalige Baulöwe Donald Trump in seinem Element, als er am Montag über die Pläne seiner Regierung sprach, Milliarden von Dollar in die veraltete Infrastruktur der grössten Volkswirtschaft der Welt zu investieren. Mitte der Achtzigerjahre habe er sich damit einverstanden erklärt, erzählte ein gut gelaunter Trump im Weissen Haus, eine marode Eislaufbahn in New York City auf Vordermann zu bringen, für deutlich weniger Geld und viel schneller als die öffentliche Hand. Ähnlich werde seine Regierung es nun mit maroden Strassen, Tunnels und Brücken handhaben, sagte der Präsident, als gebe es «keinen Unterschied» zwischen einer Schlittschuhbahn im Central Park und einer amerikanischen Hauptverkehrsachse.

Wie dies geschehen soll, beschreibt das Weisse Haus in einem (seit Monaten versprochenen) Grundlagenpapier, das 55 Seiten zählt und am Montag publiziert wurde. Grundsätzlich sei die Bundesregierung bereit, gegen 200 Milliarden Dollar in die Modernisierung der Infrastruktur zu investieren, heisst es darin, sofern das nationale Parlament, die 50 Bundesstaaten sowie die Privatindustrie Hand dazu bieten würden. Unter dem Strich würden so Investitionen von bis zu 1500 Milliarden Dollar zusammenkommen, behauptet das Weisse Haus.

Tropfen auf den heissen Stein

Wie diese Ausgaben finanziert werden sollen, darüber schweigt sich die Regierung allerdings weitgehend aus. Zwar heisst es im Grundlagenpapier, dass die Bundesregierung den Verkauf zweier Flughäfen in der Agglomeration von Washington und die Privatisierung zweier Hauptverkehrsachsen in der Nähe der Hauptstadt ins Auge fasse. Aber die Erlöse aus solchen Transaktionen wären wohl bloss ein Tropfen auf einen heissen Stein. So behauptet der Dachverband der Hoch- und Tiefbauingenieure, dass ein Nachholbedarf von 836 Milliarden Dollar an Investitionen in Brücken und Strassen bestehe.

Hinzu kommt, dass die Bundesregierung auch ohne Infrastrukturprogramm tiefrote Zahlen schreibt, wie dem ebenfalls gestern veröffentlichten Budget für das kommende Finanzjahr 2019 (das am 1. Oktober 2018 beginnt) zu entnehmen ist. So rechnet Trump mit Einnahmen von 3419 Milliarden Dollar und Ausgaben von 4388 Milliarden Dollar, was einem Budgetdefizit von 969 Milliarden Dollar entspricht. Für das Finanzjahr 2020 prognostiziert die Regierung gar ein Defizit von 1049 Milliarden Dollar.